Was bedeutet eigentlich...

Arbeitsproduktivität


Prof. Dr. Reinhard Herzog

  • Arbeitsproduktivität =

Output/Arbeitseinsatz

„Output“ sind dabei produzierte Wirtschaftsgüter oder auch der „Ausstoß“ in verschiedenster Form, z.B. behandelte Patienten, reparierte Geräte usw.

In vielen Wirtschaftsbereichen gehört diese Kennziffer zum Standardrepertoire, so sind das bei Autofirmen die gebauten Autos je Vollzeitmitarbeiter.

Im Gesundheitswesen (Krankenhäuser vielleicht einmal ausgenommen) wird die Arbeitsproduktivität bisher noch eher stiefmütterlich behandelt. Dabei kann sie gerade in der Apotheke durchaus wichtige Anhaltspunkte liefern, wie es um den Betrieb steht und wie er sich über die Jahre entwickelt hat.

Als Output dienen hier am zutreffendsten die bedienten Kunden mit getätigten Käufen (Bonkunden) und die verkauften Packungen pro Jahr.

Als Arbeitseinsatz bieten sich die jährlich effektiv gearbeiteten Mitarbeiterstunden an, in der Durchschnittsapotheke sind das etwa 8.000 bis 9.000.

Damit errechnet sich die Arbeitsproduktivität auf Packungs-(P-) oder Kunden-(K-)Ebene in der Apotheke wie folgt:

  • Arbeitsproduktivität (P) =

verkaufte Packungen/
effektive Arbeitsstunden

  • Arbeitsproduktivität (K) =

Bonkunden/
effektive Arbeitsstunden

Bei den Packungszahlen lässt sich von jedem EDV-System am einfachsten die Gesamtzahl ermitteln. Eine Alternative besteht darin, nur die vergleichsweise arbeitsintensiven Arzneimittelpackungen als Basis zu nehmen und das ganze „Sammelsurium“ (überwiegend aus der Freiwahl) außen vor zu lassen.

Eine immer wieder gestellte Frage lautet, inwieweit die Tätigkeit des Inhabers berücksichtigt werden sollte. Am ehrlichsten ist es, diese einzubeziehen. Doch sinnvoll ist das nur, wenn die Arbeitsstunden zutreffend zugeordnet werden und zudem einen nennenswerten Umfang annehmen. Als zuzurechnende Stunden zählen vorrangig jene, die auch von Angestellten geleistet werden könnten, also die Arbeit im Handverkauf oder die Bestellung von Waren (Vertretergespräche etc.). Ob mit oder ohne Chefstunden – handhaben Sie es beim Vergleich der einzelnen Jahre stets auf dieselbe Weise, sonst sind die Werte nicht vergleichbar.

Im Durchschnitt werden etwa 6 Kunden je Arbeitsstunde (über alle Apothekenmitarbeiter hinweg, ohne Chefstunden) bedient sowie rund 8 Arzneimittelpackungen je Arbeitsstunde (bzw. gut 10 über das Gesamtsortiment hinweg) verkauft.

Diese Werte sind von Apotheke zu Apotheke enorm unterschiedlich. Centerapotheken schleusen bei gleichem Umsatz teilweise doppelt so viele Packungen und Kunden durch wie klassische ärztelastige Betriebe, und selbst auf die effektive Arbeitsstunde bezogen liegen die Werte deutlich höher.

Entscheidend ist die zeitliche Entwicklung

Somit sind für die Betrachtung der eigenen Produktivität weniger die absoluten Werte entscheidend als vielmehr deren zeitliche Entwicklung – wie sehen diese beiden Kennzahlen in den Jahresvergleichen aus? Auf diese Weise haben Sie einen ersten Anhaltspunkt, ob die Arbeitsproduktivität bei Ihnen gestiegen ist oder nicht.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2014; 39(05):7-7