Prof. Dr. Reinhard Herzog
Deutschen Kapitalanlagegesellschaften weht der Wind ins Gesicht: Zuerst hatte die Baisse zu hohen Verlusten bei den meisten Aktienfonds geführt und das Vertrauen der Investoren in diese Anlagekategorie vernichtet, dann sorgte die Konkurrenz der wesentlich preisgünstigeren Zertifikate für einen Schwund bei den Anlagegeldern. Doch statt die Preise zu senken oder die Dienstleistungen zu verbessern, setzt die Branche jetzt auf höhere Gebühren. Ob DWS, Allianz, Cominvest oder Deka: Immer mehr Investmentfonds sehen neben den „klassischen“ Entgelten auch eine „Performance Fee“ vor.
Tägliche Berechnung
Dabei zeigt sich die Branche keineswegs zimperlich: Festgelegt wird z.B. ein Index als Maßstab, an dem sich das Fondsmanagement messen lassen muss. Erreicht der Fonds eine bessere Wertentwicklung als der Index, wird die Fondsgesellschaft mit bis zu 25 % an diesem Mehrerlös beteiligt. Eine Performance in der Größenordnung des Index oder eine schwächere Wertentwicklung bleibt indes meist unberücksichtigt. Die Berechnung der Erfolgsprovision erfolgt im Übrigen üblicherweise auf täglicher Basis, sodass sich selbst bei leichten Wertschwankungen im Fondsvermögen erkleckliche Beträge ergeben können.
Bei der Berechnung selbst sind die Fondsgesellschaf- ten ebenfalls ideenreich: Als Messlatte, auch „Benchmark“ genannt, werden meist Kurs-indizes gewählt, bei denen die Dividendenzahlungen der im Fonds enthaltenen Wertpapiere nicht berücksichtigt werden. Tatsächlich fließen die Dividenden jedoch dem Fonds zu, sodass dieser letztlich eine „Über-Performance“ aufweist, die dem Fondsmanagement als Erfolg zugerechnet wird und den Anleger Provision kostet.
Auch mit der Wahl der Benchmarks lassen sich die Erträge des Fonds steuern: Kein aktiv gemanagter Fonds ist dauerhaft exakt dem zugrundeliegenden Index nachgebildet. Wählt die Fondsgesellschaft jedoch einen Index mit traditionell eher schwächerer Performance, erzielt sie automatisch zusätzliche Erträge.
Die bisherigen Kosten werden allerdings von kaum einer Fondsgesellschaft angetastet. So werden Anleger bei Rentenfonds mit einem Ausgabeaufschlag zwischen 2,5 % und 3,0 % belastet. Bei Aktienfonds werden im Durchschnitt 5,0 % und in der Spitze bis zu 6,5 % berechnet. Hinzu kommen die laufenden Verwaltungskosten von durchschnittlich 1,0 % (Rentenfonds) bzw. 1,8 % (Aktienfonds) pro Jahr, die Depotgebühren und die von den Fondsgesellschaften meist nicht näher ausgewiesenen Transaktionskosten.
Seltene Zusatzperformance
Gerechtfertigt wären diese Kosten, würden die Kapitalanlagegesellschaften tatsächlich einen deutlich höheren Ertrag erzielen als etwa indexbezogene Zertifikate. Tatsächlich wird die Indexperformance in den meisten Fällen nur mit Mühe erreicht und allenfalls geringfügig übertroffen. Die Performance Fee mindert dann noch den Zusatzertrag, sodass sich eine eher magere Rendite ergibt.
Als Anleger sollten Sie daher künftig verstärkt auf die in den Rechenschaftsberichten ausgewiesenen Kostenbelastungen achten. Alternativ zu Fonds bieten sich in vielen Fällen kostengünstigere Zertifikate auf einzelne Indizes an, die als Ergänzung etwa zu einem Basisdepot aus festverzinslichen Wertpapieren erworben werden.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2008; 33(03):17-17