Prof. Dr. Reinhard Herzog
Bis zum Beginn der Finanzkrise galten europäische Staatsanleihen als ausgesprochen seriös, ja sogar als eher langweilig: Niedrige Zinsen, moderate Kursschwankungen und – vor allem – eine absolute Sicherheit prägten das Bild. Wer sich keine Sorgen um seine Ersparnisse machen wollte, investierte in Bundesschuldverschreibungen und Papiere sicherer Staaten, etwa Österreich oder Frankreich. Aber auch Versicherungsgesellschaften legten – und legen – erhebliche Teile ihres Vermögens in Staatspapieren an, ebenso institutionelle Investoren und Fondsgesellschaften. Dabei spielte es lange Zeit keine Rolle, ob man deutschen Papieren den Vorzug gab oder Titel aus europäischen Nachbarländern dem Depot beimischte: Die Renditen wichen allenfalls 0,5%-Punkte voneinander ab, maßgeblich war in erster Linie die Restlaufzeit.
Griechenland-Krise führte zu Neubewertung
Seit der finanziellen Schieflage Griechenlands hat sich die Lage grundlegend geändert: Europäische Staatsanleihen gelten nur dann noch als absolut sicher und sind entsprechend niedrig verzinst, wenn sie etwa von Deutschland oder Frankreich ausgegeben wurden. Zu wahren Hochprozentern sind indes Anleihen der angeschlagenen europäischen Staaten mutiert. Eine fünfjährige Anleihe aus Irland kommt bereits auf 11,6%, ein vergleichbares Portugal-Papier bringt es auf 11,9% und wer sein Geld in Griechenland investiert, wird mit einem jährlichen Ertrag von immerhin 17,9% belohnt.
Mehrertrag ist Zitterprämie
Der Grund für diese hohe Verzinsung liegt im Risiko: Bislang ist noch keine einzige europäische Staatsanleihe ausgefallen, d.h., Zinsen und Tilgung wurden dank des Rettungsschirms der Europäischen Union planmäßig bezahlt. Niemand kann jedoch garantieren, dass dies auch so bleibt. Sollte es beispielsweise Griechenland nicht gelingen, den Haushalt mit entsprechenden Sparanstrengungen in den Griff zu bekommen, ist eine „geordnete Insolvenz“ nicht auszuschließen. Und dies hätte zur Folge, dass zum Beispiel der Nennwert der ausgegebenen Staatsanleihen und die Verzinsung heruntergesetzt werden, auch ein Totalausfall ist grundsätzlich denkbar.
Dieser Tatsache müssen sich mutige Anleger bewusst sein, die angesichts der hohen Renditen gerade jetzt in solche Staatsanleihen investieren. Andererseits kann die Beimischung einer kleinen Menge entsprechender Titel die Rendite eines gut sortierten Depots durchaus aufbessern. Das A und O einer derartigen Anlage ist jedoch die laufende Überwachung und ein gegebenenfalls schneller Ausstieg.
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Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(09):12-12