Prof. Dr. Reinhard Herzog
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Das Unternehmen
Die Tradition der Deutschen Post reicht über 500 Jahre zurück: 1490 entwickelte Franz von Taxis das neuzeitliche Postwesen, 1646 wurde von Kurfürst Friedrich Wilhelm von Preußen die Preußische Staatspost gegründet. Im Jahr 1876 vereinte der Reichskanzler Bismarck die Reichspost und die Telegrafenverwaltung zu einer obersten Reichsbehörde und 1924 wurde die Deutsche Reichspost als selbstständiges Unternehmen in die Verwaltung des Reichspostministeriums eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand 1950 die Deutsche Bundespost. 1989 erfolgte durch das Poststrukturgesetz die Aufteilung in „Deutsche Bundespost Postdienst“, „DBP Postbank“ und „DBP Telekom“, und im Jahr 1990 wurde die Deutsche Post der DDR in die Deutsche Bundespost eingegliedert. 1995 wandelte der Bund die drei Post-Unternehmen in Aktiengesellschaften um, von denen die Deutsche Telekom als erstes an die Börse gebracht wurde. Der Börsengang der Deutschen Post erfolgte im Herbst 2000. Parallel zu den unternehmenstechnischen Umstrukturierungen stellte die Deutsche Post ihre Weichen in Richtung Internationalität: Seit 1997 wurden für mehr als 6 Mrd.€ rund um den Globus 40 Unternehmen aus dem Logistikbereich eingekauft.
Heute ist die Deutsche Post AG einer der international führenden Kommunikations- und Logistikkonzerne. Die Geschäftstätigkeit ist in die Sparten „Brief“, „Express“, „Logistik“, „Global Forwarding, Freight“ sowie „Supply Chain“ gegliedert. Von der Finanzdienstleistungssparte in Form einer Beteiligung von 22,9% an der Deutschen Postbank hat sich die Deutsche Post im Januar 2009 getrennt. Die Sparte „Brief“ betreut knapp 40 Mio. Haushalte und stellt werktäglich 66Mio. Briefe zu. In der Sparte „Express“ ist die Tochter DHL in 220 Ländern und Territorien für 2,8Mio. Kunden tätig, die Sparte „Global Forwarding, Freight“ unterhält knapp 1.000 Niederlassungen in über 150 Ländern. Mit der Sparte „Supply Chain“ kümmert sich die Deutsche Post um Dokumenten- und Marketinglösungen sowie Leistungen entlang der gesamten Lieferkette.
Fundamentale Daten
Die Deutsche Post verzeichnete in den vergangenen Jahren zwar keine spektakuläre, aber doch sehr solide Geschäftsentwicklung. Überdurchschnittlich erfolgreich entwickelte sich das Jahr 2010. Der Umsatz stieg um 11,4% auf 51,5 Mrd.€. Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (EBIT) vor Einmaleffekten wurde um 49,7% auf 2,2 Mrd.€ verbessert, nach Einmaleffekten ergab sich ein EBIT von 1,8 Mrd.€ nach 0,2 Mrd.€. Die Umsatzrendite stieg von 0,5% auf 3,6% und das Konzernergebnis wurde mit 2,6 Mrd.€ nach 0,7 Mrd.€ ausgewiesen. Dies entspricht einem Ergebnis je Aktie von 2,10€ nach 0,53€. Mit Ausnahme der Briefsparte, die einen leichten Umsatzrückgang verzeichnete, konnten alle Segmente deutlich zulegen. Dabei wurden auch bisher defizitäre Sparten wieder ins Plus gebracht: Erzielte z.B. das Segment „Express“ im Jahr 2008 noch ein Minus von 2,2 Mrd.€, so wurde jetzt bereits ein Gewinn von 0,5 Mrd.€ dargestellt. Auch in der Sparte „Supply Chain“, die 2008 noch 920 Mio.€ minus erwirtschaftet hatte, wurde jetzt ein positives Ergebnis von 233 Mio.€ ausgewiesen.
Im ersten Halbjahr 2011 hat sich die positive Tendenz zumindest teilweise fortgesetzt. Der Konzernumsatz wurde um 3,6% auf 25,7 Mrd.€ gesteigert. Das EBIT kletterte um 55,7% auf 1,2 Mrd.€ und die Umsatzrendite stellte sich auf 8,2% nach 9,3%. Beim Konzernperiodenergebnis musste allerdings ein Minus von 66,5% auf 603 Mio.€ ausgewiesen werden. Dies entspricht einem Rückgang des Ergebnisses je Aktie von 1,51€ auf 0,50€. Grund hierfür war der Verkauf der Postbank, der 2010 zu einem hohen einmaligen Effekt geführt hatte.
Für das Gesamtjahr 2011 erwartet die Deutsche Post ein Konzern-EBIT in Höhe von 2,2 Mrd.€ bis 2,4 Mrd.€; hierzu sollen die Unternehmensbereiche „Brief“ 1,0 Mrd.€ bis 1,1 Mrd.€ und die anderen Sparten 1,6 Mrd.€ bis 1,7 Mrd.€ beitragen. Das Konzernergebnis sollte sich unter Berücksichtigung der Effekte aus dem Postbank-Verkauf weiter verbessern. Analysten stufen die Aktie der Deutschen Post überwiegend positiv ein. Einem rückläufigen Briefgeschäft dürfte in den kommenden Jahren ein deutliches Wachstum in der DHL-Sparte gegenüberstehen, die vom starken Wachstum im Internethandel profitieren sollte.
Charttechnische Daten
Die Aktie der Deutschen Post verzeichnete seit dem Börsengang 2000 eine wechselvolle Geschichte: Zunächst gab die Notierung von 23€ auf nur noch 8€ nach, um sich zwischen Ende 2002 und Mitte 2007 auf mehr als 25€ zu verbessern. Die weltweite Wirtschaftskrise sorgte dann aber für einen massiven Rückschlag und Anfang 2009 wurden Tiefstkurse im Bereich von 6,60€ erreicht. Dem schloss sich eine deutliche Erholung an, jedoch pendelt der Kurs seit 2010 zwischen rund 11€ und 14€. Aus charttechnischer Sicht könnte sich diese Entwicklung vorerst noch fortsetzen. Allerdings hat sich die Notierung zuletzt deutlich an die untere Widerstandslinie angenähert. Im Falle eines Rückgangs unter diese Marke sind weitere Verluste nicht auszuschließen.
Gesamtmarkttrend
Vor dem Hintergrund der Schuldenkrise und der Bonitäts-Herabstufung der USA erlebte die deutsche Börse Anfang August einen massiven Rückschlag, bei dem alle bedeutenden charttechnischen Widerstände nach unten gebrochen wurden. Grundsätzlich besteht zwar noch die Möglichkeit einer schnellen Korrektur, jedoch gehen die meisten Experten von einer Fortsetzung der Schwächephase aus.
Fazit
Die Aktie der Deutschen Post stellt einen soliden Basiswert mit interessanten Langfristperspektiven dar.
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Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(16):11-11