Tatiana Dikta
Klare Ansagen und von Ihnen durchdachte Entscheidungen treffen nicht immer auf freudige Gesichter der Mitarbeiter. Wenn Sie allerdings ausschließlich deren Wünschen nachkommen, kann das Ihre Apotheke ökonomisch gefährden. Sie bewegen sich also in einem Spannungsfeld, in dem Sie möglichst vielen Anforderungen gerecht werden sollten.
Respektvoll und offen im Team zu kommunizieren hilft, die Balance zu erhalten. Regelmäßige Besprechungen, in denen alle Anliegen ohne Wertung zur Sprache kommen dürfen, können bereits kleine Probleme offenbaren und großen Unruhen im Laufe des Arbeitstages entgegenwirken. Dabei ist es wichtig, dass Sie eine konstruktive und wertfreie Kritik sowohl an Ihnen selbst als auch an anderen Mitarbeitern zulassen. Bringen solche Aussprachen nicht das erwünschte Ergebnis oder offenbart sich das vermeintlich kleine Problem bereits als eine größere Angelegenheit, sollten Sie versuchen, dies zeitnah mit Ihren Mitarbeitern zu klären.
Vertrauen schaffen und achtsam entscheiden
Vertrauen basiert auf gegenseitiger Wertschätzung, Achtung und Respekt. Es entwickelt sich somit erst auf der Grundlage vorangegangener Erfahrungen im bzw. mit dem Team und erfordert Zeit. Zwischenmenschliche Beziehungen sind zu komplex, als dass sich Patentlösungen für die Vertrauensbildung geben ließen. Doch erweisen sich steile Hierarchien und Autoritäten nicht als gute Voraussetzungen. Ist das Team allerdings davon überzeugt, dass es sich mit jedem Problem oder mit jeder Frage an Sie wenden kann, lässt sich etlichen ungünstigen Entwicklungen vorbeugen.
Spontaneität ist zwar eine Charaktereigenschaft, die im Alltag regelhaft positiv bewertet wird. Doch insbesondere, wenn es um Ihre Mitarbeiter – und nicht um Routine-Tätigkeiten – geht, sollten Sie sich erst intensiv, bewusst, empathisch und vorurteilsfrei mit dem Anliegen auseinandersetzen, um anschließend fair entscheiden zu können. Dabei haben respektvolle Gespräche mit den Mitarbeitern die höchste Priorität. Denn ansonsten tendieren Sie dazu, „nach dem Bauchgefühl“ zu entscheiden, Stereotypen zu folgen und bisher gute Beziehungen aufs Spiel zu setzen.
Um mit den Mitarbeitern zu kommunizieren, benötigen Sie ein Repertoire an sozialen Kompetenzen und eine gute Menschenkenntnis. Denn werden Probleme bzw. Unstimmigkeiten ausgeblendet oder falsch interpretiert, bricht das Team auseinander, und es wird häufig schwierig, das Vertrauen wieder herzustellen. Um das zu vermeiden, ist es hilfreich, wenn Sie in stetem Austausch mit Ihren Mitarbeitern stehen und auch z.B. etwas über ihre Vorlieben, Vorstellungen etc. wissen.
Beachten Sie aber: Allein von der Mimik oder der Körpersprache Ihrer (potenziellen) Mitarbeiter auf deren Persönlichkeitseigenschaften zu schließen, ist psychologisch nicht seriös.
Flexibel gegenüber Veränderungen sein
Sich nach „den guten alten Zeiten“ zu sehnen oder jede Änderung negativ zu sehen, bringt einen enormen Energieverlust mit sich. Alles, was nicht zu ändern ist, sollten Sie akzeptieren: Zukunftsorientiert zu führen bedeutet, sich den Gegebenheiten zu stellen und das Bestmögliche daraus zu machen. Andernfalls überträgt sich Ihre negative Einstellung auch auf Ihre Mitarbeiter: Sie werden die künftigen Entwicklungen ebenfalls pessimistisch sehen und von Ideen und Vorschlägen Abstand nehmen – überzeugt davon, dass Anstrengungen sowieso nichts bringen.
Durch eine gezielte Personalauswahl und -entwicklung können Sie Ihre Apotheke von der Konkurrenz abgrenzen. Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter so z.B. dabei, sich fortzubilden! Außerdem lohnt es sich, sie zu motivieren und zu inspirieren. Entwickeln Sie Visionen mit Ihren Mitarbeitern! Denn Optimismus und Zuversicht fördern die Kreativität.
Mitarbeiter einbeziehen und fair behandeln
Mitarbeiter, die in Entscheidungen einbezogen werden, arbeiten zielorientiert und motiviert. Befehle, unbegründete Verbote oder Ausgrenzung hingegen stören jeglichen Dialog zwischen Ihnen und Ihrem Team, sie können weiterführende Ideen sowie Initiativen Ihrer Mitarbeiter im Keim ersticken.
Unangemessene Kritik, fehlende Bereitschaft zur Konfliktlösung oder Ähnliches führen nicht nur zu einer geringeren Motivation, sondern können letztlich sogar die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter gefährden: Relevante Aufgaben werden eventuell nur noch unzureichend oder gar nicht mehr verrichtet. Eine faire und gerechte Behandlung aller Mitarbeiter – auch unabhängig vom kulturellen oder ethnischen Hintergrund – fördert hingegen das Vertrauen und die Bindung an die Apotheke. Das gilt übrigens auch im Hinblick auf Ihre Kunden.
Informationen effizient vermitteln
Gespräche zwischendurch sind eine sehr wichtige Informationsquelle. Doch leider können nicht alle Mitarbeiter gleichzeitig daran beteiligt sein.
Für einen transparenten Informationsfluss benötigen Mitarbeiter eine Plattform, auf der sie sich austauschen können. Dies kann zum einen real in der Apotheke stattfinden, z.B. im Rahmen der erwähnten Besprechungen. Zum anderen lässt es sich auch virtuell über unterschiedliche Kanäle realisieren, z.B. über eine WhatsApp-Gruppe oder einen E-Mail-Verteiler. Die Entscheidung über die Plattform sollten Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern treffen. Wichtig dabei ist, dass sowohl ein Austausch als auch ein Feedback möglich sind. Zudem darf kein Mitarbeiter ausgeschlossen sein, da er sich ansonsten zurecht benachteiligt fühlen würde.
Bei virtuellen Plattformen erweist es sich als sinnvoll, dass die Informationen – z.B. am Ende des Tages – möglichst gebündelt fließen. Ihre Mitarbeiter benötigen natürlich Zeit, um alles zu lesen und eventuell darauf zu reagieren. Bitte berücksichtigen Sie das auch im Arbeitspensum.
Coaching für Apothekenleiter
In großen Unternehmen werden Führungskräfte von Arbeitspsychologen professionell beraten und unterstützt. In der Apotheke ist das – zumindest dauerhaft – wegen des übersichtlichen Teams sicherlich nicht notwendig. Doch treten Probleme und Fragen im Zusammenhang mit der Mitarbeiterführung durchaus häufig auf. In diesem Fall können Sie es erwägen, sich mit Ihren Fragen an einen arbeitspsychologischen Berater oder Coach zu wenden.
Coaches lösen die Probleme nicht, sondern unterstützen die Ratsuchenden dabei, den richtigen Weg zu finden. Inzwischen gibt es eine schier unübersichtliche Auswahl an Anbietern mit unterschiedlichen Qualifikationen auf dem Markt – darunter auch einige „schwarze Schafe“. Da es sich beim Coaching um eine professionelle psychologische Diagnostik und Intervention handelt, sollten Sie darauf achten, dass Sie Coaches engagieren, die über eine fundierte psychologische Ausbildung (ein Psychologiestudium) und fachliche Kenntnisse im Gesundheitswesen verfügen.
Service
Literatur und Quellen (Auswahl):
- Kanning, U.P.: Face Reading – eine Pseudowissenschaft im Aufwind. In: Wirtschaftspsychologie aktuell 2017, 24 (2), S. 9–12
- Montano, D. et al.: Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – Führung. Dortmund/Berlin/Dresden: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2016
- Pörksen, B. et al.: Kommunikation als Lebenskunst – Philosophie und Praxis des Miteinander-Redens. Heidelberg: Carl-Auer Verlag 2016
- Utsch, M.: Auf der Suche nach dem Sinn – die existenzielle Dimension im Coaching. In: Wirtschaftspsychologie aktuell 2017, 24 (2), S. 57–60
Coaching-Portal des BDP:
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2018; 43(03):12-12