Werbeargument Sport

Genaue Prüfung schützt vor Überraschung


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Ob Olympische Spiele oder Fußballweltmeisterschaft: Sportliche Großereignisse werden auch von cleveren Finanzdienstleistern gerne genutzt, um ihre Produkte leichter vermarkten zu können. Dabei sind jedoch viele Offerten alles andere als „sportlich“.

Am 11. Juni 2010 ist es so weit: Die Fußballteams von Südafrika und Mexiko treten in Johannesburg zum ersten Spiel um den Weltmeistertitel an. Für 32 Mannschaften geht es dann einen Monat lang nur noch um Tore und Punkte. Für Anbieter von Erinnerungsartikeln und – vor allem – für Finanzdienstleister geht es freilich um etwas anderes: um möglichst hohe Umsätze, die insbesondere in Ländern mit starken Fangemeinden wie Deutschland zu erzielen sind. Erfolgt die Offerte dann noch mit dem Hinweis auf „Seltenheit“ oder „sehr gute Renditechancen“, steht hohen Absatzzahlen nichts im Wege.

Im Sammelbereich sind es vor allem Briefmarken, die von darauf spezialisierten Versandhändlern wahlweise in Form einzelner Emissionen oder aber als mehr oder minder komplette Themensammlung angeboten werden – oft in speziellen Alben. Um den Preis optisch niedrig zu halten, erfolgen die Lieferungen häufig in monatlichen Etappen. Vergleicht man die verlangten Preise mit den Nennwerten bzw. Großhandelspreisen der Marken, wird eines schnell deutlich: Der Handel verdient gut daran. Aufschläge von mehreren hundert Prozent sind keine Seltenheit. Und damit relativiert sich die Frage nach der Wertbeständigkeit: Will man die Marken nach dem sportlichen Großereignis wieder verkaufen, bringen sie oft nur 5% bis 10% des Einstandspreises. Und selbst nach mehreren Jahren oder sogar Jahrzehnten ist kaum damit zu rechnen, dass sich wesentliche Gewinne erzielen lassen.

Wertlose Medaillen

Ähnliches gilt für Münzen und Medaillen: Bei Sondermünzen werden gern ganz erheb­li­che Aufschläge auf den Nominalwert verlangt, die sich selbst nach vielen Jahren nicht mehr erzielen lassen – man denke an die bekannten 10-Mark-Münzen zu den Olympischen Spielen in München 1972. Noch ungünstiger ist die Lage bei Medaillen, die im Gegensatz zu Münzen nicht staatlich emittiert, sondern von privaten Firmen oder Institutionen ausgegeben werden – oft mit dem Hinweis auf eine „strenge Limitierung“. Nachprüfbar sind solche Aussagen jedoch selten und so gibt es heute nur wenige Medaillen, die einen angemessenen Wertzuwachs erzielen konnten. Ähnlich wie Briefmarken sind Münzen und Medaillen daher allenfalls für Kenner geeignet, die über entsprechen­de Erfahrungen verfügen.

Anders ist die Situation bei Finanzofferten wie Kredit­kar­ten mit speziellem Fußball-WM-Logo oder Spar­pro­duk­ten mit Sonderkonditionen: Das Hauptziel der Emittenten liegt zwar auch hier auf dem Generieren von Umsätzen, jedoch sind manchmal in­ter­essante Vorteile vorge­se­hen. Richtet sich z.B. die Verzinsung einer Anlage nach den erzielten Toren der deutschen Nationalmannschaft, kann sich das Produkt durchaus rechnen. Grundregel ist dabei aber: Auch ohne „Sport-Werbung“ sollten die Konditionen konkurrenzfähig sein, sodass sportliche Erfolge lediglich ein „Zubrot“ sind.

Aktien besser als Zertifikate

Eine sorgfältige Prüfung ist hingegen empfehlenswert bei Anlageprodukten wie etwa Zertifikaten, die auf die Ak­tien­kursentwicklung von Sport-Profiteuren, beispielsweise von Sportartikelherstellern, setzen. Im Kleingedruckten finden sich oftmals ungünstige Bedingungen, die zu erheblichen Verlusten führen können. Besser sind daher Direkt­investments in ent­sprechende Aktien, deren Kurse – bei soliden Unternehmenserfolgen – wahrscheinlich auch steigen werden.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(08):16-16