Lebenszyklusfonds

Alter Wein in neuen Schläuchen


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Werbung wird bei deutschen Investmentgesellschaften großgeschrieben. In immer neuen „Verpackungen“ werden Produkte angeboten, deren Konzept längst bekannt ist. Jüngstes Beispiel sind die Lebenszyklusfonds, die dem Anleger sogar Steuervorteile sichern sollen.

Lange Zeit war die Altersvorsorge Thema Nummer eins der deutschen Finanzbranche. Doch mittlerweile zeigt sich: Mit der drohenden Renten­lücke lässt sich kaum noch Neugeschäft generieren. Gerade die konjunkturelle Belebung hat dazu beigetragen, dass sich deutsche Anleger weniger für das Alter „65 plus“ interessieren, sondern eher mittelfristige Ziele ins Auge fassen. Gerne werden dabei Etappenziele gesetzt, z.B. das eigene Haus mit 40 oder die ausgiebige Traumreise zum 50. Geburtstag.

Mischfonds mit festgelegter Laufzeit

Diese Entwicklung hat auch die Finanzbranche erkannt und mit den sogenannten Lebenszyklusfonds eine Produktkategorie auf den Markt gebracht, die dem Etappengedanken am nächsten kommt. Bei Lebenszyklusfonds handelt es sich – zumindest vom Konzept her – meist um gemischte Investmentfonds mit festgelegter Laufzeit von z.B. 10, 15 oder auch 20 Jahren. In der Startphase werden erhebliche Anteile des Sparkapitals am Aktienmarkt angelegt, um so möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Im Laufe der Zeit wird der Aktienanteil dann kontinuierlich reduziert und das Geld wird in Anleihen umgeschichtet.

Als besonderes „Zuckerl“ dient derzeit die Abgeltungssteuer: Fondsanteile, die bis Ende 2008 gekauft werden, unterliegen der so­genannten Altfallregelung, d.h., Kursgewinne bleiben auch über das Jahr 2009 hinaus steuerfrei.

Vom Prinzip her kommt ein Lebenszyklusfonds also einer individuellen Anlagestrategie sehr nahe. Zwei Probleme sind damit jedoch verbunden:

  • der Investitionszeitpunkt und
  • die mit der Fondsanlage verbundenen Kosten.

Kauft ein Anleger heute z.B. einen Lebenszyklusfonds mit 10-jähriger Laufzeit, wird der Großteil des Kapitals in Ak-tien investiert. Sollte die Börse allerdings in den kommenden Jahren nachgeben, kann es – siehe die Baisse 2000/03 – mehrere Jahre dauern, bis allein das investierte Kapital wieder erreicht wird. Und weil sich der Aktienphase eine Anleihenphase anschließt, sind auch dann die Renditeaussichten allenfalls mäßig. Denn schließlich steuert der Fonds auf ein Fälligkeitsdatum hin, ab dem die vorangegange­nen Verluste nicht mehr aufgeholt werden können. Günstiger wären also – was kaum angeboten wird – flexiblere Fonds, die auch die Marktlage berücksichtigen.

Hohe Kosten

Beim Kauf werden in der Regel einmalig zwischen 3,0% und 5,5% Ausgabeaufschlag verlangt, hinzu kommen die Verwaltungs- und Depotgebühren, die im Durchschnitt bei 1,4% p.a. liegen. Investiert der Lebenszyklusfonds statt direkt in Aktien und Anleihen lediglich indirekt in andere Fonds, kann es zu doppelten Belastungen kommen. Auch eine Erfolgsbeteiligung ist bei dieser Fondsart inzwischen zum Thema geworden. Und schließlich wird manchmal eine Kapitalgarantie geboten, die nochmals erheblich am Ertrag zehrt. Die Bequemlichkeit eines Lebenszyklusfonds kostet den Anleger in der Regel mindestens 2,5 Prozentpunkte seiner Rendite, sodass auch die Steuervorteile nur ein schwacher Trost sind.

Unser Urteil: Ein Lebenszyklusfonds ist meist nichts anderes als ein Misch- bzw. Dachfonds. Das Fälligkeitsdatum signalisiert dem Anleger ein hohes Maß an Zuverlässigkeit, das jedoch nicht gege-ben ist. Auch die Kosten zehren erheblich am Ertrag.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2008; 33(14):16-16