Prof. Dr. Reinhard Herzog
Blickt man auf die Performance deutscher Investmentfonds, sind Zweifel an der Qualität des Managements vieler Fonds angezeigt: Nur in wenigen Jahren werden die maßgeblichen Vergleichsindizes erreicht oder gar übertroffen, in den meisten Fällen liegt die Wertentwicklung jedoch deutlich unter den Ergebnissen des Marktes. Selbst wenn man berücksichtigt, dass ein Fonds zwangsläufig einer höheren Kostenbelastung ausgesetzt ist als etwa ein Indexzertifikat, so stellt sich doch die Frage, ob die eigene Geldanlage nicht die sinnvollere, weil rentablere Lösung darstellt.
Das Problem jedoch: Allein an der deutschen Börse werden mehr als 10.000 verschiedene Aktien und über 200.000 andere Wertpapiere gehandelt, sodass die Titelauswahl einige Erfahrung und viel Fingerspitzengefühl erfordert.
Einfache Strategien sind heute gefragt
Viele Sparer setzen daher auf möglichst einfache Strategien, nach denen sie Aktien aussuchen. Beliebt ist z. B. eine Auswahl nach dem Gewinn eines Unternehmens bzw. dem daraus hergeleiteten Kurs/Gewinn-Verhältnis. Der Nachteil: Beim Gewinn haben die Unternehmen erhebliche Gestaltungsspielräume, um sich – je nach Intention – „reich“ oder „arm“ zu rechnen. Auch steuerliche Neuregelungen, wie wir sie derzeit etwa bei Bankaktien erleben, können eine Rolle spielen.
Als recht einfache Methode, die zudem wenig Zeit erfordert, hat sich die AWA -Dividendenstrategie erwiesen, die wir Ihnen erstmals im August 1997 vorgestellt haben. Aus einer vorgegebenen Anzahl von Aktien – in unserem Fall aus den 30 im Deutschen Aktienindex DAX enthaltenen Werten – werden diejenigen Titel erworben, die die höchste Dividendenrendite abwerfen.
In unserem Musterdepot sind dies zwölf Werte, es können aber auch fünf, sieben oder zehn Titel sein. Voraussetzung für ein spesengünstiges Agieren ist lediglich, dass die einzelnen Positionen wenigstens rund 5.000 € ausmachen – sonst zehren die Mindestspesen bei Kauf und Verkauf überdurchschnittlich am Ertrag.
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Regelmäßige Überprüfung und Umschichtung
Das Musterdepot wird in regelmäßigem Turnus – in unserem Fall alle sechs Monate – unter die Lupe genommen: Papiere, die im Dividendenranking nicht mehr zu den Top-12-Werten zählen oder aus dem DAX herausgefallen sind, werden verkauft, neue Aktien werden erworben. Alle Dividendenzahlungen werden ebenso wie Bezugsrechtserlöse stets in denselben Papieren wieder angelegt.
Andere Aspekte, die sonst bei jeder Aktienanlage wichtig sind, finden jedoch keine Berücksichtigung:
- Der Anleger bleibt selbst dann in den gewählten Papieren investiert, wenn die Börse zur Schwäche neigt oder ein Crash droht.
- Er nimmt weder außerordentliche Käufe noch Verkäufe vor.
- Er beachtet auch keine charttechnischen oder fundamentalen Signale oder gar „heiße Tipps“.
Nur wenn eine derartige Selbstdisziplin geübt wird, bleibt der Anlageerfolg nach unserem Modell sichergestellt.
Die Dividendenstrategie basiert auf dem einfachen Grundgedanken, dass ein Unternehmen mit hoher Dividendenzahlung – zumindest im Regelfall – besonders aktionärsfreundlich ist und alles daran setzen wird, seinen Geldgebern auch künftig eine angemessene Rendite zukommen zu lassen. Zudem ist davon auszugehen, dass eine hohe Dividendenrendite nicht nur ein gewisses „Risikopolster“ für den Fall einer allgemeinen Börsenschwäche darstellt, sondern dem Wert im Fall einer Aufschwungphase auch ein überdurchschnittliches Kurspotenzial nach oben gibt.
Eine Garantie für einen guten Wertzuwachs kann allerdings auch eine solche Strategie nicht bieten. Wenn die Börse massiv einbricht, wird der Anleger ebenso Verluste erleiden wie in Fällen, in denen ein zunächst dividendenstarker Wert durch einen unerwarteten Gewinnrückgang in die Schlagzeilen gerät. Gerade bei den DAX-Unternehmen ist jedoch aufgrund der umfassenden Publizitätspflichten davon auszugehen, dass unliebsame Überraschungen wohl kaum zu befürchten sind.
Musterdepot überzeugt mit Ergebnissen
Bereits seit Jahren überzeugt das AWA -Musterdepot mit Ergebnissen, die in den meisten Fällen mehr oder minder deutlich besser sind als die Wertentwicklung des DAX. Besonders hohe Abweichungen gab es z. B. in den Jahren 2000 und 2006, als unser Musterdepot eine um über 12%-Punkte höhere Rendite abwarf als der DAX. Dass es nicht immer so gut läuft, bewies das Jahr 1999, als das Musterdepot – vorrangig aufgrund der schlechten Performance einzelner Titel – um 8,0%-Punkte schlechter abschnitt als der Index (siehe Tabelle auf Seite 13).
Überaus zufrieden sein können Anleger mit dem Börsenjahr 2007: Während das Musterdepot im ersten Halbjahr noch eine nahezu gleiche Entwicklung verzeichnete wie der DAX, konnte insbesondere im vierten Quartal ein deutlicher Vorsprung herausgearbeitet werden. Die DAX-Verluste Ende November gingen am Musterdepot sogar nahezu ohne Auswirkungen vorüber. Per saldo erreichte der DAX im Jahr 2007 einen Wertzuwachs von rund 22,3%, während das Musterdepot mit stolzen 28,9% abschließen konnte.
Zum Jahreswechsel erfolgte – wie regelmäßig alle sechs Monate – eine neuerliche Überprüfung der Depotzusammensetzung. Nicht mehr dabei sind jetzt die Aktien von Fresenius Medical Care, E.ON, Henkel Vz., Hypo Real Estate, TUI und der Deutschen Börse. Neu aufgenommen wurden die Papiere von Daimler, Thyssen-Krupp, BMW, der Commerzbank, der BASF sowie der Allianz.
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Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2008; 33(03):13-13