Editorial

Bon Appétit!


Dr. Michael Brysch

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wo gehen Sie lieber essen? Im familiengeführten Restaurant nebenan, wo Ihr Schnitzel seinen Weg vom lokalen Metzger direkt auf Ihren Teller findet? Oder bei Ikea, wo man Ihnen Ihre standardisiert hergestellten Köttbullar aufs Tablett legt? Die Frage erscheint Ihnen abwegig? Leider nur ist sie es nicht. So berichtet die „Süddeutsche Zeitung“, dass die Ausgaben für Essen außer Haus gestiegen seien. Davon profitieren würden u.a. Lieferdienste und Systemgastronomen, also Ketten-Anbieter wie Ikea, „die ihre Produkte standardisiert und zum großen Teil industriell als Massenware fertigen.“ Die traditionellen Wirtshäuser hingegen müssten reihenweise schließen – zumal der Job des Wirts anstrengend und die Selbstständigkeit für Viele keine Option mehr sei.

Kennen wir das nicht allzu gut aus der Apotheke? Wer will sich heutzutage noch die große Verantwortung aufbürden, wer das unternehmerische Risiko und wer den bürokratischen Irrsinn (anstelle der erhofften pharmazeutischen Erfüllung), wenn gleichzeitig immer weitere Einschnitte drohen? Und auch den Trend zu „Convenience“ dürfen wir – Stichwort: Versand – jeden Tag aufs Neue erleben. Nichtsdestotrotz: Durch den eigenen Botendienst kann auch die Vor-Ort-Apotheke dieses (bei Patienten manchmal notwendige) Bedürfnis befriedigen. Und indem sie eine individuelle Beratung anbietet, die womöglich noch darauf fußt, dass man den Patienten schon seit vielen Jahren persönlich kennt, hebt sie sich vom Standard manch eines „Massenbedieners“ ab.

In diesem Sinne genießen Sie hoffentlich Ihr individuelles Schnitzel im nächsten familiengeführten Restaurant! Bon Appétit!

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

Dr. Michael Brysch

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2018; 43(08):2-2