Lexikon des Apotheken-Marketings

Kreativitätstechniken


Prof. Dr. Andreas Kaapke

Kreativitätstechniken stellen Me­thoden zur Ideenfindung nach bestimmten Spiel-/Suchregeln dar, die vor allem in Gruppen eingesetzt werden. Grundgedanke dieser Methoden ist der Versuch, Ideen oder Lösungen nicht ausschließlich durch rationales, sondern auch durch schöpferisches Denken zu generieren. Die Vorgehensweise bis zum Erhalt unterschiedlicher Ideen kann dabei sowohl intuitiv als auch systematisch sein. Kreativitätstechniken werden vor allem dort eingesetzt, wo entweder tradi­tionell hohe Innovationsraten (z.B. Produktentwicklung) erreicht werden sollen und/oder ein konstanter Bedarf an neuen Ideen vorliegt (z.B. Marketing). Durch Anregung der jeweils individuellen Kreativität sollen vorhandene Blockaden abgebaut werden – z.B. wenn bestimmte Verhaltensmuster nicht verlassen werden, das vorhandene Expertenwissen über das eigene Umfeld den Blick in andere Branchen verhindert, eine allgemeine Skepsis gegenüber Neuem herrscht etc.

Beim Einsatz von Kreativitätstechniken müssen neben den jeweiligen Spielregeln jedoch auch psychologische Faktoren be­achtet werden. Die Team-Atmosphäre, die offen und locker sein sollte, trägt entscheidend zur Kreativität bei. Alle Beiträge sind zu beachten und dürfen per se keiner Wertung unterzogen werden, die hemmend wirkt. Weitere Regeln bei den einzelnen Techniken komplettieren diese generellen Empfehlungen. Die bekanntesten Techniken lassen sich im Hinblick auf ihre grundlegenden Vorgehensweisen wie folgt unterscheiden:

  • intuitive/assoziative Methoden, z.B. Brainstorming oder Kärt­chen- bzw. Metaplan-Technik,
  • synektische/bisoziative Me­thoden (Wissen/Erfahrungen aus einem Fachgebiet werden auf andere, nicht artverwandte Gebiete übertragen), z.B. Reizwort-Analyse, visuell-klassische Synektik, semantische Intuition, sowie
  • systematische/analytische Me­thoden, z.B. Morphologischer Kasten.

Einige der angesprochenen Kreativitätstechniken haben sich in der unternehmerischen Praxis durchgesetzt. Für den Teambildungsprozess und zur Einbeziehung der Mitarbeiter in einer Apotheke bieten sich insbesondere intuitive Methoden an. Vor allem das Brainstorming hat hier nach wie vor eine heraus­ragende Bedeutung, zudem Apothekenteams eine Größe haben, die hierfür geeignet ist. Brainstorming-Sitzungen sollen nicht länger als 30 bis 45 Minuten dauern und 5 bis maximal 8 Personen umfassen. Wichtigste Verhaltensregel ist das Verbot des Ideen-Killings. Damit ist gemeint, dass keine negativen Bemerkungen zu Vorschlägen kommen sollen, sondern allgemein der Versuch unternommen wird, die Ideen der anderen Teilnehmer aufzugreifen und weiterzuspinnen. Ein Moderator tut Not. Dies ist nicht zwingend der Apothekenleiter, im Gegenteil kann es ausgesprochen hilfreich sein, wenn dieser auf Augenhöhe mitdiskutiert und nicht bereits während der kreativen Sitzung durch Bemerkungen seine persönliche Präferenz zu einzelnen Vorschlägen mehr oder minder deutlich zum Ausdruck bringt. Hierarchische Beziehungen existieren während der Brainstorming-Sitzung nicht, die beste Idee soll gewinnen ungeachtet der sie liefernden Quelle.

Wille zur Veränderung

In Apotheken können Brainstorming-Sitzungen für die Ausgestaltung von gezielten Aktionen, für die Generierung von Service­ideen oder auch für das Aus­loben von Anreizen für die Mit­arbeiter genutzt werden. Der Spagat zwischen Offenheit und Kreativität ist dabei unbedingt zu wahren. Schließlich sollte jedem, der einen Kreativitätsprozess anstößt, klar sein, dass damit auch die Erwartungshaltung der Beteiligten einhergeht, dass sich in der Folge des Prozesses etwas verändert. Wer dies nicht leisten kann oder will, sollte die Hände von Kreativitätssitzungen lassen. Die Investition in Form von Zeit wäre dann noch das kleinste Problem.

Prof. Dr. Andreas Kaapke, Professor
an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg
und Inhaber des Beratungsunternehmens
Prof. Kaapke Projekte,
71640 Ludwigsburg,
E-Mail: a.kaapke@kaapke-projekte.de

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(18):7-7