Rüdiger Ott
Das Zauberwort für lebendige Kundenbeziehungen heißt Dialog. In der Offizin nutzen wir im direkten Kontakt Worte und Körpersprache, um miteinander zu kommunizieren. Im Kundenbrief arbeiten wir mit Fragen, in den Mund gelegten Antworten und Bildern. Doch was kann ein Brief wirklich leisten? Wo liegen seine Möglichkeiten und Grenzen?
Mit wem möchten Sie kommunizieren?
Die Erwartungen, die Sie an Kundenbriefe stellen können, werden stark beeinflusst von den Zielen, die Sie damit verfolgen. Und diese wiederum hängen davon ab, mit wem Sie kommunizieren möchten:
- Stammkunden sind mit Ihnen und Ihrer Apotheke vertraut. Sie kennen Ihre Angebote relativ gut und denken positiv über die Apotheke. Doch auch diese Zielgruppe möchte eine Bestätigung dafür haben, dass sie nach all den Jahren immer noch an der richtigen Adresse ist. Bringen Sie bei diesen Kunden zum Ausdruck, dass Sie ihre Treue schätzen, und setzen Sie mit Angeboten und Einladungen Impulse.
- Neukunden, die Sie z. B. im Rahmen einer Messaktion gerade gewonnen haben, sind in ihrer Beziehung bei Weitem noch nicht gefestigt. Sie brauchen eine Bestätigungswerbung und erfordern in den ersten Monaten eine engmaschigere Betreuung – unter Umständen sogar alle vier Wochen. Dankeschönbriefe nach Aktionen, Ankündigungen von Folgeaktionen und das Anbieten der Kundenkarte sind beliebte Themen.
- Potenzielle Neukunden brauchen einen Appetitmacher, der ihnen klarmacht, warum sie ausgerechnet in Ihre Apotheke kommen sollen. Produkte oder Dienstleistungen, die es in anderen Apotheken nicht gibt, können eine Lösung sein: Sie führen handsignierte Zahnbürsten, prüfen Bettfedern auf allergisierende Rückstände oder bieten Blutdruckmessgeräte zu einem unschlagbaren Preis mit 4-Jahre-Austauschgarantie an.
- Angehörige von Patienten sind die besten Apothekenempfehler. Sie werden am meisten überrascht sein, wenn sie von Ihnen Post bekommen. Denn um diejenigen, die sich um andere kümmern, kümmern sich erfahrungsgemäß nur wenige. Eine Einladung zu einem außergewöhnlichen Vortrag, eine Autorenlesung oder eine „After-Work-Teaparty“ sollten bevorzugt die emotionale Bindung stärken.
Produktangebote zeigen Wirkung
Das direkte Verkaufsangebot für ein Produkt ist wohl eher als Zugnummer zu sehen. In der Regel verdienen wir an den Käufen, die außerhalb der Aktionspalette getätigt werden. Spezielle Produktangebote können auf mehreren Ebenen wirken:
- Niedrigpreisangebote lassen uns günstig erscheinen und wirken dem Image des Teuren entgegen.
- Produktangebote, die mit einem Gesundheitsthema verknüpft sind, demonstrieren Kompetenz für eine pharmazeutische Leistung.
- Grundsätzlich bringen alle Angebote Leben in eine Kundenbeziehung, die ohne schriftliche Kommunikation möglicherweise eingeschlafen wäre.
Beim Anbieten von Produkten sollte darauf geachtet werden, dass die Aufmerksamkeit des Empfängers auf wenige Präparate gelenkt wird. Bewerben Sie z.B. bei einer Kampagne zur Immunprophylaxe nur ein einziges Vitalstoffprodukt – die verfügbaren Alternativen bleiben dann dem Beratungsgespräch in der Apotheke vorbehalten.
Laden Sie zu Aktionen ein
Eine starke emotionale Kundenbeziehung wird durch Gesundheitsaktionen gefördert. In der persönlichen Einladung per Brief sollte der Kundennutzen dargestellt werden. Der Kunde sollte stolz darauf sein, dass „ausgerechnet er“ diese Einladung erhält. In der Einladung müssen folgende Fragen beantwortet werden:
- Wann und wo findet die Aktion statt?
- Was passiert an diesem Tag?
- Weshalb ist es wichtig, dass ich komme?
- Was muss ich tun, damit ich teilnehmen kann?
Die Aufforderung zum Dialog und damit zum Handeln ist das A und O. Beispiel: „Rufen Sie uns an oder senden Sie uns eine Mail, damit wir rechtzeitig für Sie einen Termin reservieren können. Die Zahl der Plätze ist begrenzt.“
Pflegen Sie Ihre Kunden per Post
Gibt es aus Apothekensicht keinen Anlass für einen schriftlichen Kontakt, so ist Ihre Kreativität gefragt, einen Grund zu finden. Geburtstage, Weihnachten oder Jubiläen sind immer gute Gelegenheiten.
Zuweilen gibt es überraschende Resonanz, wenn Apotheken Kunden anschreiben und an bekannte Dinge erinnern. So sind die Vorteile der Kundenkarte bei Weitem nicht so präsent, wie man vermuten mag. Der Brief zum Jahresende mit dem Angebot einer Jahresübersicht kommt erstaunlich gut an. Zwar machen nur wenige Kunden von der Offerte tatsächlich Gebrauch, doch gilt hier die Regel: Ein Angebot wirkt auch dann kundenbindend, wenn es gar nicht genutzt wird.
Die erste Botschaft: der Umschlag
Die erste Botschaft vermittelt ein Brief durch sein Äußeres. Ein beigegrauer Umschlag aus Recyclingpapier mag Ihr Umweltbewusstsein widerspiegeln. Doch leider wirkt dieser oft leicht schmutzig und vermittelt kaum das Sorgfaltsempfinden des Absenders. Blütenweißes Papier höherer Qualität wirkt professionell, klar und korrekt. Doch nicht nur Farbe und Papierqualität beeinflussen die äußere Wirkung des Briefes. Schief stehende Stempelaufdrucke, Briefmarken oder Adressaufkleber haben vergleichbare negative Effekte.
Wecken Sie innere JAs
Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass schriftliche Dialoge funktionieren, ist die anhaltende innere Zustimmung des Lesers. Im Brief werden dem Gegenüber die Antworten mehr oder weniger in den Mund gelegt. So entsteht ein einseitiges Pseudo-Gespräch, das in Wirklichkeit ein Monolog ist. Sätze wie „Jeder kennt es: Ein gesunder Rücken ist Gold wert“ oder „Haben Sie auch schon die Erfahrung gemacht? Eine erholsame Nacht ist Voraussetzung für einen frischen Start in den Morgen“ wecken beim Leser ein inneres JA. Unausgesprochene Zustimmungen dieser Art sind die beste Garantie dafür, dass Ihr Brief gelesen wird und der Adressat bei der Stange bleibt. Denn Sie sprechen dem Leser quasi aus der Seele.
Im Gegenzug rufen Negativbegriffe oder Beleidigungen innere NEINs hervor und verhindern, dass weitere – unter Umständen positive – Botschaften aufgenommen werden. Vermeiden Sie daher Formulierungen wie „drohende Amputationen“ oder „zerrissene Venenstrümpfe“. Der Leser schaltet ab oder fühlt sich sogar persönlich angegriffen.
Ein Tipp: Sprechen Sie insgesamt mehr vom positiven Zustand nach der Behandlung bzw. dem Kauf als vom negativen Zustand davor.
Fazit
Mit schriftlichen Dialogen kann die Kundenkommunikation gut ergänzt werden. Der Erfolg eines Briefs beginnt bei der Auswahl der Zielgruppe, dem Anlass und dem Gesamteindruck, der beim ersten Betrachten vermittelt wird. Zur perfekten Gestaltung ist es unabdingbar, bei der Ausarbeitung das Leseverhalten der Empfänger zu beachten.
Rüdiger Ott, Apotheker und
Unternehmensberater, Ott-
Consulting, 79331 Teningen,
E-Mail: info@ottconsulting.de
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2008; 33(15):8-8