Editorial

Mangelerscheinungen


Claudia Mittmeyer

Der Vorschlag von Bundesgesundheits­minister Philipp Rösler, dem drohenden Ärztemangel insbesondere auf dem Land unter anderem durch die Einführung einer „Landarztquote“ für Medizinstudenten entgegenzuwirken (siehe nebenstehende Meldung), sorgt seit Ostern für reichlich Diskussionsstoff. Auch wenn Rösler mit seinen Ideen lediglich auf recht verhaltenes Echo stößt – SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach gar von einem „Ostergag“ –, so hat er doch eines erreicht: Die Debatte ist eröffnet.

Indes: Die Gründe für den Ärztemangel sind vielschichtig und lassen sich nicht allein auf fehlende finanzielle Anreize reduzieren. In die dezidierte Betrachtung müssen vielmehr weitere Aspekte – etwa die demografische Entwicklung sowohl bei den Patienten als auch bei der Ärzteschaft – einfließen. Ob die von Rösler geforderten Maßnahmen letztlich geeignet sind, den gordischen Knoten zu lösen, mag dahingestellt sein. Entscheidend ist jedoch, dass das Pro­blembewusstsein geschaffen wurde und dass entsprechend gegengesteuert wird.

Für die Apotheken ist das Thema in zweierlei Hinsicht relevant. Zum einen wirkt sich ein Ärztemangel im ländlichen Raum zwangsläufig auch auf die in diesen Gebieten ansässigen Apotheken aus. Zum anderen sind Apotheken vermehrt mit ähnlich ge­lagerten „Mangelerscheinungen“ konfrontiert: So haben etwa immer mehr Apothekenleiter zunehmend Schwierigkeiten, Approbierte für ihre Apotheke zu finden. Auch diese Entwicklung sollte man im Auge be­halten und beizeiten entsprechende Lösungsansätze disku­tieren – ehe man von dem Problem eingeholt wird.

Deutscher Apotheker Verlag

AWA -Redaktion

Claudia Mittmeyer

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(08):2-2