Aktien

Ist die Hausse jetzt beendet?


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Eine Börsenregel hat sich unlängst wieder einmal bewahrheitet: „Geld ist der Treibstoff der Börse“. Die massiven Kapitalspritzen der Regierungen haben zu einer freundlichen Stimmung vor allem am deutschen Aktienmarkt geführt. Experten warnen vor einer baldigen Korrektur.

Keine Alternativen

Nachdem der DAX inzwischen erneut die 8.000er-Marke meistern konnte, mehren sich jetzt die warnenden Stimmen, die bereits in den kommenden Monaten einen herben Rückschlag prognostizieren. Das Problem jedoch: Es gibt zurzeit kaum Anlagealternativen. Wer sein Kapital aus den Aktienmärkten abzieht, erhält für Tagesgeldanlagen oft weniger als 0,5%, Bundesanleihen rentieren meist nur mit rund 1,0% und selbst riskantere Unternehmensanleihen werfen bestenfalls 3,0% ab – Zinssätze, mit denen Aktien derzeit noch problemlos konkurrieren können.

Gerade diese Tatsache ist es jedoch, die der Börse in den kommenden Monaten weitere Unterstützung bieten sollte: Ohne Anlagealternativen sind Investoren vorerst weiterhin quasi „gezwungen“, in Aktien anzulegen. Hinzu kommt, dass die Notenbanken bisher – im Gegensatz etwa zum Jahr 2000 – noch keine Schritte erkennen lassen, von ihrer Politik des billigen Geldes Abstand zu nehmen. Solange auch die Inflationsrate weiter auf niedrigem Niveau verharrt, besteht hierfür auch kein Grund, ist man sich doch der Tatsache bewusst, dass eine strengere Zinspolitik die ohnehin angeschlagene Wirtschaft erheblich schädigen könnte.

Im Übrigen ist ein Indexstand von mehr als 8.000 Punkten keineswegs so „hoch“, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte: Als der DAX diesen Wert im Jahr 2000 erstmals überschritt, waren die Märkte „heiß gelaufen“. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis der 30 DAX-Titel lag im Durchschnitt bei rund 25, heute liegt der Wert gerade einmal bei der Hälfte. Und während damals die Dividendenrendite lediglich rund 1,2% erreichte, zahlen die DAX-Unternehmen heute immerhin knapp über 3,0%. Zu bedenken ist schließlich, dass im heutigen DAX-Stand auch die Dividendenausschüttungen der zurückliegenden 13 Börsenjahre enthalten sind. Rechnet man diese heraus, liegt der „reale DAX“ im Vergleich zum Jahr 2000 nur bei rund 5.600 Punkten.

Vor diesem Hintergrund stehen also die Chancen nicht schlecht, dass der DAX in den kommenden Monaten weiter ansteigt und möglicherweise sogar die 10.000-Punkte-Marke erreicht. Dies gilt im Übrigen auch aus charttechnischer Sicht, notiert das Börsenbarometer doch konsequent über dem Gleitenden 200-Tage-Durchschnitt und weiteren wichtigen Unterstützungslinien. Zumindest in früheren Perioden hat ein solcher Aufschwung mindestens ein bis drei Jahre länger gedauert als bisher.

Nicht ganz von der Hand zu weisen sind jedoch auch die Argumente der Skeptiker: Finanzkrise, China, eine rückläufige Wirtschaftsentwicklung und nicht zuletzt eine verstärkte Sorge um mögliche Terroranschläge belasten den Gesamteindruck. Wie labil derzeit die Märkte sind, hat sich im April gezeigt, als die Falschmeldung, in Washington seien Bomben explodiert und Präsident Obama verletzt, die Kurse massiv einbrechen ließ. Die Märkte erholten sich zwar schnell, doch spiegelt sich darin die derzeitige Nervosität wider.

Gut beraten sind Anleger derzeit also, weiter in Aktien engagiert zu bleiben, die Märkte aber sorgfältig zu beobachten und ggf. schnell zu handeln. Sollte einer der negativen Faktoren die Oberhand gewinnen, droht ein Ende der bisherigen Hausse – dann ist es sinnvoll, sich vorerst einmal aus Aktien zurückzuziehen.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2013; 38(17):11-11