Externe Betriebsvergleichszahlen 2017

Vom Umsatzplus bleibt kein Gewinn


Guido Michels

Die Apothekenumsätze wachsen kontinuierlich stark. Besonders große Apotheken werden immer größer. Dieser Trend täuscht aber über die reale Ertragslage: Die Ergebnisse wachsen unterdurchschnittlich oder stagnieren – wegen steigender Ausgaben für Ware und Personal.

Im Folgenden geben wir Ihnen einen Überblick über die Entwicklung der wichtigsten Apotheken-Kennzahlen, die sich aus dem externen Betriebsvergleich für das Jahr 2017 ergeben haben.

Entwicklung der Umsätze

Die Umsätze aller Apotheken in Deutschland sind im vergangenen Jahr um 3,3% gestiegen. Wie Abbildung 1 zeigt, waren die Steigerungen nicht gleichmäßig auf den Westen und den Osten Deutschlands und nicht gleichmäßig auf die verschiedenen Umsatzsegmente verteilt: So sind die Umsätze im Osten etwas stärker gestiegen als im Westen. Die Umsätze über die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wuchsen im Westen um 3,7% und im Osten um 4,0%. Der Handverkauf (Privatrezepte, Selbstmedikation und Freiwahl) legte mit 2,0% (West) und 2,6% (Ost) etwas stärker zu als im Jahr 2016.

Die Gründe für diese Entwicklung der Apothekenumsätze sind seit vielen Jahren identisch:

  • Ein großer Teil der Umsatzerhöhung ist auf den Struktureffekt von teuren, innovativen Therapien zurückzuführen. So stieg der durchschnittliche Verkaufspreis einer verschreibungspflichtigen Packung im Jahr 2017 um etwa 3,5%. Die Anzahl der in den Apotheken abgegebenen Packungen nahm währenddessen in den vergangenen Jahren deutlich weniger stark zu als die Umsätze, 2017 war sie sogar rückläufig.
  • Durch die Schließung von 200 bis 300 Betrieben in jedem Jahr wird Umsatz auf die verbliebenen Apotheken umverteilt. Dies führt zu Umsatzzuwächsen von zirka 1,0 bis 1,5 Prozentpunkten pro Jahr.
  • Im nicht-verschreibungspflichtigen Bereich beeinflussen besonders „Saisoneffekte“ die Entwicklung. Eine starke Krankheitswelle treibt die Umsätze in einem Jahr. Bleibt sie im Folgejahr aus, schwächt dies die Umsatzentwicklung ab.
  • Trägt man die Zahlen aus verschiedenen Quellen zusammen, hat der Arzneimittelversandhandel im Jahr 2017 rund 90 Mio. € an Umsatz dazugewonnen. Der daraus resultierende rechnerische Umsatzverlust je Apotheke schlägt mit rund 4.500 € oder 0,2% zu Buche.

Wie in den vergangenen Jahren auch, haben 2017 allerdings nur zwei Drittel der Apotheken von den Umsatzzuwächsen profitiert. Ein Drittel aller Betriebe verzeichnete dagegen ein Umsatzminus.

Je höher die Umsatzklasse, desto größer war 2017 der Anteil der Apotheken darin, die einen Zuwachs verzeichneten. Die Großen werden also größer, während die Kleinen stagnieren. Dies zeigt sich auch, wenn man die Verteilung der Apotheken auf die einzelnen Umsatzklassen betrachtet. So gab es 2017 weniger Apotheken mit einem Umsatz von bis 1,75 Mio. € als noch 2013. Umsatzschwächere Apotheken scheiden also entweder aus dem Markt aus oder „wachsen“ in höhere Umsatzklassen. Die Anzahl der Apotheken mit höheren Umsätzen dagegen steigt weiterhin an.

Entwicklung der Rohgewinne

Angegeben im prozentualen Verhältnis zum Umsatz (also als Handelsspanne), lagen die Rohgewinne 2017 mit 24,3% im Westen und 22,3% im Osten etwas niedriger als im Vorjahr – und deutlich niedriger als noch 2012, dem Jahr vor der letzten Honorarreform (Abbildung 2). Diese Entwicklung hängt stark mit der steigenden Hochpreisigkeit und der damit verbundenen Verteuerung der Verordnungen zusammen. Denn schließlich sinkt bei der apothekerlichen Vergütung die Marge in Prozent vom Umsatz, je teurer die Arzneimittel sind.

Dass die Rohgewinne im Osten prozentual geringer sind als im Westen, liegt ebenfalls an der Umsatzstruktur. So haben die Verordnungen im Osten im Schnitt einen höheren Wert als im Westen. Außerdem werden im Osten knapp 90% vom Umsatz mit Ware auf Rezept erzielt, im Westen dagegen etwa 85%.

Will man diese Trends bewerten, gilt es allerdings zwischen den prozentualen und den absoluten Rohgewinnen zu differenzieren: Tatsächlich sind nur die prozentual auf den Umsatz bezogenen Rohgewinne gesunken. Die absoluten Werte sind durch die Umsatzsteigerungen seit 2012 konstant gestiegen, im Durchschnitt der letzten fünf Jahre um jährlich 15.000 bis 20.000 €. Dieses Rohgewinnwachstum ist allerdings auch wichtig und nötig für die Apotheken, um die steigenden Kosten auszugleichen.

Übrigens: Ein Teil des Wachstums im Jahr 2017 resultierte aus höheren Vergütungen für Betäubungsmittel und Rezepturen.

Entwicklung der Kosten

Die Gesamtkosten der Apotheken lagen 2017 im Westen bei 18,3% vom Umsatz, im Osten bei 15,9% – und damit auf dem Niveau von 2016. Die absoluten Kosten sind im Schnitt um rund 7.500 € gestiegen – verantwortlich dafür waren ausschließlich die Personalkosten.

Überhaupt sind die Personalkosten der dominierende Block auf der Ausgabenseite der Apotheken. Im Westen lagen sie bei 10,9% vom Umsatz, im Osten bei 9,4%. Dabei handelt es sich ausschließlich um die Personalkosten für Mitarbeiter. Ein kalkulatorischer Unternehmerlohn ist nicht enthalten.

Die sonstigen Kosten fielen mit 7,4% (West) und 6,5% (Ost) vom Umsatz wie im Vorjahr aus. Unter diesen Kosten finden sich viele Positionen, die für den Betrieb einer Apotheke notwendig und/oder zu einem großen Teil nicht veränderbar sind.

Beherrschendes Thema auf Kostenseite ist es daher, bei steigender Personalknappheit gutes Personal zu finden, zu qualifizieren und zu binden – aber gleichzeitig die entsprechenden Ausgaben im Griff zu haben.

Entwicklung der Betriebsergebnisse

Die Betriebsergebnisse der Apotheken lagen Ende 2017 im Westen bei 5,9% und im Osten bei 6,4% vom Umsatz. Hinzu kamen noch durchschnittlich 6.000 € Zuschuss aus dem Nacht- und Notdienstfonds. Prozentual waren die Ergebnisse geringer als im Vorjahr, absolut stagnierten sie in etwa. Die teilweise hohen Umsatzsteigerungen wurden also komplett von Wareneinsatz- und Kostensteigerungen aufgezehrt.

In unseren Berechnungen sind keine kalkulatorischen Kosten enthalten. Auch wurde kein Unternehmerlohn abgezogen. Um das Betriebsergebnis vor Steuern mit dem Einkommen von angestellten Apothekern vergleichbar zu machen, muss man auf den Verfügungsbetrag des Unternehmers abstellen. Dieser errechnet sich aus dem Betriebsergebnis abzüglich Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und gegenläufiger Gewerbesteueranrechnung. Außerdem sind die persönlichen Aufwendungen für das Versorgungswerk sowie die Kranken- und Pflegeversicherung zu berücksichtigen. Den geleisteten Tilgungen für Kredite müssen die Abschreibungen entgegen gestellt werden.

Entwicklung von Kundenkennzahlen

Als interessante Ergänzung des „üblichen Zahlenwerks“ wollen wir Ihnen auch noch einige kundenspezifische Apotheken-Kennzahlen vorstellen: Die Kundenzahlen in den deutschen Apotheken gingen 2017 um 1,5% zurück. Dabei handelt es sich allerdings nicht um einen allgemeinen Trend, denn die Anzahl der Kunden schwankt – wie die der Packungen – von Jahr zu Jahr.

Der Umsatz je Kunde lag im Schnitt zwischen 45 € und 55 € (Tabelle 1). Abweichungen vom Durchschnitt können zum einen an der Verordnungsstruktur liegen. So führt z.B. der höhere Rezeptanteil im Osten zusammen mit dem dort höheren Wert der Rx-Verordnungen zu höheren Umsätzen je Kunde als im Westen. Zum anderen aber können auch Marketingaktionen oder Zusatzempfehlungen diese Kennzahl in einzelnen Apotheken erhöhen. Dann müsste gleichzeitig die Packungszahl je Kunde steigen.

Der Rohgewinn je Kunde lag im Westen bei 10,60 €, im Osten bei 12,10 €. Hier steuerte das Rezept den größten Anteil bei: Eine Packung eines Rx-Arzneimittels bringt in etwa drei Mal so viel Rohertrag wie eine Packung eines Non-Rx-Arzneimittels. Auch die Einkaufsvorteile sowie die Preiskalkulation beeinflussen diese Größe.

Die Personalkosten je Kunde sind ein guter Gradmesser für einen effizienten Personaleinsatz. Im Schnitt bewegen sie sich um 5,00 €. Dies zeigt allerdings auch, dass so mancher Kundenkontakt – vornehmlich im preisgünstigen Non-Rx-Sortiment – für sich genommen die gesamten Personalkosten nicht deckt. Denn zu diesen Kosten gehören neben denen für die pharmazeutischen Mitarbeiter auch diejenigen für PKAs, Boten, Reinigungs- und Bürokräfte.

Ausblick 2018

Das gesamtwirtschaftliche Umfeld ist sehr stabil: Die Wirtschaft wächst, die Beschäftigtenzahlen ebenfalls, das GKV-System steigert Einnahmen und Überschüsse. Bei objektiver Betrachtung gibt es keinen Anlass für akute und/oder dramatische gesundheitspolitische Maßnahmen. Der Koalitionsvertrag von Union und SPD setzt daher auch andere Prioritäten (z.B. eHealth, Pflege) und formuliert keine Kürzungspläne.

Arzneimittel-Innovationen, Zuwanderung und steigende Morbidität sorgen dazu für ein „unabwendbares“ Branchenwachstum. Zusammen mit der Umsatzumverteilung durch Apothekenschließungen und der Arzneimittelrahmenvereinbarung zwischen GKV und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV), die einen Mehrverordnungsspielraum von 3,2% für 2018 vorsieht, sind Umsatzzuwächse zu erwarten.

Wareneinsatz und Rohgewinn werden sich ebenfalls wie in den vergangenen Jahren entwickeln, da die Struktureffekte weiter wirken. Nachdem der Bundesgerichtshof im Oktober 2017 Skonti auf Rx-Arzneimittel neben Rabatten weiterhin für zulässig erklärt hat, sind auch stärkere Korrekturen an den Einkaufsvorteilen weitgehend ausgeblieben. Lieferanten haben zwar ihre Konditionen angepasst – meistens durch höhere Gebühren, Handelsspannenabzüge und Rabattausschlüsse. Dennoch ist das Konditionenniveau in vielen Regionen noch vergleichsweise gut.

Die Personalkosten werden vor allem im ersten Halbjahr 2018 stärker über dem Niveau des Vorjahreszeitraums liegen, da Tarifanpassungen noch wirken. Die Betriebsergebnisse der Apotheken dürften daher Ende 2018 auf einem ähnlichen Niveau liegen wie 2017.

Allerdings können die individuellen Abweichungen erheblich sein. Für die individuelle Steuerung einer Apotheke ist der Branchendurchschnitt ein zu grober Maßstab. Um die eigene Entwicklung nachvollziehen und geeignete Maßnahmen ergreifen zu können, sind Auswertungen nötig, die in kurzer Zeit ein realistisches Bild von der eigenen wirtschaftlichen Lage zeichnen. Dazu ist es erforderlich, neben der eigenen Erfolgsrechnung passgenaue Vergleichszahlen heranzuziehen.

Guido Michels, Diplom-Ökonom , Treuhand Hannover GmbH, 30519 Hannover, E-Mail: guido.michels@treuhand-hannover.de

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2018; 43(11):4-4