Dr. Christine Ahlheim
Nachdem die FDP sich nach rund eineinhalb bitteren Jahren eingestehen musste, dass Parteichef Westerwelle zwar viel Talent als Oppositionspolitiker hatte, aber keine glückliche Hand als Regierungsmitglied, soll nun Philipp Rösler die Führung der Liberalen übernehmen. Anders als gewünscht, wird Rösler – zumindest vorerst – nicht Bundeswirtschaftsminister, sondern muss in seinem Amt als Bundesgesundheitsminister verharren.
Die Bilanz seiner bisherigen Tätigkeit an der Spitze dieses Ressorts ist allerdings keineswegs positiv. Hatte die FDP noch im Wahlkampf „mehr Netto vom Brutto“ versprochen, so führte Röslers Gesundheitsreform geradewegs dazu, dass den Bürgern netto noch weniger als vorher bleibt. Und bei der vollmundig angekündigten Einführung der Gesundheitsprämie scheiterte Rösler (erwartungsgemäß) am Widerstand der CSU.
Speziell die Apotheker, die sich traditionell den Liberalen verbunden fühlen, wurden von Rösler wiederholt verprellt. Nicht nur, dass er sie durch das AMNOG mit 200 Mio. € belastet – mit Duldung seines Ministeriums müssen sie auch noch den Sparbeitrag des Großhandels tragen. Die gleichzeitige saftige Honorarerhöhung für die Ärzte dürfte da manchem wie blanker Hohn erscheinen. Eine weitere große Enttäuschung ist das mangelnde Interesse seitens der FDP, die unsäglichen Pick-up-Stellen endlich zu verbieten.
Angesichts dieser negativen Zwischenbilanz darf bezweifelt werden, dass Rösler seine Partei aus der Krise zu führen vermag. Die Apotheker ahnen jedenfalls schon, dass sie von der neuen FDP-Spitze leere Versprechungen und ansonsten nicht viel Gutes erwarten können.
Deutscher Apotheker Verlag
AWA -Redaktion
Dr. Christine Ahlheim M.A. Apothekerin
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(08):2-2