Prof. Dr. Reinhard Herzog
Als die durchschnittliche Umlaufrendite vor zehn Jahren unter 3,0% gefallen war, herrschte noch Zuversicht unter den Anlegern: Der „Niedrigzins“ sei eine temporäre Erscheinung, bald werde der Rentenmarkt wieder in die langjährige Bandbreite zwischen 4,0% und 6,0% zurückkehren. Und in der Tat stiegen die Zinsen in den folgenden Jahren nochmals an, bis 2008 die Finanzkrise ihren Höhepunkt erreichte. Um einen Kollaps der Weltwirtschaft zu vermeiden, fluteten die Notenbanken die Kapitalmärkte mit billigem Geld.
Doch dieses Geld floss nur zu einem kleinen Teil in die Wirtschaft. Viel größer waren die Summen, die jetzt nach Anlagemöglichkeiten suchten. Gefragt waren allein sicherheitsorientierte Investments, allen voran Staatsanleihen aus Deutschland. Die Folge: Die Kurse stiegen, die Renditen gaben nach. Verstärkt wurde die Entwicklung durch die sinkende Neuverschuldung: Neue Bundesanleihen sind mittlerweile Mangelware, Bundesschatzbriefe gehören längst der Vergangenheit an. Es verwundert daher nicht, dass die meisten Bundestitel heute quasi zinslos sind und manche sogar eine negative Rendite aufweisen.
Für den Anleger ist diese Situation zweifellos unbefriedigend, schließlich führen die niedrigen Renditen der Bundeswertpapiere auch zu Tiefstzinsen etwa bei den Bankschuldverschreibungen und Unternehmensanleihen. Die Kernfrage gilt daher einer möglichen Trendwende. Doch ein Blick auf die aktuelle Entwicklung lässt wenig Hoffnung aufkeimen: Die Europäische Zentralbank (EZB) hält nicht nur an ihrer Politik des billigen Geldes fest, sondern sorgt mit dem Ankauf europäischer Staatsanleihen weiterhin für eine enorme Geldflut. Gegenwehr kommt nicht einmal von der Inflationsfront, denn schließlich hat allein schon der massive Verfall der Erdölpreise historisch niedrige Geldentwertungsraten zur Folge.
Sparer müssen sich mithin darauf einstellen, auch im laufenden Jahr kaum einen echten Zinsertrag erzielen zu können, wenn sie auf sicherheitsorientierte Produkte setzen. Ein Trost ist zwar die geringe Inflationsrate, zum Aufbau etwa der eigenen Altersvorsorge ist eine Nullrunde bei den Zinsen jedoch absolut ungeeignet. Umso wichtiger ist es gerade jetzt, Produkte mit einer zumindest erkennbar positiven Verzinsung zu erwerben.
Nicht längerfristig festlegen!
Der einfachste Weg sind immer noch Tages- und Festgelder einiger Onlinebanken, die kurzzeitig teilweise bis zu 1,0% bringen, aber auch langfristig nicht wesentlich unter diese Marke abrutschen. Alternativ bieten sich Unternehmensanleihen mit Restlaufzeiten zwischen zwei und fünf Jahren an, die man z.B. über den Anleihe-Finder der Börse Stuttgart (https://www.boerse-stuttgart.de/de/boersenportal/tools-und-services/produktfinder/anleihen-finder/) auswählen kann. Hier finden sich einige durchaus solide aufgestellte Unternehmen, deren Papiere immer noch mehr als 2,0% Jahresertrag abwerfen. Generell meiden sollte man derzeit alle länger laufenden Anleihen. Denn wenn die Kapitalmarktzinsen eines Tages wieder steigen, sind Kursverluste hier vorprogrammiert. Einige Experten fürchten sogar einen Crash, sobald sich die EZB zu einer Straffung der Geldzügel entschließt.
Kaum ein Weg führt schließlich an den Aktienmärkten vorbei, selbst wenn die Kurse in den vergangenen Jahren bereits deutlich gestiegen sind. Eine sorgfältige Titelauswahl mit Beachtung fundamentaler Kennzahlen – etwa der Dividendenrendite – ist hier jedoch unverzichtbar. Zu nennen sind schließlich auch Fremdwährungspapiere: Der deutliche Kursanstieg des Dollar und mehrerer anderer Anlagewährungen gegenüber dem Euro könnte – so rechnen manche Analysten – durchaus der Anfang von einem längeren Trend in diese Richtung gewesen sein.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2015; 40(11):15-15