Festverzinsliche Wertpapiere

Staatsanleihen als neue Renner


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Noch vor einem Jahr galten sie als „Hochrisikotitel“, heute erfreuen sie sich größter Beliebtheit: Anleihen der südeuropäischen Staaten erleben ein Comeback an den Börsen. Allerdings läuft das Geschäft vorerst meist unter Banken ab, denn Privatanleger scheuen noch das Risiko.

Die Rückkehr Südeuropas

Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt sind mittlerweile jedoch andere „Global Player“ an den Anleihemarkt zurückgekehrt: Südeuropäische Staaten, die sich vor zwei Jahren noch unter den Europäischen Rettungsschirm flüchten mussten, treten jetzt wieder als selbstbewusste Emittenten auf – und werden von den Investoren mit Begeisterung empfangen. Fulminant war etwa das Comeback Griechenlands, das mit einer fünfjährigen Anleihe 3,0 Mrd.€ zum Zinssatz von 6,0% einsammeln wollte. Nachgefragt wurden jedoch 20,0 Mrd.€, sodass Griechenland den Zins auf 4,95% senken konnte. Vergleichbares gilt für Portugal, dessen letzten Emissionen aus dem Jahr 2011 nur mit 6,4% Rendite überhaupt zu platzieren waren. Jetzt sammelte das Land 2,5 Mrd.€ zu 4,9% ein – und hätte zu diesem Zinssatz auch noch weitaus mehr bekommen können.

Denn die Kalkulation der Investoren, darunter überwiegend Banken und Versicherungen, ist einfach: Sie leihen sich das Geld bei der Europäischen Zentralbank für 0,25% und verleihen es z.B. an Portugal für knapp 5,0% – besser kann die Ertragsrechnung nicht aussehen. Der einzige Unsicherheitsfaktor ist ein mögliches neuerliches Aufflammen der Finanzkrise. Doch dann – so hoffen die beteiligten Banken – werden entweder die Schuldnerländer durch einen neuen Rettungsschirm saniert oder sie selbst werden als so „systemrelevant“ eingestuft, dass man sie nicht fallen lassen wird.

Zumindest momentan erscheinen derartige Risiken allerdings gering, sodass sich auch private Anleger durchaus am Staatsanleihenmarkt umsehen sollten. Schließlich sind die mehr als 3,0% einer portugiesischen Anleihe interessanter als die oft nur 2,0%, die manches zweit­klassige Mittelstandspapier aktuell bringt. Zudem bestehen Kurschancen: Aufgrund der starken Nachfrage nach Südeuropa-Papieren in den vergangenen Monaten kletterten die Notierungen um bis zu 10%-Punkte – und dieser Trend könnte sich fortsetzen, wenn die Sanierung der Schuldnerländer weitere Fortschritte macht.

Dabei sind allerdings die Grundregeln jedes Investments zu beachten: Eine laufende Beobachtung der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung schützt vor Verlusten, zudem sollte das Anlagevolumen eher niedrig gehalten sowie auf mehrere Länder verteilt werden.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2014; 39(12):12-12