Prof. Dr. Reinhard Herzog
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Das Unternehmen
Ihren Ursprung hat die Hannover Rück SE in der 1966 vom Feuerschadenverband Rheinisch-Westfälischer Zechen (FSV) in Bochum gegründeten „Aktiengesellschaft für Transport und Rückversicherung“ (ATR). Im Jahr 1970 fusionierte der FSV mit dem HDI Haftpflichtverband der Deutschen Industrie V.a.G. in Hannover und auch die ATR verlegte ihren Sitz nach Hannover. 1976 gab das Unternehmen den Bestand der Transport-Erstversicherung an die Muttergesellschaft HDI ab, es erfolgte die Umbenennung in „Hannover Rückversicherungs-Aktiengesellschaft“ und eine Konzentration auf das Rückversicherungsgeschäft.
Im Jahr 1979 startete die internationale Expansion in die USA und nach Großbritannien, 1981 wurde durch den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an der Hollandia Gruppe in Johannesburg der Zugang zum afrikanischen Markt realisiert. 1994 ging das Unternehmen durch Ausgabe von Aktien auf 25% des Grundkapitals in Frankfurt und Hannover zum Preis von – umgerechnet – 38,35€ an die Börse. Heute werden 50,2% von der zur HDI gehörenden Talanx AG gehalten, dem drittgrößten deutschen Versicherungskonzern.
Obwohl die Hannover Rück zu den jüngsten deutschen Versicherern zählt, konnte sie sich mittlerweile mit einem Prämienvolumen von rund 13,8 Mrd.€ zum drittgrößten Rückversicherer der Welt entwickeln. Betrieben werden die Sparten Schaden- und Personenrückversicherung für über 5.000 Versicherungsgesellschaften in rund 150 Ländern. Die Hannover Rück verfügt über mehr als 100 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften in circa 20 Ländern, das Inlandsgeschäft wird von der E+S Rück betrieben. Bei den Ratingagenturen erfreut sich das Unternehmen einer soliden Bewertung, u.a. bei Standard&Poor‘s mit AA– (very strong).
Fundamentale Daten
Die Hannover Rück erzielt seit Jahren ein überdurchschnittlich starkes Wachstum sowohl bei der Bruttoprämie als auch beim Ergebnis. So verbesserte sich die gebuchte Bruttoprämie im Geschäftsjahr 2012 um 13,9% auf 13,8 Mrd.€, die verdiente Nettoprämie stieg um 14,2% auf 12,3 Mrd.€. Per Saldo wurde das operative Ergebnis (EBIT) mit 1,4 Mrd.€ um 67,2% und das Konzernergebnis mit 858,3 Mio.€ um 41,6% höher ausgewiesen als im Vorjahr. Angesichts der guten Zahlen konnte die Dividende von 2,10€ auf 2,60€ je Aktie erhöht werden, zusätzlich wurde ein Bonus von 0,40€ ausgeschüttet, sodass sich eine Dividendenrendite von aktuell 4,7 % ergibt. Generell profitierte die Hannover Rück von der geringeren Anzahl an Großschäden, wobei für den Hurrikan „Sandy“ netto 257,5 Mio.€ und die Havarie der „Costa Concordia“ netto 53,3 Mio.€ aufgewendet wurden.
Ordentlich entwickelte sich das erste Quartal 2013: Die gebuch‑ te Bruttoprämie stieg von 3,5 Mrd.€ auf 3,8 Mrd.€ (+7,0%). Der Buchwert je Aktie erhöhte sich von 50,02€ (31.12.2012) auf 52,18€. Die Netto-Großschadenbelastung betrug mit 13,4 Mio.€ deutlich weniger als im Vorjahreszeitraum mit 60,6 Mio.€. Vor dem Hintergrund des Wegfalls von positiven Sondereffekten bei den unrealisierten Gewinnen im Vergleichsquartal ging das operative Ergebnis (EBIT) erwartungsgemäß von 393,2 Mio.€ auf 352,5 Mio.€ zurück. Der Konzernüberschuss sank von 261,3 Mio.€ auf 221,4 Mio.€. Das Ergebnis je Aktie betrug 1,84€ nach 2,17€.
Für das Gesamtjahr geht die Hannover Rück davon aus, die gebuchte Bruttoprämie um rund 5% steigern zu können. Das Konzernergebnis soll trotz der Schäden durch die Flutkatastrophe in Deutschland in einer Größenordnung von rund 800 Mio.€ ausgewiesen werden und bei der Kapitalanlagerendite rechnet die Gesellschaft mit circa 3,4%. Festhalten will man an der vergleichsweise hohen Ausschüttungsquote von 35% bis 40%. Für das laufende Geschäftsjahr wurde ein Budget von 625 Mio.€ für mögliche Großschäden bereitgestellt; 2012 lag hier der Aufwand bei 477,8 Mio.€.Analysten stufen die Aktie unterschiedlich ein: Während manche nach den erfolgreichen Vertragserneuerungen weiteres Wachstumspotenzial sehen, rechnen andere aufgrund des zunehmend harten Wettbewerbs mit einer rückläufigen Ertragsmarge.
Charttechnische Daten
Die Kursentwicklung der Hannover Rück-Aktie ist von meist längerfristigen Anstiegsphasen mit temporär massiven Rückschlägen geprägt. So kletterte der Kurs von Herbst 2002 bis Sommer 2008 von rund 16€ auf knapp 36€, bevor es im Herbst 2008 zu einem massiven Rückschlag auf nur noch 15,80€ kam. Dann begann ein neuer – nur 2011 kurzzeitig unterbrochener – Anstieg. Der Aufwärtstrendkanal ist bis heute ungebrochen, jedoch gab die Notierung nach Veröffentlichung der Jahresergebnisse 2012 deutlich nach. Zumindest vorerst bestehen weitere Chancen auf einen Kursanstieg, solange die zwischen rund 52€ und 54€ verlaufenden Widerstandslinien nicht nachhaltig unterschritten werden.
Gesamtmarkttrend
An der deutschen Börse „kämpft“ der DAX wieder einmal mit der psychologisch wichtigen 8.000-Punkte-Marke. Nachdem der vorangegangene Anstieg vergleichsweise schnell vollzogen wurde, war zuletzt eine – durchaus gesunde – technische Reaktion zu beobachten. Aus charttechnischer Sicht bestehen derzeit Chancen auf einen weiteren Anstieg, allerdings können fundamentale Faktoren – etwa von der Schuldenfront – temporär für heftige Turbulenzen sorgen.
Fazit
Die Aktie der Hannover Rück – gekauft an schwächeren Ta‑ gen – stellt ein interessantes Langfristinvestment mit einer soliden Dividendenrendite dar.
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Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2013; 38(14):14-14