Editorial

Sorge um den Nachwuchs


Dr. Christine Ahlheim

Die Ärzte verstehen es vortrefflich, mit der Sorge um ihren Nachwuchs Politik zu machen. Und auch wenn die GKV den (an­geblich?) drohenden Ärztemangel nur als Druckmittel zur Erhöhung der Honorare bezeichnet – gehört wird sie damit nicht. So sagte erst jüngst beim Deutschen Ärztetag Bundesgesund­heitsminister Bahr seine – auch finanziel­le – Unterstützung zu, den Ärztemangel zu bekämpfen. Sogleich forderte der Vorsitzende des Nie­dersächsischen Hartmannbundes 5.000 € als Einstiegs­gehalt für Assistenzärzte.

Da stellt sich die Frage: Wie sieht es eigentlich um den pharmazeutischen Nachwuchs aus? Gewiss, die Studienplätze sind, wie im Übrigen auch bei den Medizinern, nach wie vor begehrt. Doch was die Einserabiturien­ten nach dem anspruchsvollen Studium als Angestellte in der öffentlichen Apotheke erwartet, ist zumindest aus finanzi­eller Sicht alles andere als lukrativ. Und selbst nach zehn Berufs­jahren sieht der Tarif mit einem monatlichen Bruttogehalt von 3.745 € nur eine magere Vergütung im Vergleich zu anderen Akademikern vor.

Das Schlimme ist: Angesichts der wirtschaftlichen Situation der Apotheken ist meist nicht viel mehr drin. Und noch schlim­mer ist, dass in Zeiten des AMNOG, anders als frü­her, auch kaum Aussich­ten auf ein gutes Einkommen im Rahmen einer späteren Selbstständigkeit bestehen. Als Folge wird der Apothekerberuf alsbald deutlich an Attraktivität verlieren.

Daniel Bahr hat angekün­digt, dass er kein Bun­des­ärzte­minister sein werde. Dann sollte er sich vielleicht auch einmal um den pharmazeutischen Nachwuchs sorgen – indem er endlich damit aufhört, die Apotheken kaputtzusparen.

Deutscher Apotheker Verlag

AWA -Redaktion

Dr. Christine Ahlheim M.A.

Apothekerin

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(12):2-2