Wertpapier im Test

Rückblick auf 2010


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Das Jahr 2010 hat erneut gezeigt: Aktien sollten in keinem gut sortierten Wertpapierdepot fehlen. In unserer Reihe „Wertpapier im Test“ stellen wir Ihnen regelmäßig Papiere vor, die vor dem Hintergrund des aktuellen Börsengeschehens besonders interessant erscheinen.

Vor Jahresfrist waren sich Analysten alles andere als einig: Während manche eine Fortsetzung des Anfang 2009 begonnenen Kursanstiegs bei Aktien prognostizierten, sahen andere die Gefahren eines neuerlichen schnellen Absturzes, der etwa den DAX bis in den Bereich von 4.000 bis 5.000 Punkten drücken sollte. Recht behalten haben diesmal die Optimisten: Der DAX, ins Jahr gestartet bei rund 6.000 Punkten, gab zwar zeitweise bis zu 10% nach, konnte sich dann jedoch weiter erholen. Insbesondere in den Herbstmonaten begann eine Rallye, die Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer in der Spitze auf über 7.000 Punkte klettern ließ. Mit einem Jahresergebnis von 17% können Anleger durchaus zufrieden sein, selbst wenn der Anstieg wesentlich moderater ausgefallen ist als im Jahr 2009.

Der Grund für diese positive Entwicklung war insbesondere das recht solide Wirtschaftswachstum. Boomte anfangs der Export, so sorgte zuletzt vorrangig der lebhafte Einzelhandel für Optimismus. Hin­ge­gen wurden Negativmeldun­gen, insbesondere aber die wirtschaftlichen Schieflagen ei­niger EU-Länder und mancher namhafter Banken, von den Anlegern weit­gehend ignoriert. Vergleichbares gilt im Übrigen auch für die meisten anderen Aktienmärkte der westlichen Welt: Ein zwar keinesfalls spektakuläres, aber meist recht solides Plus kennzeichnet die Weltbörsen.

Satte Gewinne mit Rentenwerten

Kräftige Gewinne winkten überraschenderweise an den Rentenmärkten: Der Zinsrückgang sorgte dafür, dass speziell Papiere mit langen Restlaufzeiten kräftig zulegen konnten und dem Anleger oftmals hohe zweistellige Renditen bescherten. Andererseits haben die Zinsen mittlerweile ein so niedriges Niveau erreicht, dass sich ein Neueinstieg kaum noch lohnt. Entsprechend haben wir uns auch bei unserem „Wertpapier im Test“ im Jahr 2010 ausschließlich auf Aktien konzentriert, wobei einige Titel recht erfreuliche Ergebnisse gebracht haben.

Ohnehin ist es keineswegs unsere Intention, mit dem „Wertpapier im Test“ stets Wertpapiere zu präsentieren, bei denen gute Aussichten auf Kursgewinne bestehen. Vielmehr sind wir bestrebt, Ihnen durch eine ausführliche Darstellung etwa eines Unternehmens eigene Entscheidungshilfen an die Hand zu geben und das Für und Wider eines Investments darzustellen. Unterschiedlich sind auch die Gründe, aus denen ein Papier in unsere Testreihe aufgenommen wird: Zum einen spielen sicher die Chancen z.B. einer Aktie eine bedeutende Rolle, zum anderen wählen wir aber auch Papiere aus, bei denen sich – etwa durch eine Neuausrichtung des Unternehmens – besondere Konstellationen ergeben oder die aktuell im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Die Vorstellung als solche ist also keineswegs als „Kaufsignal“ zu werten. Bei Abwägung aller Argumente kann sich durchaus auch ein Verkaufshinweis ergeben, in vielen Fällen sollte die Entwicklung eines entsprechen­den Wertes zunächst eine gewisse Zeit verfolgt werden.

Investments beobachten

Unverzichtbar ist es auch hier, gekaufte oder ins Auge gefasste Papiere laufend zu beobachten. Gerade das Jahr 2010 hat gezeigt, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schneller ändern können als von den Märkten erwartet – mit entsprechenden positiven oder negativen Folgen für die jeweiligen Papiere. Schnelles Handeln kann dann durchaus erforderlich sein, selbst wenn dabei möglicherweise Verluste realisiert werden müssen. Im Übrigen sollte jedes Wertpapierengagement sorgfältig in die eigene An­lagestrategie eingebettet und das Kapital solide über die verschiedenen Anlagesegmente verteilt werden.

Wie jedes Jahr, werfen wir auch diesmal einen Blick zurück und betrachten nachfolgend die Wert­entwicklung der Porträts der vergangenen 14 Monate. Erneut lässt sich recht Erfreuliches berichten, konnte man mit vielen Papieren doch gut verdienen. Nur wenige konnten die Erwartungen nicht er­füllen, wobei sich auch hier die Verluste in sehr überschaubaren Grenzen halten.

Im November 2009 nahmen wir das Papier der Deutschen Telekom unter die Lupe, das bei vielen Lesern im Depot liegt und in den vergangenen Jahren eher wenig Freude gemacht hatte. Zumindest kurzzeitig veränderte sich die Situation und der Kurs stieg nach dem Porträt um rund 10%. Dann kam es jedoch erneut zu Schwankungen und heute liegt ein Investment rund 3% im Plus. Hinzu kam allerdings die vergleichsweise hohe Dividendenzahlung, aus der sich eine Dividendenrendite von über 8% errechnet.

Weder Plus noch Minus brachte – zumindest auf Jahressicht – die im Dezember 2009 vorgestellte Beiersdorf-Aktie: Hier kam es zu einer Schwankungsbreite von rund 10% nach beiden Seiten, heute liegt die Notierung knapp unter Ausgangsniveau.

Wesentlich besser lief die Douglas-Aktie, porträtiert nach dem Jahresrückblick im Februar. Nach Erscheinen des AWA kostete das Papier 32 € und nach einer anfänglichen Seitwärtsbewegung sorgte zuletzt der Konsum-Boom für einen Anstieg auf über 42 € – ein Plus von mehr als 30%.

Insbesondere unter Langfrist-Aspekten porträtierten wir im März die RWE-Aktie. Die poli­tischen Entwicklungen brachten jedoch einen Kursrückgang um 20%, der aber durch die ebenfalls hohe Dividendenrendite von rund 6% etwas abgemildert wurde. Dennoch war das RWE-Papier der „Flop“ unter den seit November 2009 vorgestellten Titeln.

Viel Freude machte hingegen die adidas-Aktie, die rechtzeitig vor der Fußball-WM im April vorgestellt wurde: Notierte das Papier zunächst bei rund 36 €, so rangiert es mittlerweile bei nahezu 50 €, was einem Plus von über 35% entspricht.

Ebenfalls rund 36 € kostete die Aktie des Ticket-Händlers CTS Eventim, porträtiert im Mai. Nach einer leichten Schwäche im Sommer konnte sie zuletzt deutlich zulegen und rangiert aktuell mit über 45 € rund 25% im Plus.

Satte Gewinne winkten auch mit der im Juni dargestellten Lufthansa-Aktie, die wir nach den vulkanbedingten Flugausfällen unter die Lupe genommen hatten. Rund 11,50 € kostete das Papier zunächst, heute werden fast 17 € dafür gezahlt – ein Plus von annähernd 50% in gerade einmal sieben Monaten.

Solide, aber keineswegs langweilig war die im Juli gezeigte BayWa-Aktie. Hier kletterte der Kurs seit dem Porträt von 27 € auf rund 35 €, ein Plus von 30%.

Günstig war wiederum der Veröffentlichungstermin unse­rer Studie über die MAN-Aktie, hatte der Kurs doch gerade auf 66 € nachgegeben. Danach ging es fast nur noch aufwärts und mittlerweile wurde die 90-€-Marke überschritten, sodass sich Anleger über einen Zuwachs von rund 40% freuen können.

Nicht ganz so kräftig, aber immer noch recht solide aufwärts ging es mit der im September vorgestellten Fraport-Aktie: Mit einem Kurs von über 48 € liegt sie rund 15% im Plus.

Richtig spektakulär ist indes der Zuwachs bei der Metro-Aktie, porträtiert im Oktober: Von 47 € kletterte der Kurs in den vergangenen Wochen zeit­weise auf über 58 €, sodass sich Anleger über mehr als 20% Zuwachs freuen können.

Zu früh wäre es, jetzt bereits über die Vorstellungen vom November und Dezember zu urteilen. Zumindest die Aktie der Munich Re präsentiert sich bisher bereits recht erfolgreich, zudem wurden die Kursziele von Analysten zuletzt heraufgesetzt.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(02):12-12