Ursula Hasan-Boehme
Umsatzentwicklung
Die Umsatzentwicklung wird in der unten stehenden Grafik für die alten und neuen Bundesländer, differenziert nach Umsatzkategorien, wiedergegeben. In den alten Bundesländern erhöhte sich der Gesamtumsatz je Apotheke um 3,4% gegenüber dem Vorjahr. Den wesentlichen Beitrag lieferte der GKV-Umsatz, der um 4,5% zunahm. Demgegenüber wuchs der Handverkaufsumsatz nur schwach um 1,0%. Diese Veränderung resultierte im Wesentlichen aus einer positiven Entwicklung der Privatrezepte, während die Selbstmedikationsumsätze zurückgingen. Im Westen waren die Veränderungsraten für den GKV-Umsatz je Apotheke und den Gesamtumsatz besser als im Jahr zuvor.
In den neuen Bundesländern stieg der Gesamtumsatz je Apotheke um 3,3% gegenüber dem Vorjahr. Auch hier leistete den wesentlichen Beitrag der GKV-Umsatz, der allerdings mit 3,7% deutlich geringer zunahm als in den alten Bundesländern. Dafür entwickelte sich der Handverkaufsumsatz positiver mit +1,7%. Insgesamt waren in den neuen Bundesländern alle Veränderungsraten schwächer als im Jahr zuvor.
Sowohl in Ost wie auch West lagen die Veränderungsraten des Gesamtjahrs unter denen des ersten Halbjahrs. Diese Abschwächungen im Jahresverlauf waren im Osten deutlicher als im Westen.
Gegenüber den Veränderungsraten der GKV-Umsätze je Apotheke mit 4,5% bzw. 3,7% stiegen die Gesamtausgaben der GKV für Arznei-, Verband- und Hilfsmittel aus Apotheken mit lediglich 1,3% deutlich geringer an. Dies ist zurückzuführen auf die Patientenzuzahlungen und die Apothekenabschläge sowie die gesetzlichen und die vertraglichen Herstellerabschläge, die sich bei den GKV-Ausgaben dämpfend auswirken. Zudem wurden die gesetzlichen Herstellerabschläge im letzten Jahr auch noch erhöht.
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Rohgewinnentwicklung
Der Wareneinsatz ist mit Abstand der größte Kostenblock der Apotheke und vom Inhaber nur sehr begrenzt beeinflussbar. Insoweit kommt dem Rohgewinn – als Differenz zwischen Umsatz und Wareneinsatz – eine entscheidende Bedeutung für die Ertragslage der Apotheke zu. Der Rohgewinn in Prozenten vom Nettoumsatz hat sich 2010 gegenüber 2009 nur geringfügig verschlechtert. In den alten Bundesländern sank der prozentuale Rohgewinn von 26,4% auf 26,3% und in den neuen Bundesländern von 24,2% auf 24,1%.
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Bei dieser Entwicklung muss berücksichtigt werden, dass das ganze Jahr 2009 noch mit dem Kassenabschlag von 2,30€ je Packung verschreibungspflichtiger Arzneimittel abgerechnet wurde. Auch die Daten des Jahres 2010 sind durch das Gezerre um die richtige Abschlagshöhe mit beeinflusst. Die ersten Monate 2010 wurden auf Drängen der Kassen wieder mit 2,30€ je Rx-Packung abgerechnet und erst ab Mai bzw. in Norddeutschland ab April gingen die meisten Rechenzentren zur Abrechnung mit dem Abschlag von 1,75€ über. Dadurch betrug der Abschlag im Durchschnitt des Jahres 2010 etwa 1,93€ brutto.
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Das breite Spektrum der Rohgewinne in der Praxis wird deutlich anhand einer Häufigkeitsverteilung der Rohgewinne in Prozenten vom Umsatz. Die unten stehende Übersicht zeigt, dass in den unteren Rohgewinnklassen die Ost-Apotheken und in den oberen Klassen die West-Apotheken stärker vertreten sind. In den alten Bundesländern sind es keine 10% der Apotheken, deren Rohgewinn unter 23,1% vom Umsatz liegt, während dies in den neuen Bundesländern auf etwas mehr als ein Viertel zutrifft. Fast 20% der Ost-Apotheken haben einen Rohgewinn zwischen 23,1% und 24,0% und sind damit deutlich der häufigste Fall. Im Westen finden sich mit knapp 18% die meisten Apotheken zwischen 25,1% und 26,0% Rohgewinn, dicht gefolgt von gut 17% mit einem Rohgewinn zwischen 26,1% und 27,0%.
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Kosten und Umsatzrentabilität
Bei den Kosten gab es sowohl im Westen als auch im Osten Steigerungen der absoluten Beträge. Die größten Steigerungen waren bei den Personalkosten zu verzeichnen, während die übrigen Kosten stagnierten. Die Kostensteigerungen insgesamt fielen schwächer aus als die Umsatzentwicklung, sodass nach Abzug der Gesamtkosten vom Rohgewinn noch ein geringfügig verbessertes Betriebsergebnis (vor Steuern) verblieb. Die Zusammensetzung der Kosten im Jahr 2010 wird detailliert in der nächsten Ausgabe des AWA vom 15. Juli 2011 dargestellt.
Entwicklung der typischen Apotheke
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Ausblick auf 2011
Die Umsatzentwicklung im ersten Quartal des Jahres 2011 gegenüber dem Vorjahresquartal war äußerst schwach, für den Gesamtumsatz nur wenig mehr als 1% plus. Diesmal war es insbesondere der GKV-Umsatz, der die Veränderungsraten nach unten zog. Einen wesentlichen Einfluss auf diese Entwicklung hat das AMNOG, das am 1. Januar 2011 in Kraft getreten ist. Dabei beeinflussen insbesondere zwei Maßnahmen den GKV-Umsatz unmittelbar und wirken sich entsprechend auch auf den Gesamtumsatz aus: Der GKV-Umsatz wird sowohl durch den auf 2,05€ erhöhten Abschlag reduziert als auch durch den sogenannten Großhandelsabschlag in Höhe von 0,85% auf den Abgabepreis des pharmazeutischen Unternehmers (ApU), da dieser die Berechnungsbasis für den Apothekenverkaufspreis der verschreibungspflichtigen Arzneimittel verringert.
Die Erhöhung des Apothekenabschlags und der Großhandelsabschlag reduzieren nicht nur den Umsatz, sondern in gleicher absoluter Höhe den Rohgewinn der Apotheke. Allerdings wird der Rohgewinn darüber hinaus weiter reduziert, indem die Großhandlungen – wie die Praxis zeigt – nicht nur den Abschlag von 0,85% auf die Apotheken überwälzen, sondern die Einkaufskonditionen noch deutlich stärker kürzen. Nach Hochrechnungen für 2011 auf der Basis des ersten Quartals ist davon auszugehen, dass sich der Rohgewinnsatz in Prozenten vom Nettoumsatz bei der typischen Apotheke um 1,4%-Punkte vermindert. Der größte Teil davon ist auf die deutlich verschlechterten Einkaufskonditionen zurückzuführen.
Fazit
Angesichts dieser durchaus dramatisch zu nennenden Aussichten ist es für jeden Apotheker unabdingbar, sich zum einen ein klares Bild von seiner Ist-Situation zu verschaffen, um seine individuelle Betroffenheit zu ermitteln und zum anderen ein Maßnahmenpaket zu schnüren, wie diesen Entwicklungen wirksam entgegengesteuert werden kann. Dazu ist es erforderlich, neben den eigenen aussagefähigen Betriebsdaten auch valide, möglichst differenzierte externe Vergleichsdaten zeitnah heranzuziehen. Die individuelle Situation der eigenen Apotheke muss dabei weitgehend treffend abgebildet werden.
Dipl.-Volkswirtin Ursula Hasan-Boehme, Steuerberaterin, TREUHAND HANNOVER GmbH, Steuerberatungsgesellschaft, 30519 Hannover,
E-Mail: ursula.hasan-boehme@treuhand-hannover.de
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(13):5-5