Prof. Dr. Reinhard Herzog
Aktien sollten in keinem gut sortierten Wertpapierportefeuille fehlen. Doch ein solches Engagement birgt auch Risiken: Selbst in einer Hausse wird es stets Papiere geben, die unterdurchschnittlich abschneiden oder sogar Verluste bringen. Immer mehr Anleger setzen daher auf ein indexorientiertes Investment. Sie erwerben also Papiere, die einen Börsenindex, wie etwa den Deutschen Aktienindex DAX, möglichst genau nachbilden oder zumindest eine ähnliche Anlagestruktur aufweisen.
Zur Auswahl bieten sich mehrere Produktvarianten an, unter denen zwei eine bedeutende Rolle spielen: indexorientierte Investmentfonds sowie Zertifikate. Gemeinsam ist ihnen die mehr oder minder exakte Nachbildung eines Börsenindex oder eines Korbes unterschiedlicher Aktien, hingegen gibt es im Detail doch deutliche Unterschiede.
Fondsmanagement als Maßstab
Investmentfonds werden von Kapitalanlagegesellschaften geführt, die über das Fondsvermögen Anteile ausgeben. Die Wertentwicklung richtet sich nach der Performance der im Fonds enthaltenen Papiere. Neben Zinserträgen und Dividenden spielen Kursgewinne im Fondsvermögen, aber auch Bezugsrechtserlöse und Erträge aus Finanztermingeschäften eine bedeutende Rolle. Die meisten Fonds sehen eine unbefristete Laufzeit vor. Im Aktienbereich weisen viele Fonds mittlerweile eine Indexorientierung auf, d.h., die Anlage erfolgt überwiegend analog zu einem festgelegten Börsenindex.
Der Vorteil der Investmentfonds liegt in erster Linie in der aktiven Führung. Erfahrene Fondsmanager kümmern sich um die Anlage des Fondsvermögens, sie nehmen Umschichtungen vor und steuern auch das Chance/Risiko-Verhältnis der Fondszusammensetzung. Hierfür berechnen die Emittenten Verwaltungsgebühren, zudem fällt bei den meisten Titeln ein Ausgabeaufschlag an. Dafür kommen jedoch Erlöse, die der Fonds z.B. aus Dividenden erzielt, dem Fondsvermögen und damit letztlich dem Anleger zugute.
Neben klassischen Fonds, die bis zu 5,5% Ausgabeaufschlag kosten und hohe Verwaltungsgebühren vorsehen, spielen Exchange Traded Funds (ETFs) mittlerweile eine wichtige Rolle. Dabei handelt es sich grundsätzlich auch um Fonds, die jedoch ohne aktives Management geführt werden und somit wesentlich kostengünstiger sind. Sie bilden den Basiswert exakt nach und sind deshalb unabhängig von einem möglicherweise schwachen Managementteam, der Handel erfolgt über die Börse.
Vergleichbares gilt für Zertifikate, die – genau genommen – börsennotierte Schuldverschreibungen sind, deren Rückzahlungskurs an ein bestimmtes Produkt gekoppelt ist. Dies kann eine einzige Aktie, ein „Korb“ aus mehreren Papieren oder ein Index sein. Neben klassischen Tracking-Zertifikaten, die die Kursentwicklung des Basiswerts im Verhältnis 1:1 widerspiegeln, gibt es eine große Vielzahl an Spezialkonstruktionen, angefangen von Hebel-Zertifikaten (Kursentwicklung des Basiswerts wirkt sich überproportional auf den Zertifikatepreis aus) bis hin zu Knock-Down-Papieren (Rückzahlung ist an bestimmte Ereignisse wie etwa das Überschreiten festgelegter Kursmarken gebunden). Besonders beliebt sind Discount-Zertifikate, bei denen die Aktie bzw. der Index mit einem gewissen Rabatt angeboten wird, die dafür aber einen festgelegten Maximalgewinn vorsehen.
Welche Kategorie kaufenswert ist, richtet sich nach dem Anlageziel: Wer langfristig an möglichst soliden Ergebnissen interessiert ist, ist im Fondsbereich gut aufgehoben, wobei sich über die Produktauswahl Kosten sparen lassen. Wer indes den spekulativen Kick sucht, kann im Zertifikatebereich fündig werden, z.B. bei Discount-Papieren mit hohen Renditechancen, aber auch wesentlich größeren Risiken.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2014; 39(22):13-13