Festverzinsliche Wertpapiere

Wechselspiel von Kurs und Zins


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Anleihen zählen gerade derzeit zu den wichtigsten „Säulen“ bei der Geldanlage: Solide Erträge, geringe Risiken und ein fester Rückzahlungstermin machen sie selbst bei Investoren beliebt, die mit der Börse nicht viel zu tun haben wollen. Doch auch Anleihekurse können schwanken.

Rentable Langläufer

Bei der Laufzeit gilt, dass Papiere mit kurzen Restlaufzeiten die niedrigsten und Langläufer die höchsten Erträge abwerfen. Aktuell steigt die „Zinsstrukturkur­ve“, die das Mittel der Renditesätze angibt, etwa bei erstklassigen Unternehmensanleihen von rund 1,2% für ein Jahr Restlaufzeit auf rund 3,0% für mehr als 15 Jahre Restlaufzeit.

In manchen Phasen kann sich dies allerdings auch umkehren, d.h., Kurzläufer bringen mehr als Langläufer. Dies ist dann der Fall, wenn der Markt mit sinkenden Zinsen rechnet und der erwar­tete Niedrigzins bereits in der Rendite vorweggenommen wird. Umgekehrt steigen die Langlaufrenditen überproportional, wenn der Markt mit steigenden Zinsen rechnet.

Die Kapitalmarktkomponente schließlich erfordert etwas Rechenarbeit. So liegt die Verzinsung neu aufgelegter Anleihen meist auf einem Niveau, das zum Ausgabezeitpunkt als „marktgerecht“ anzusehen ist. Die neue zehnjährige Bundesanleihe hat z.B. einen Nominalzinssatz von 1,75%, die als risikoreicher eingestufte fünfjährige Peugeot-Anleihe 5,625%. Solange die Kapitalmarktzinsen stagnieren, notiert der Kurs dieser Papiere nahe 100%. Falls jedoch die Kapitalmarktzinsen steigen, z.B. für Bundesanleihen auf 3,0%, kauft niemand die 1,75%ige Anleihe zum vollen Preis. Entsprechend gibt der Kurs nach – und dies zumindest rechnerisch so weit, bis die Anleihe wieder eine marktgerechte Rendite abwirft.

Marktgerechte Rendite

Marktgerecht heißt, dass der Käu­fer aus den Zinsen und dem bis zur Fälligkeit vorprogrammier­ten Kursanstieg auf den Rückzahlungsbetrag von 100% eine Rendite von 3,0% erzielt. Ist dies z.B. im Mai 2013 der Fall, würde der Kurs auf 91% zurückfallen. Der Kursrückgang ist dabei umso größer, je länger ein Papier noch läuft – schließlich besteht bei Langläufern auch der größte „Ausgleichsbedarf“ gegenüber dem Nominalzins von hier 1,75%.

Umgekehrt kann es aber auch zu Kursgewinnen kommen: Falls die Marktrendite in diesem Segment bis zum nächsten Jahr z.B. auf 1,25% nachgibt, notiert das genannte Papier dann bei 105% und der Anleger macht einen guten Gewinn.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2012; 37(20):14-14