Prof. Dr. Reinhard Herzog
„Geld allein macht nicht glücklich, man muss es auch in der Schweiz haben“ – so lautete ein Werbespruch eidgenössischer Banken, der bei deutschen Anlegern auf fruchtbaren Boden fiel: Eine stabile Währung, ein gesetzlich verankertes Bankgeheimnis und eine solide Anlagestrategie machten Investments in der Schweiz insbesondere für wohlhabende Mittelständler attraktiv.
Inzwischen hat sich dies jedoch grundlegend geändert. Nachdem viele Anleger „vergessen“ hatten, ihre Erträge in der deutschen Steuererklärung anzugeben, wurde die Schweiz zur Aufgabe ihrer starren Haltung gegenüber ausländischen Finanzbehörden gezwungen. Heute können die Banker in der Zürcher Bahnhofstraße nur noch mit dem Franken und ihrem Know-how punkten – als Folge wurden Milliarden aus der Schweiz abgezogen. Dies bewirkte, dass der Kurs des Schweizer Franken zwischen 2002 und 2007 gegenüber dem Euro mehr als 10% nachgab.
Gestoppt wurde dieser Abwärtstrend mit dem Ausbruch der Finanzkrise: Nun erkannten Anleger, aber auch Spekulanten, dass der Schweizer Franken durchaus als „sicherer Hafen“ dienen konnte. Schließlich zählt die Schweiz zu den Ländern mit den höchsten Handelsbilanzüberschüssen weltweit, die Wirtschaft entwickelt sich – mit wenigen Ausnahmen – weitgehend solide, die Preissteigerungsrate ist vergleichsweise niedrig. Und während Deutschland eine Staatsverschuldung von knapp 1,8 Bio. € aufweist und die gesamten 27 EU-Staaten bald mit 9,0 Bio. € in der Kreide stehen, erscheinen die rund 186 Mrd. € Schulden der Schweiz nahezu unbedeutend.
Rasanter Kursanstieg
Den ersten Boom erlebte der Franken Ende 2008 mit einem Anstieg um rund 16% auf fast 0,70 €. Nach einer kurz- zeitigen Beruhigung im Jahr 2009 kletterte die Währung zuletzt erneut deutlich und erreichte mit 0,80 € je Franken bzw. 1,25 Franken je Euro einen neuen Höchststand. Überraschend ist dabei insbesondere der kurze Zeitraum, in dem sich der Anstieg vollzog.
Anleger können sich über diese Entwicklung nur freuen. Zwar sind die Zinsen für Franken-Anlagen traditionsgemäß deutlich niedriger als für Euro-Investments, mit dem zweistelligen Kursanstieg wird die Rendite jedoch kräftig aufpoliert. Schlechter gestellt sind indes Darlehensnehmer, die sich in den vergangenen Jahren für billige Franken-Darlehen entschieden hatten: Im ungünstigsten Fall ist ihre Darlehensschuld um ein Drittel gestiegen.
Nun stellt sich die Frage nach der weiteren Entwicklung. Für eine Normalisierung spricht die Einstellung der Schweizer Regierung, die im Interesse der Wirtschaftsentwicklung gerne niedrigere Kurse sehen würde. Dagegen spricht insbesondere die anhaltende Defizitkrise in den USA und der Eurozone, die mit der Irland-Schieflage einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Per saldo ist damit ein weiterer Kursanstieg wahrscheinlicher als ein Rückgang.
Aus Darlehen besser aussteigen
Für Sparer bedeutet dies, dass sie durchaus auch den Franken – in kleinen Volumina – bei ihren Anlageentscheidungen berücksichtigen sollten. Darlehensnehmer sollten hingegen nach Ausstiegsmöglichkeiten suchen – selbst wenn damit ein hoher Verlust verbunden ist. Oftmals bieten Banken auch temporäre Absicherungsstrategien an, die zumindest vor weiteren Verlusten schützen können.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(02):16-16