Prof. Dr. Reinhard Herzog
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Das Unternehmen
Die Deutsche Telekom AG ging im Jahr 1994 aus der Aufspaltung des Staatsbetriebs „Post“ in die drei Sparten Deutsche Post AG (Brief, Paketdienst), Postbank AG (Finanzdienstleistungen) und Deutsche Telekom AG (Telekommunikation) hervor. 1995 wurde sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und am 18. November 1996 im Rahmen der bis dahin größten Neuemission Europas an die Börse gebracht. Nach weite‑ ren Privatisierungen befinden sich heute knapp 70% der Aktien in Streubesitz, den Rest halten die Bundesrepublik Deutschland und die von ihr beauftragte Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Das Unternehmen ist die unangefochtene Nummer eins im Bereich Telekommunikation in Europa und gilt weltweit als Nummer drei. Die Geschäftstätigkeit ist in die operativen Segmente Breitband/Festnetz (Umsatzanteil 2008: 28,7%), Mobilfunk Europa (32,4%), Mobilfunk USA (24,2%), Geschäftskunden (13,7%) und Konzernzentrale & Shared Services (1%) gegliedert. Regional werden 46,8% des Umsatzes in Deutschland erwirtschaftet, weitere 28,1% entfallen auf das übrige Europa und 24,2% auf Nordamerika.
Gerade das internationale Geschäft spielt eine zunehmend wichtige Rolle. Hier hat die Deutsche Telekom u.a. ein Joint Venture mit France Telecom geschlossen, das die jeweiligen britischen Mobilfunktöchter T-Mobile UK und Orange UK zusammenfassen soll. Dieses Gemeinschaftsunternehmen würde dann über 28,4 Millionen Kunden bzw. 37% des gesamten britischen Mobilfunkmarktes verfügen.
Fundamentale Daten
Der Übergang vom Staatsbetrieb zu einem privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen ist der Deutschen Telekom nicht leichtgefallen: Zunächst galt es, veraltete Strukturen aufzubrechen, dann mussten die Kosten – u.a. bedingt durch einen viel zu hohen Personalbestand – drastisch gesenkt werden und nun arbeitet das Unternehmen daran, einen enormen Schuldenberg in den Griff zu bekommen. Aber auch das wirtschaftliche Umfeld sorgte für Turbulenzen, die sich in den Ertragszahlen des Konzerns niederschlugen.
Im Geschäftsjahr 2008 lag der Umsatz bei 61,7 Mrd. € und damit 1,4% unter dem Vorjahreswert, wobei der Rückgang in erster Linie auf Wechselkurseffekten basiert. Positive Signale lieferte insbesondere das operative Segment Mobilfunk. Global betrachtet lag der Rückgang im Inland bei 5,9%, während das Ausland noch 3% zulegen konnte. Das Konzern-EBITDA betrug 18 Mrd. € und stieg um 6,6% bzw. 1,1 Mrd. €. Bereinigt um Sondereinflüsse lag das Konzern-EBITDA mit 19,5 Mrd. € auf Vorjahresniveau. Der nicht bereinigte Konzernüberschuss wurde mit 1,5 Mrd. € nach 0,9 Mrd. € dargestellt, bereinigt erwirtschaftete das Unternehmen einen Jahresüberschuss von 3,4 Mrd. € (+ 13%).
In den ersten neun Monaten 2009 erzielte die Deutsche Telekom einen Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6,2% auf 48,4 Mrd. €. In Europa legte das Mobilfunkgeschäft 1,4% und in den USA 3,0% zu. Hingegen war das Systemgeschäft um 7,3% rückläufig. Regional verbuchte das Unternehmen im Inland einen Rückgang um 2,9%, während im Ausland ein Plus von 14,5% erreicht wurde. Das EBITDA lag bereinigt bei 15,6 Mrd. € nach 14,8 Mrd. €, jedoch wurde das Periodenergebnis mit 0,4 Mrd. € nach 2,2 Mrd. € im Vergleichszeitraum 2008 ausgewiesen. Das bereinigte Ergebnis lag mit 2,5 Mrd. € leicht unter Vorjahresniveau.
Für das Gesamtjahr 2009 und die kommenden Jahre rechnen Analysten mit einem moderaten Wachstum. Entscheidend ist, ob die Deutsche Telekom ihre führende Stellung weiterhin behaupten kann. Eines der Kernstücke ist dabei die Breitbandkommunikation, bei der insbesondere der Bereich Entertainment eine immer wichtigere Rolle spielt. Einsparungen erhofft man sich auch von der zunehmenden Umstellung des klassischen Telefonnetzes auf das Internetprotokoll, durch die in den kommenden vier Jahren zwischen 10.000 und 15.000 Stellen abgebaut werden sollen.
Charttechnische Daten
Nach dem Börsengang entwickelte sich die Aktie der Deutschen Telekom zu einem überaus erfolgreichen Papier, in der Spitze konnte sich der Kurs auf über 100 € mehr als versechsfachen. Dann folgte jedoch ein massiver Rückschlag und Mitte 2002 wurden nur noch rund 10 € für die Aktie bezahlt. Zwar schloss sich eine zwischenzeitliche Erholung an, der kräftige Kursanstieg im Jahr 2009 ist an dem Papier aber weitgehend spurlos vorübergegangen. Aus charttechnischer Sicht besteht durchaus die Chance auf eine mittel- bis langfristige Erholung, sollte der Kurs den Gleitenden 200-Tage-Durchschnitt in den kommenden Wochen nachhaltig überschreiten können.
Gesamtmarkttrend
Die deutsche Börse tendierte in den vergangenen Wochen ausgesprochen freundlich, der DAX legte seit seinen Tiefstständen im Frühjahr 2009 zeitweise mehr als 55% zu. Solange keine neuen Hiobsbotschaften aus den Unternehmen für Belastungen sorgen, bestehen Aussichten auf Fortsetzung des Anstiegs und – im Jahresverlauf 2010 – Überwindung der psychologisch wichtigen Marke von 6.000 Punkten.
Fazit
Die Deutsche Telekom-Aktie konnte von der freundlicheren Börsentendenz und dem Boom der Technologiewerte bisher nicht profitieren. Gelingen dem Konzern strukturelle Anpassungen an die neuen Marktgegebenheiten, verbunden mit entsprechenden Einsparmaßnahmen, sollte das Papier den Anlegern langfristig wieder mehr Freude machen.
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Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(22):14-14