Verabschiedung von Mitarbeitern

Abgang mit Stil


Klaus Hölzel

Am letzten Arbeitstag eines Mitarbeiters verhalten sich Apothekeninhaber oft seltsam. Das kann von Flucht aus der Apotheke bis hin zur Abrechnung mit dem Angestellten reichen. Dabei gibt es einige Regeln für eine würdige Verabschiedung.

Es war kein Tag wie jeder andere – weder für den Chef und das Team noch für die junge PTA, die heute zum letzten Mal um 8.00 Uhr die Apotheke betreten hatte. Als wäre es ein gewöhnlicher Tag, hör­te sie als Erstes den Anruf­be­antworter ab und wandte sich dann den E-Mails zu, in denen dieses Mal – anders als sonst – nur ein paar News vorlagen.

An ihrem letzten Arbeitstag hatte sie so wenig zu tun, dass sie die Apotheke pünktlich um 16.00 Uhr verlassen konnte. Den Schlüssel ließ sie auf dem Schreibtisch und warf den Kollegen noch einen kurzen Gruß zu – das war’s, drei Jahre ihres Lebens einfach vorbei. Und für den Chef war es ganz ähnlich. Er dachte dauernd daran, dass seine PTA morgen nicht mehr ihren Aufgaben nachgehen würde. Er hatte sich so daran gewöhnt.

Trennungsgründe sind zahlreich

Angesichts der angespannten Situation im Apothekenmarkt steht so mancher Inhaber vor der unangenehmen Aufgabe, eine Kündigung aussprechen zu müssen – AMNOG sei Dank. Manche PTA geht aber auch von sich aus, weil ihr der Leistungsdruck zu hoch oder die Bezahlung zu niedrig erscheint. Daneben kann es zu betriebsbedingten oder verhaltensbedingten Kündigun-gen kommen, etwa wenn eine PTA ihrem Job fachlich nicht gerecht wird oder sich un­angemessen verhält. Es geht dabei allerdings auch umgekehrt: Die PTA ist mit dem Führungsverhalten des Chefs nicht mehr einverstanden und findet zudem das Betriebsklima schlecht.

Es fehlt eine Abschiedskultur


Scheiden tut weh, ganz gleich, welche Seite den Vertrag aufgelöst hat. Mag es dabei auch nicht immer so zugehen wie bei der PTA im Beispielsfall – eine große Ausnahme sind formlose Abgänge in Apotheken nicht. Anders als in manchen anderen Ländern gibt es hierzulande überhaupt keine „Abschiedskultur“. Man sieht in vielen Apotheken in der Regel auch gar keinen Handlungsbedarf.

Die Trennung in der Apotheke findet zwischen zwei Menschen statt, deren Umgang von den Geboten der Fairness und des Respekts geprägt war. Nun sollte es doch auch möglich sein, der Verabschiedung einen würdigen Rahmen zu geben, es sei denn, die Trennung erfolgt im Streit.

Belastung für beide Seiten


Wie der erste Arbeitstag gestaltet werden soll – darüber gibt es zahlreiche Ratgeber. Um den Ablauf des letzten Arbeitstages kümmert sich hingegen kaum jemand. Von einigen Chefs wird der Tag als schlimmes Erlebnis geschildert. Manche haben sogar so große Angst davor, dass sie sich am letzten Tag oder gar an den letzten Tagen krankmelden.

Die Enttäuschung manches Chefs sitzt tief. Er hatte eine PTA eingestellt, weil er glaubte, sie könne ihm bei der Etablierung seiner Apotheke helfen. Oft muss er akzeptieren, dass ihm eine Fehleinschätzung unterlaufen ist. Nun belastet ihn ein zweiter Aspekt – die Folgen der Trennung. Das Image der Apotheke leidet, das Betriebsklima verschlechtert sich, im Team gibt es Existenzängste, gute Mitarbeiter denken über einen Wechsel nach.

Und wie sieht es „im Mitar­beiter“ aus? Vielleicht hat er schon vor längerer Zeit seine innere Kündigung ein­gereicht: Er ist passiv, hat resigniert, macht nur noch Dienst nach Vorschrift. Woran ein Chef das erkennt? An schlechten Leistungsergebnissen, häufigen Fehlzeiten, mangelnder Be­teiligung in Besprechungen. Durch die innere Kündigung versucht der Mitarbeiter, eine „gerechte“ Situation für sich herbeizu­führen und die unbefriedigen­de Arbeitssituation wieder in den Griff zu bekommen.

Rolle des Apothekenleiters


Doch zurück zum Chef: Er ist keineswegs immer unbetei-ligt daran, wenn der Abschied misslingt – besonders dann, wenn der Mitarbeiter aus freien Stücken geht. Oft ist es persönliche Verletztheit, die dazu führt, dass der scheidende Arbeitnehmer schikaniert, mit Arbeit zugeschüttet oder einfach ignoriert wird.

Für den Gemütszustand des Chefs und des ausscheidenden Mitarbeiters ist es prinzipiell besser, einen Abgang mit Stil zu ermöglichen. Die Wissenschaft spricht in diesem Zusammenhang vom sogenannten Zeigarnik-Effekt, der bewirkt, dass der Mensch sich unwohl fühlt, wenn er etwas noch nicht abgeschlossen hat. Von diesem Unwohlsein sind dabei keineswegs nur der scheidende Mitar­beiter und der Chef betroffen. Auch bei den Kollegen bleibt oft ein schaler Nach­geschmack, der sich negativ auf das Betriebsklima auswirkt.

Verhaltensregeln am letzten Tag


Die große oder kleine „Abrechnung“ sollten sich alle Seiten tunlichst verkneifen. Zwar wird Vorgesetzten oft sogar empfohlen, in sogenannten Ausstiegsgesprä­chen nach negativen Aspekten zu fragen, weil jetzt mit mehr Offenheit zu rechnen sei.

Dennoch raten Psychologen den Betroffenen eher davon ab, sich auf solche „Abrechnungen“ einzulassen. Ebenso wie der scheidende Mitarbeiter vermeiden sollte, den bleibenden Kollegen ein schlech­tes Gewissen zu machen.

Der Chef sollte sich auf alle Fälle in die – vielleicht gekündigte – PTA hineinversetzen und ihre Emotionen verstehen. Zu Streitigkeiten und unschönen Szenen einer „Beziehung“ kommt es eher dann, wenn Chef und/oder Mitarbeiter ängstlich oder zur Depression neigend mit mangelnder Selbstachtung und niedriger Durchsetzungsfähigkeit an diese Situation herangehen. Es fehlt dann häufig die soziale Kompetenz.

Angenehme Erinnerung

Dipl.-Volkswirt Klaus Hölzel,
Apotheken Management-
Institut GmbH,
65375 Oestrich-Winkel,
E-Mail: sekretariat@apothekenzukunft.de

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(12):8-8