Staatsanleihen

Zweistellige Rendite aus Europa


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Griechische Staatsanleihen mit Laufzeit bis zum Frühjahr 2014 werfen rund 21% Rendite pro Jahr ab. Einzige Voraussetzung jedoch: Griechenland wird von der Europäischen Staatengemeinschaft nicht fallen gelassen und kann seine Schulden bezahlen.

Bis zum Beginn der Finanzkrise galten europäische Staats­anleihen als ausgesprochen seriös, ja sogar als eher lang­weilig: Niedrige Zinsen, mode­rate Kursschwankungen und – vor allem – eine absolute Sicherheit prägten das Bild. Wer sich keine Sorgen um seine Ersparnisse machen wollte, investierte in Bundesschuldverschreibungen und Papiere sicherer Staaten, etwa Österreich oder Frankreich. Aber auch Versicherungs­gesell­schaf­ten legten – und legen – erhebliche Teile ihres Vermögens in Staatspapieren an, ebenso institutionelle Investoren und Fondsgesellschaften. Dabei spielte es lange Zeit keine Rolle, ob man deutschen Papieren den Vorzug gab oder Titel aus europäischen Nachbarländern dem Depot bei­mischte: Die Renditen wi­chen allenfalls 0,5%-Punkte voneinander ab, maßgeblich war in erster Linie die Restlaufzeit.

Griechenland-Krise führte zu Neubewertung

Seit der finanziellen Schieflage Griechenlands hat sich die Lage grundlegend geändert: Europäische Staatsanleihen gelten nur dann noch als absolut sicher und sind entsprechend niedrig verzinst, wenn sie etwa von Deutschland oder Frankreich ausgegeben wurden. Zu wahren Hochprozentern sind indes Anleihen der angeschlagenen europäischen Staaten mutiert. Eine fünfjährige Anleihe aus Irland kommt bereits auf 11,6%, ein vergleichbares Portugal-Papier bringt es auf 11,9% und wer sein Geld in Griechenland investiert, wird mit einem jährlichen Ertrag von immerhin 17,9% belohnt.

Mehrertrag ist Zitterprämie

Der Grund für diese hohe Verzinsung liegt im Risiko: Bislang ist noch keine einzige europäische Staatsanleihe ausgefallen, d.h., Zinsen und Tilgung wurden dank des Rettungsschirms der Europäischen Union planmäßig bezahlt. Niemand kann jedoch garantieren, dass dies auch so bleibt. Sollte es beispiels­weise Griechenland nicht gelingen, den Haushalt mit entsprechenden Sparanstren­gungen in den Griff zu be­kommen, ist eine „geordnete Insolvenz“ nicht auszuschließen. Und dies hätte zur Folge, dass zum Beispiel der Nennwert der ausgegebenen Staatsanleihen und die Verzinsung heruntergesetzt werden, auch ein Totalausfall ist grundsätzlich denkbar.

Dieser Tatsache müssen sich mutige Anleger bewusst sein, die angesichts der hohen Renditen gerade jetzt in solche Staatsanleihen investieren. Andererseits kann die Beimischung einer kleinen Menge entsprechender Titel die Rendite eines gut sortierten Depots durchaus aufbessern. Das A und O einer derartigen Anlage ist jedoch die laufende Überwachung und ein gegebenenfalls schneller Ausstieg.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(09):12-12