Editorial

Ein wenig Provokation gefällig?


Dr. Michael Brysch

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„bei Samenstau schütteln”. Mit diesem Slogan bewarb das Bonner Start-up true fruits seinen Chia-Samen-Saft. Dass man sich mit derartigen Marketing-Provokationen nicht nur Freunde macht, steht wohl außer Frage. Allerdings gelingt es so zweifelsohne, auf sich aufmerksam zu machen. Denn damit eine Marke Erfolg habe, komme es auch im Zeitalter der Digitalisierung darauf an, Menschen zu überraschen, erklärte Dr. Stephan Vogel, Europachef der Werbeagentur Ogilvy, kürzlich in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ). Und deswegen sei Kreativität weiterhin „das Wichtigste (…), um das Herz, den Bauch und letztlich den Geldbeutel zu aktivieren.“

Natürlich soll Sie das jetzt nicht dazu anleiten, Ihre Apotheke über „Samenstau“-Kampagnen als Marke zu definieren. Gerade bei überwiegend älteren Patienten als Zielgruppe sind derartige Deftigkeiten vermutlich nicht das probateste Mittel. Aber es schadet Ihnen vermutlich mitnichten, wenn Sie Ihre (potenziellen) Kunden mit der einen oder anderen originellen Idee überraschen. Hier haben Sie vielleicht auch die Gelegenheit, durch mehr Fantasie und Individualität zu punkten als gewisse Päckchenpacker, mit deren Plakaten die hiesigen Landschaften derzeit geradezu gepflastert scheinen.

Nicht zuletzt machte auch Vogel in der FAZ darauf aufmerksam, dass es bei kleinen Budgets auf „Kreativität und Mut“ ankomme, um eine große Wirkung zu erzielen. Bei großen Budgets hingegen könne man auch „mit Penetranz und Langeweile lange erfolgreich sein.“

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

Dr. Michael Brysch

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2018; 43(10):2-2