Dividendenzahlungen

Warmer Regen im Depot


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Aktionäre können sich freuen: Allein die 30 DAX-Konzerne schütten in den kommenden Wochen mehr als 28 Mrd.€ an Dividenden aus. Davon profitieren insbesondere Anteilseigner, deren Investment langfristig angelegt ist, erhöht die Dividende doch die Rendite ihres Depots.

Über die Aktie der Deutschen Telekom gab es in den vergangenen Jahren wenig Spektakuläres zu berichten: Seit dem massiven Kursrückschlag in den Jahren 2000 bis 2002 von über 100€ auf unter 10€ pendelt die Notierung in engen Bandbreiten zwischen 10€ und 15€. Wer z.B. im Frühjahr 2007 einstieg, bezahlte mit knapp 14€ fast so viel, wie er auch heute erzielen würde.

Was auf den ersten Blick wie ein langweiliges „Investment ohne Rendite“ aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als wahrer „Ertragsknüller“. Das Stichwort: Dividende. Die Deutsche Telekom überweist ihren Aktionären regelmäßig attraktive Ausschüttungen, die sogar zumindest teilweise steuerfrei sind. So erhielten sie zwischen 2007 und 2014 jährlich zwischen 0,50€ und 0,78€ pro Aktie gutgeschrieben, zusammen stolze 5,66€. Damit sieht die Ertragsrechnung ganz anders aus: Mehr als 40% Dividendenzahlungen machten das Investment auch bei unverändertem Börsenkurs überaus attraktiv. Wenn man diese Ausschüttung unmittelbar nach Zahlung wieder in die Telekom-Aktien investierte, errechnet sich sogar ein Gewinn von 70% in den vergangenen acht Jahren – wobei im Mai 2015 bereits die nächste Ausschüttung erfolgt.

Ähnlich sieht die Situation bei den meisten anderen dividendenstarken Aktien der deutschen Börse aus: Auch bei unveränderten Kursen stellt die Ausschüttung einen soliden Ertrag dar. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass Dividendenerträge sich nur langfristig auswirken. Denn während die sogenannten Stückzinsen bei Anleihen stets separat verrechnet werden, ist der Dividendenanspruch bei Aktien im aktuellen Börsenkurs enthalten. Dieser gibt am Tag der Ausschüttung entsprechend nach. Kauft man also die Aktie der Deutschen Telekom in diesem Jahr kurz vor der Ausschüttung am 22. Mai für z.B. 15,50€, kostet sie am Tag nach dem Dividendenabschlag in Höhe von 0,50€ – zumindest theoretisch – nur noch 15,00€. Manchmal wird der Dividendenabschlag schnell wieder aufgeholt, eine Garantie dafür gibt es aber nicht.

Dividenden reinvestieren

Wichtig im Interesse der Langfrist-Rendite ist es zudem, das erhaltene Geld direkt wieder in Telekom-Aktien zu reinvestieren – wofür das Unternehmen sogar ein entsprechendes Programm bietet. Besitzt man z.B. 1.000 Telekom-Aktien im Wert von 15.000€, bekommt man 500€ Dividende gutgeschrieben, für die immerhin 34 neue Aktien erworben werden können. Im nächsten Jahr fließt die Dividende dann bereits für 1.034 Aktien und dieses „Spielchen“ setzt sich in den Folgejahren fort.

Kursentwicklungen bleiben bei einer solchen Anlagestrategie grundsätzlich unberücksichtigt. Allerdings sollten Sie bei der Auswahl entsprechender Papiere selektiv vorgehen. Ideal sind dividendenstarke Titel mit eher geringen Kursschwankungen, bei Aktien mit hoher Volatilität ist Zurückhaltung geboten. Hier sind z.B. die Versorger zu nennen, deren Dividendenrendite durchaus im Bereich von 4% liegt. Wenn jedoch z.B. der Kurs der RWE-Aktie binnen Jahresfrist um 50% schwankt, ist dies keine solide Grundlage für ein sicherheitsorientiertes Investment.

Dividendenvorteile lassen sich im Übrigen auch erzielen, wenn man ein DAX-orientiertes Anlageprodukt wählt. Denn bei diesem Börsenbarometer handelt es sich um einen sogenannten Performance-Index, bei dem Dividendenzahlungen automatisch eingerechnet werden. Legt man indes den Kursindex zugrunde – der auch parallel zum klassischen DAX berechnet wird – fällt die Rendite wesentlich niedriger aus. Anlageprodukte sind hier neben Investmentfonds insbesondere Exchange Traded Funds (ETFs) auf den DAX, die den Index nahezu exakt 1:1 nachbilden und zudem recht kostengünstig angeboten werden.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2015; 40(04):13-13