Personal-Recruiting bei älteren Bewerbern

Wie Sie bei der Generation 50+ punkten können


Tatiana Dikta

Demografiebedingt werden Ältere immer länger im Berufsleben stehen. Es ist daher nicht die Frage, ob Sie ältere Bewerber bei Ihrer Personalsuche berücksichtigen, sondern wie Sie die Arbeitsplätze in Ihrer Offizin gestalten, um diese für Ihre Apotheke gewinnen zu können.

Die Generation 50+ weist im Vergleich zu Jüngeren eine langjährige, oft vielfältige Berufs- und Lebenserfahrung auf, die Sie in Ihrer Apotheke gewinnbringend nutzen können. Stereotypen wie "Ältere sind unflexibel und nicht belastbar" sind in einer alternden Gesellschaft längst überholt. Zudem haben ältere Beschäftigte ihre Familienplanung in der Regel abgeschlossen und auch beruflich ihre Stabilität erreicht. Das hat positive Auswirkungen auf die Personalplanung – da seltener mit einer Unterbrechung der Arbeitszeit wegen einer Schwangerschaft, Kinderbetreuung oder einer Kündigung aufgrund eines Studiums oder einer anderen beruflichen Veränderung zu rechnen ist.

Ein altersgerechter Arbeitsplatz ist ein Arbeitsplatz der Zukunft

Viele PTA können mit zunehmendem Alter der körperlichen Belastung in der Apotheke nicht mehr standhalten und wollen entweder ganz aufhören oder zumindest ihre Stunden reduzieren. Vor diesem Hintergrund ist es für Sie als Apothekeninhaber wichtig zu wissen, was ältere Bewerber von potenziellen Arbeitgebern erwarten und was ihnen attraktiv erscheint.

Eine altersgerechte Arbeitsgestaltung sollte übrigens nicht auf die Bedürfnisse der älteren Beschäftigten reduziert, sondern als ganzheitlicher Ansatz verstanden werden, von dem Mitarbeiter aller Altersklassen profitieren. Viele der Benefits, die Ältere ansprechen, sind auch Jüngeren wichtig (siehe Tabelle 1).

Ältere Mitarbeiter benötigen möglicherweise flexible Arbeitszeiten oder eine kürzere Arbeitswoche. Viele möchten sich ihrem Hobby widmen und können (oder wollen) körperlich nicht mehr das leisten, was sie früher geleistet haben. Verstehen Sie als Arbeitgeber diese Situation und nutzen Sie ihre Fähigkeiten entsprechend ihrer zeitlichen Verfügbarkeit. Seien Sie bereit, flexibel auch auf diejenigen einzugehen, die eine kürzere Arbeitswoche benötigen. Ihr Talent und ihre Fähigkeiten sind wichtiger, als dass sie neun Stunden am Tag in der Offizin stehen. Work-Life-Balance ist gerade auch für ältere Bewerber ein wichtiger Faktor – sei es, um Familienangehörige zu unterstützen bzw. zu pflegen, oder einfach um das Leben zu genießen.

Übrigens: Manche ältere Angestellte wünschen sich zusätzlich zu ihrem normalen Urlaub eine längere Auszeit, da sie mehr Zeit für die Regeneration brauchen. Es gibt zwar keinen gesetzlichen oder tariflichen Anspruch auf ein "Sabbatical" oder eine Form der Altersteilzeit in Apotheken. Doch könnte es einen echten Wettbewerbsvorteil im Ringen um das knappe Fachpersonal sein, wenn Sie älteren Bewerbern Vereinbarungen anbieten, die es ermöglichen, die Arbeitszeit blockweise so zu verteilen, dass längere Freiräume entstehen.

Wertvoller Wissenstransfer zwischen Alt und Jung

Arbeitnehmer jeden Alters schätzen gute Sozialleistungen. Als besondere Benefits für ältere Mitarbeiter empfehlen sich Angebote zur Förderung der Gesundheit sowie zusätzliche Versicherungsleistungen. Zudem schätzen es Vertreter der Generation 50+, wenn ihr Arbeitsplatz langfristig gesichert ist und sie dort persönliche wie auch finanzielle Anerkennung bekommen. Indem Sie die Kompetenz älterer Arbeitnehmer anerkennen und diese auch entsprechend vergüten, aktivieren Sie einen wertvollen Wissenstransfer. Überdies motivieren Gratifikationen als Anerkennung einer langen Betriebszugehörigkeit die Mitarbeiter, dem Betrieb treu zu bleiben und nicht bei jedem Frusterlebnis gleich die Fühler nach einer Alternative auszustrecken.

Ältere Beschäftigte sind genauso weiterbildungsbedürftig wie jüngere. Neue Technologien und Arbeitsinstrumente sollten ihnen systematisch beigebracht werden. Die Sorge, den rasanten Entwicklungen nicht mehr nachzukommen, treibt viele ältere Arbeitnehmer um und bereitet ihnen Stress – gerade, wenn sie auf Stellensuche sind. Umso wichtiger sind eine gründliche Einarbeitung sowie kontinuierliche Weiterbildungsangebote. Dabei gilt es zu bedenken, dass Ältere oft andere Lernmethoden bevorzugen und in der Regel auch mehr Zeit benötigen, um neue Inhalte zu verarbeiten.

Ausgeprägte Lebenserfahrung und soziale Kompetenz

Auf der anderen Seite geht die Lebenserfahrung der Generation 50+ in der Regel mit einer hohen sozialen Kompetenz und reifen Verhaltensmustern im Umgang mit Kunden und Kollegen einher. Ältere Arbeitnehmer haben in einer hierarchischen Gesellschaft gelernt und dort ihre Erfahrung gesammelt. Respekt gegenüber (jüngeren) Vorgesetzten ist für sie in der Regel selbstverständlich. Sie verdienen aber auch Offenheit und Respekt auf der Gegenseite: Zeigen Sie als Arbeitgeber Interesse für die mitgebrachten Erfahrungen und überlegen Sie gemeinsam mit dem Bewerber, wie diese im Praxisalltag in Ihrer Offizin bestmöglich und für beide Seiten gewinnbringend eingesetzt werden könnten.

Mit dem Älterwerden wandeln sich auch die Leistungspotenziale. Während manche Fähigkeiten nachlassen, entstehen zugleich neue Stärken. Klären Sie das gesamte Apothekenteam darüber auf, wie für ältere Arbeitnehmer Benachteiligungen entstehen und dass Sie solche in Ihrer Apotheke nicht tolerieren werden. Ein altersgemischtes Team bietet viele Vorteile: Es kann Schwächen ausgleichen und ein deutlich breiteres Kundenpublikum ansprechen. Ältere haben in der Regel sehr viel Erfahrung und praktisches Know-how, jüngere Kollegen sorgen hingegen für Dynamik und Offenheit gegenüber Neuem. Auch wenn altersgemischte Teams besonders leistungsstark sind, so ist das Konfliktpotenzial dennoch groß, weil die Wertesysteme der Generationen so unterschiedlich sind; umso wichtiger ist eine positive Führungskultur in der Apotheke.

Zu guter Letzt

Arbeitgeberwechsel sind bei älteren Mitarbeitern seltener. Sie können somit Ihren Personaleinsatz besser planen und haben auch mehr Sicherheit bei Investitionen in Qualifizierungsmaßnahmen. Indem Sie als Apothekeninhaber die Generation 50+ nicht nur gezielt in der Stellenausschreibung ansprechen, sondern auch adäquate Arbeitsbedingungen bieten, vergrößert sich Ihr Bewerberpool deutlich – damit steigt zwangsläufig auch die Wahrscheinlichkeit, dass Sie erfahrene und motivierte Arbeitskräfte gewinnen können.

Literatur

Tatiana Dikta, Christiane Eymers: "Bewerbungsmanagement – Ein Leitfaden für Apotheken und Fachkräfte", Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH (2022), ISBN 978-3-7741-1663-4

Tatiana Dikta, B.Sc. Psychologie (Schwerpunkt: Arbeits- & Organisationspsychologie), PTA, 48161 Münster, E-Mail: tatiana.dikta@gmail.com

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2022; 47(22):12-12