Prof. Dr. Reinhard Herzog
Der Großhandel geht mal wieder ans „Einsammeln“ der Rabatte:
Ihr Hauptlieferant (Einkaufsvolumen: 1,5 Mio. €, Rx-Anteil: 80%) möchte „Kontingent- sowie Minderspannenartikel“ (Rx und Non-Rx) von der Rabattierung ausnehmen. Alternativ schlägt er einen „Leistungsbeitrag“ von 5 € je Lieferung vor (drei Lieferungen täglich). Wofür entscheiden Sie sich? Welche Fragen müssen Sie noch stellen?
Lösung des Rätsels aus dem letzten AWA 9/2018:
0,50 € mehr pro Rx-Packung statt Rx-Versandverbot? 0,50 € bringen der Durchschnitts-Apotheke, bei 36.000 Rx-Packungen jährlich, 18.000 € ein. Heute sind je Apotheke 450 Rx-Packungen mit einem Ertrag von etwa 4.500 € im Versand. Es wäre also vorerst eine gute Kompensation. Um die 0,50 € aufzuzehren, müsste der Versand seinen Marktanteil etwa vervierfachen – auf 4% bis 5%. Aus sich selbst heraus schafft er das absehbar nicht: Selbst bei 20% Wachstum p.a. (heute: 10% bis 12%) würde es sieben bis acht Jahre dauern. Da wären wir längst in einer neuen Legislaturperiode mit anderen Gesichtern und Prioritäten. Anders sähe es aus, wenn die Krankenkassen gezielt einstiegen und das elektronische Rezept als neue Herausforderung käme. Dennoch spräche einiges dafür, den Zuschlag zu nehmen und standespolitisch z.B. ein Alternativ-Lieferkonzept zu den Versendern zu entwickeln – es wären immerhin rund 360 Mio. € neu im System!
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2018; 43(10):2-2