Wertpapier im Test

Daimler-Aktie


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Das Unternehmen

Ende des 19. Jahrhunderts legten Gottlieb Daimler und Carl Benz mit der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) bzw. der Firma Benz&Co. den Grundstein für die 1926 entstandene Daimler-Benz AG. Nach der Fusion der Kon­kurrenten Daimler und Benz verzeichnete das Unternehmen ein starkes Wachstum, wobei neben Personenwagen zunehmend Nutz­fahrzeuge eine Rolle spielten. Nach dem – von der Produktion von Rüstungsgütern geprägten – Zweiten Weltkrieg ging es deutlich aufwärts und Daimler begann, ausgelöst durch die Ölkrise Ende der 1970er-Jahre, ab 1984 mit einer Umbildung der Unternehmensstruktur zum integrierten Technologie­konzern. Dabei mussten jedoch mehrere Tiefschläge hingenommen werden, u.a. die Fusion mit dem amerikanischen Chrysler-Konzern, die aufgrund hoher Verluste in den USA wieder gelöst wurde.

Heute gliedert sich die Geschäftstätigkeit in die Bereiche „Mer­cedes-Benz Cars“ (Umsatzanteil 2012: 54%), „Mercedes-Benz Vans“ (8%), „Daimler Trucks“ (27%), „Daimler Buses“ (4%) sowie „Daimler Financial Services“ (7%). Weltweit zählt Daimler zu den „Global Playern“ unter den Automobilkonzernen, in Deutsch­land liegt der Marktanteil bei über 10%. Die mit Abstand wichtigsten Märkte sind neben Deutschland die USA, China, die übrigen europäischen Länder, Japan, Russland und Südafrika.

Fundamentale Daten

Dank neuer Modelle und eines deutlichen Ausbaus des interna­tionalen Umsatzes konnte der Daimler-Konzern in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich zulegen. So verbesserte sich der Umsatz im Geschäftsjahr 2011 um 9% auf 106,5 Mrd.€; hiervon entfielen auf Westeuropa 39,4 Mrd.€ (+2%), auf die USA 22,2 Mrd.€ (+10%) sowie auf Asien 22,6 Mrd.€ (+15%), darunter China mit 11,1 Mrd.€ (+22%). Das EBIT stellte sich auf 8,8 Mrd.€, was einem Zuwachs von 20% entspricht, und das Konzernergebnis wurde mit 6,0 Mrd.€ um 29% höher ausgewiesen als im Vorjahr. Angesichts des von 4,28€ auf 5,32€ gestiegenen Ergebnisses je Aktie wurde die Dividende von 1,85€ um 19% auf 2,20€ erhöht.

Recht solide entwickelte sich auch das Geschäftsjahr 2012: Der Umsatz verbesserte sich um 7% auf 114,3 Mrd.€. In der Pkw-Sparte wurde ein Zuwachs von 7% auf einen Rekordwert von 61,7 Mrd.€ erreicht, Daimler Trucks legte dank überdurchschnittlichen Wachstums in den NAFTA-Ländern und Asien 9% auf 31,4 Mrd.€ zu. Hingegen war der Umsatz bei Mercedes-Benz Vans mit 9,1 Mrd.€ ebenso leicht rückläufig wie die Bus-Sparte, deren Umsatz sich auf 3,9 Mrd.€ ermäßigte. In der Finanzsparte baute das Unternehmen das Neugeschäft um 14% auf den Rekordwert von 38,1 Mrd.€ aus.

Beim EBIT musste Daimler – vorrangig bedingt durch höhere ­Sachinvestitionen und einen ge­steigerten Forschungs- und Entwicklungsaufwand – einen Rückgang um 2% auf 8,6 Mrd.€ ausweisen. Dank eines Verkaufs von Anteilen am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS stieg das Konzernergebnis auf 6,5 Mrd.€. Je Aktie verdiente Daimler 5,71€, was einem Anstieg von 7% entspricht. Die Dividende wurde mit 2,20€ je Aktie beibehalten.

Für die kommenden Jahre ist sich Daimler der zunehmenden Risiken aus der Konjunkturentwicklung bewusst. Andererseits werden erhebliche Hoffnungen in die große Zahl neuer Modelle gesetzt, wobei insbesondere die E-Klasse eine wichtige Rolle spielen dürfte. Beim Konzernumsatz rechnet das Unternehmen für 2013 mit leichten Zuwachsraten, das Ergebnis wird vor dem Hintergrund eines voraussichtlich schwächeren ers­ten Halbjahrs auf Vorjahresniveau erwartet. Allerdings konnte zumindest Mercedes-Benz Cars erfolgreich ins neue Jahr starten: Im Januar 2013 wurden mit 94.895 Einheiten 9,2% mehr verkauft als im Vorjahresmonat.

Für Gesprächsstoff sorgte Anfang 2013 die Meldung, der chinesische Staatsfonds CIC plane eine Beteiligung in einer Größenordnung von 4% bis 10% an Daimler, die nach aktuellem Aktienkurs 1,8 Mrd.€ bis 4,5 Mrd.€ kosten würde. Mittlerweile wurde diese Spekulation dementiert, allerdings wünscht sich das Unternehmen nach Angaben von Daimler-Chef Zetsche mehr langfristige Investoren im Aktionärskreis, wobei insbesondere Investoren aus China durchaus willkommen sind. Schon jetzt ist Kuwait mit 7,6% beteiligt.

Charttechnische Daten

Die Kursentwicklung der Daimler-Aktie verzeichnete in den vergangenen Jahren ein stetiges Auf und Ab, wobei nicht immer die allgemeine Börsentendenz in Deutschland ausschlaggebend war. Nach einem kräftigen Anstieg zwischen 2009 und 2011 befindet sich die Notierung in einer Seitwärtsbewegung, aus der sich eine sehr interessante Chartformation in Form eines Keils herausgebildet hat. Aktuell notiert das Papier im oberen Bereich dieses Keils, was die Hoffnung von Analysten nährt, der Kurs könnte nach Ausbruch aus der Keilformation erheblich zu­legen und sogar frühere Höchstkurse erreichen. Allerdings ist auch die Gefahr eines zumindest temporären Rückschlags um bis zu 30% nicht zu unterschätzen.

Gesamtmarkttrend

Die Deutsche Börse hat nicht nur das Jahr 2012 mit einem Zuwachs von immerhin 30% abgeschlossen, sondern konnte auch zu Jahresbeginn erneut kräftig zulegen. Obwohl sich inzwischen eine gewisse Schwächeneigung zeigte, ist der Aufwärtstrend zumindest vorerst ungebrochen. Risiken drohen insbesondere von der Schuldenfront, aber auch ein möglicher Konjunkturrückgang könnte den Markt belasten.

Fazit

Die Daimler-Aktie gilt derzeit zumindest als beobachtenswert, bei entsprechender charttechnischer Entwicklung kann ein Kauf in Betracht gezogen werden.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2013; 38(06):13-13