Zukunft der Apotheke und Ausblick 2015

Drei Fragen an Thomas Preis


Dr. Christine Ahlheim

Thomas Preis ist Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. sowie Mitglied im ABDA-Gesamtvorstand.

AWA: Wie gut ist der Berufsstand der Apotheker auf die Zukunft vorbereitet? Manche externe Branchenexperten bemängeln ja, dass sich die Apothekerschaft mit Herausforderungen wie der gestiegenen Erwartung an die Lebensqualität und der Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht intensiv genug auseinandersetzen würde. Teilen Sie diese Einschätzung?

Preis: Die Apothekerschaft ist für die künftigen Herausforderungen, die insbesondere mit den Folgen einer älter werdenden Gesellschaft zusammenhängen, sehr gut aufgestellt. Auch wenn die Herausforderungen qualitativ und quantitativ zunehmen werden, sind wir für die praktischen Anforderungen einer älter werdenden Gesellschaft entsprechend sensibilisiert und gut gerüstet. Denn heute bereits kümmern wir uns im Zuge der individuellen Arzneimittel- und Hilfsmittelversorgung quasi von Amts wegen intensiv um ältere und kranke Menschen.

Bei der künftigen Positionierung unseres freien Heilberufs bildet das ABDA-Perspektivpapier eine wichtige Orientierung. Es kommt jetzt darauf an, die Schlüsselrolle der öffentlichen Apotheken in der Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung auch auf Basis des auf dem Deutschen Apothekertag 2014 beschlossenen Perspektivpapiers strategisch und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln.

Dabei besteht ein maßgebliches Ziel darin, unsere pharmazeutische Kompetenz als freie, unabhängige Heilberufler noch stärker zum Nutzen einer älter werdenden Gesellschaft einzubringen. Eine angemessene Vergütung hat dabei oberste Priorität. Dafür müssen wir uns auch vehement gegen Widerstände durchsetzen.

Was Zukunftsthemen wie „Lebensqualität im Alter sichern“ und „Digitalisierung im Gesundheitswesen“ angeht, so stehen diese beispielsweise auch im Vortragsprogramm unseres „7. Zukunftskongresses öffentliche Apotheke“ am 31. Januar 2015 auf der Agenda; für diese Vortragsthemen konnten wir hochkarätige Referenten gewinnen: die wohl berühmteste Altersforscherin und ehemalige Bundesministerin Frau Prof. Dr. Ursula Lehr und Dr. med. Markus Müschenich, Vorstand des Bundesverbandes Internetmedizin. Wer sich mit diesen Themen näher auseinandersetzen will, ist herzlich eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen.

AWA: Sie sprachen das ABDA-Perspektivpapier an und auch Ihren „Zukunftskongress öffentliche Apotheke“. Aber unabhängig von diesen Zukunftsinitiativen auf Bundes- und auf Landesebene: Was kann man denn insbesondere den jungen Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg geben?

Preis: Insgesamt betrachtet sind die Zukunftsperspektiven des Apothekerberufs sehr positiv. Das sollten wir künftig auch noch deutlicher nach außen kommunizieren.

Dies ist auch deshalb wichtig, um junge Menschen zu überzeugen, dass der Arbeitsplatz Apotheke eine gesunde Entscheidung ist. Daher haben wir beispielsweise im engen Schulterschluss mit der Apothekerkammer Nordrhein bereits im letzten Jahr die Nachwuchsinitiative „Arbeitsplatz Apotheke – eine gesunde Entscheidung“ gestartet. Eine erfolgreiche Umsetzung im Sinne von Nachwuchsgewinnung bzw. -sicherung gelingt allerdings nur, wenn die Kolleginnen und Kollegen das Besondere unseres freien Heilberufes vorleben und quasi in ihren Apotheken als Markenbotschafter für den Berufsstand fungieren. In Anbetracht der vielen Kunden- und Patientenkontakte, die wir täglich in unseren Apotheken haben, kann sich jeder selber ausrechnen, wie wertvoll dieser Beitrag ist.

AWA: Wie lautet denn Ihr Jahresausblick – welche Schwerpunktthemen zeichnen sich ab und was empfehlen Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen?

Preis: Die stärkere Einbindung unserer pharmazeutischen Kompetenz im Gleichklang mit einer angemessenen Honorierung – das ist für mich kurz auf den Punkt gebracht das zentrale Schwerpunktthema. Dieser Maßgabe folgend müssen wir die Zukunft als Berufsstand aktiv angehen. Wir dürfen uns dabei auch nicht von durch fremde Interessen geleitete Widerstände in die Defensive drängen lassen, die die Bedeutung der öffentlichen Apotheken für eine hochwertige Arzneimittelversorgung nicht ausreichend beachten. Mein Appell lautet daher: Unsere Kräfte im Berufsstand noch besser bündeln und eine noch stärkere Einheit, insbesondere in der Außendarstellung, bilden.

Dabei ist es auch wichtig, dass unsere Kolleginnen und Kollegen intensiver mit ihren Berufsvertretungen vor Ort in Kontakt treten. Hier gibt es in der Regel vielfältige Informations- und Dialogplattformen wie beispielsweise Versammlungen, Kongresse oder Seminare.

Zudem kann jeder in seiner eigenen Apotheke den positiven Imagetransfer für den freien Heilberuf Apotheker und für den Arbeitsplatz Apotheke in die Öffentlichkeit noch aktiver unterstützen. Die ABDA und die Landesorganisationen bieten hier – und das zumeist kostenlos – Materialien für die Werbung in der Apotheke an.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2015; 40(01):3-3