Prof. Dr. Reinhard Herzog
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Das Unternehmen
Die Tüftler Gottlieb Daimler und Karl Benz legten Ende des 19. Jahrhunderts den Grundstein für einen der weltgrößten Automobilkonzerne. Beide entwickelten – zunächst unabhängig voneinander – Motoren und Automobile, die sich schnell einer großen Nachfrage erfreuten. Mit dem Ersten Weltkrieg und der Inflation begannen jedoch schwierige Zeiten für die Unternehmen. Daher schlossen sich die beiden Konkurrenten nach ersten vorsichtigen Kooperationen 1926 zur Daimler-Benz AG zusammen.
In den darauffolgenden Jahrzehnten erlebte das Unternehmen ein schnelles und erfolgreiches Wachstum. Insbesondere seit den 1980er-Jahren war Daimler-Benz auch um Akquisitionen bemüht, die sich jedoch selten als erfolgreich erwiesen. Hier sind unter anderem der Küchengerätehersteller AEG, der niederländische Flugzeugbauer Fokker und nicht zuletzt die Fusion mit dem amerikanischen Chrysler-Konzern im Jahr 1998 zu nennen, die 2007 aufgrund hoher Verluste am amerikanischen Markt wieder gelöst wurde.
Heute gliedert sich die Geschäftstätigkeit in die Bereiche „Mercedes-Benz Cars“ (Umsatzanteil 2008: 49,9%), „Daimler Trucks“ (29,8%), „Vans, Buses, Other“ (15,7%) sowie „Daimler Financial Services“ (4,6%). Weltweit zählt Daimler zu den „Global Playern“ unter den Automobilkonzernen, in Deutschland liegt der Marktanteil bei über 10%.
Fundamentale Daten
Die Geschäftsentwicklung des Daimler-Konzerns ist von erheblichen Schwankungen geprägt. Dabei ist es weniger das Stammgeschäft, das sich auch in eher schwierigen Zeiten meist solide entwickelt, als vielmehr die Akquisition anderer Unternehmen, die tiefe Löcher in die Ertragsrechnung reißt. Nachdem die Chrysler-Beteiligung mittlerweile als „abgeschlossen“ betrachtet wird, sorgt aktuell die Wirtschaftskrise für Beeinträchtigungen. Im Geschäftsjahr 2008 sank der Konzernumsatz um 4% auf 95,9 Mrd. €; bereinigt lag der Rückgang bei 1%. Bedingt durch erhebliche Belastungen in Zusammenhang mit Chrysler und einem niedrigen Ergebnis von Mercedes-Benz Cars ging das EBIT von 8,7 Mrd. € auf 2,7 Mrd. € zurück. Das Konzernergebnis aus fortgeführten Aktivitäten stellte sich auf 1,7 Mrd. € (minus 65%) und das Konzernergebnis auf 1,4 Mrd. € (minus 65%). Hiervon entfielen auf die Aktionäre der Daimler AG 1,35 Mrd. € nach 4,0 Mrd. €.
Nach einem schwachen ersten Quartal 2009 hat sich die Ertragslage im zweiten Quartal zumindest etwas verbessert, dennoch liegen die Zahlen deutlich unter den Vorjahreswerten. So ging der Umsatz gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres von 26,0 Mrd. € auf 19,6 Mrd. € zurück. Das EBIT aus dem laufenden Geschäft stellte sich auf minus 401 Mio. €, im ersten Quartal lag es bei minus 1,4 Mrd. €. Im Konzern wurde ein EBIT von minus 1,0 Mrd. € ausgewiesen, im Vorjahreszeitraum war es noch ein Plus von 2,1 Mrd. €. Das Konzernergebnis lag bei minus 1,06 Mrd. € nach plus 1,4 Mrd. €.
Entsprechend stellen sich die Erwartungen für das Gesamtjahr dar: Der Umsatz, aber auch die Gewinne dürften deutlich zurückgehen, auch rote Zahlen werden von einigen Analysten nicht mehr ganz ausgeschlossen. Von der Abwrackprämie profitiert Daimler zwar kaum, positiv stimmt allerdings die erstmals volle Verfügbarkeit der neuen E-Klasse. Aber auch in der Nutzfahrzeugsparte sind bereits wieder erste Impulse zu erkennen, etwa in Form eines Großauftrags zur Herstellung von 300 Omnibussen für die Stadt Seattle. Ohnehin dürfte der Export auf absehbare Zeit treibende Kraft sein, während das Inlandsgeschäft frühestens 2011 wieder in Schwung kommen könnte. Darüber hinaus ergeben sich Unsicher‑ heiten aus Schadensersatzforderungen amerikanischer Chrysler-Gläubiger, die vom Stuttgarter Unternehmen jedoch strikt zurückgewiesen werden.
Charttechnische Daten
Analog zur Geschäftsentwicklung weist auch der Chart der Daimler-Aktie eine sehr wechselvolle Tendenz auf. Nach erheblichen Schwankungen in den 1990er-Jahren erreichte das Papier im Sommer 1998 Höchstkurse von mehr als 100 €. Dann sorgten die Asienkrise und die Chrysler-Beteiligung für einen massiven Rückgang, nach der Baisse 2000/03 kostete das Papier weniger als 25 €. Es schloss sich eine Erholung um rund 200% an, bevor die Wirtschaftskrise den Aktienkurs in den Bereich von 17 € einbrechen ließ. Die freundliche Börsenstimmung sorgte mittlerweile wieder für eine kräftige Erholung. Charttechnisch besteht derzeit Spielraum mindestens bis 40 €. Allerdings bestehen noch gewisse Risiken in Zusammenhang mit der fundamentalen Entwicklung. Negative Überraschungen könnten kurzfristig zu einem weiteren Rückschlag führen.
Gesamtmarkttrend
Insbesondere die Standardwerte der deutschen Börse verzeichneten in den vergangenen Monaten einen kräftigen Anstieg, wobei neben der sich abzeichnenden leichten Konjunkturerholung auch die enorme Liquidität des Marktes eine Rolle spielte. Zwar bleibt die Börsenstimmung vorerst freundlich, jedoch wird sich erst nach den Bundestagswahlen zeigen, ob die Tendenz wirklich nachhaltig nach oben gerichtet ist.
Fazit
Die Daimler-Aktie ist einer der wichtigsten Werte der deutschen Börse, die in keinem gut sortierten Depot fehlen darf. Auch wenn kurzfristig noch Risiken bestehen, sollten die meisten Probleme in absehbarer Zeit gelöst werden, sodass dem Papier – an schwachen Tagen gekauft – interessantes Langfristpotenzial zugebilligt werden kann.
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Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(18):13-13