Investmentfonds

Auf rote Zahlen folgt die Schließung


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Fragt man bei Banken und Sparkassen nach einer lukrativen Geldanlage, kommt meist nur eine Antwort: Investmentfonds. Doch die Realität sieht anders aus. Schwache Ergebnisse und – im zunehmenden Maße – unerwartete Fondsschließungen prägen das Bild.

Mit Investmentfonds wird viel Geld verdient – das versprechen Banken und Sparkassen, die mittlerweile nahezu ausschließlich Fonds zur Geldanlage bewerben. Verdient wird wirklich: Rund 5% Ausgabeaufschlag, bis zu 2,0% jährliche Verwaltungsgebühren, Kontoführungsentgelte und Transaktionsspesen lassen die Kassen der Anbieter klingeln. Auf Hochtouren läuft daher die Entwicklung neuer Fonds – um möglichst viele Neukunden zu gewinnen, aber auch damit Bestandskunden diese kaufen und bei Umschichtungen erneut den Ausgabeaufschlag bezahlen.

Bei den Anlegern stellt sich die Lage freilich anders dar: Sie erhoffen sich – gerade in Zeiten niedriger Zinsen – einen überdurchschnittlichen Ertrag, wenn sie ihr Geld einem professionellen Fondsmanagement anvertrauen. Die Ergebnisse zeigen jedoch: Nur den wenigsten Investmentfonds gelingt es, die jeweilige Messlatte zu übertreffen. Während z.B. der Deutsche Aktienindex DAX in den vergangenen zwölf Monaten um 12,3% zulegte, brachten es die auf DAX-Titel spezialisierten Fonds lediglich auf durchschnittlich 11,4% – und dabei wurden die Spesen noch nicht abgezogen.

Dennoch kann man Fonds ihre Berechtigung nicht absprechen: Sie erleichtern auch bei kleineren Beträgen eine breite Vermögensdiversifikation, sind klar verständlich und bringen in guten Jahren sicher höhere Erträge als Tages- oder Festgelder. Zudem können besonders spekulationsfreudige Anleger mit Investmentfonds auch auf eher „exotische Themen“ setzen, beispielsweise auf Aktien aus den baltischen Staaten, von chinesischen Exportunternehmen oder internationalen Bergbaugesellschaften.

Allerdings sind gerade diese Spezialgebiete mittlerweile auch zu einem Problem geworden: Die Themen wechseln nahezu monatlich, die einmal ausgegebenen Fonds bleiben hingegen bestehen. Ist jedoch ein Thema „aus der Mode gekommen“, ziehen sich zunächst die Großinvestoren zurück. Und weil jetzt nur noch unterdurchschnittliche Renditen produziert werden, trennen sich weitere Fondsbesitzer von ihren Anteilen.

In der Folge sinkt das Fondsvolumen und früher oder später ist der Fonds so stark geschrumpft, dass sich die Fortführung allein schon aufgrund der hohen Basiskosten für Wirtschaftsprüfung, Prospekterstellung usw. nicht mehr rechnet. Anleger erhalten den gefürchteten „blauen Brief“, in dem die Einstellung des Fonds bekanntgegeben wird, meist verbunden mit Umschichtungsangeboten oder bereits vorgenommenen Neuanlagen. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als 2.300 deutsche Fonds geschlossen, die sparkasseneigene DekaBank machte 55 ihrer rund 500 Publikumsfonds dicht.

Meist hohe Verluste

Das Problem jedoch: Mit einer Fondsschließung sind im Regelfall mehr oder minder hohe Verluste verbunden, die durch die Umschichtung in andere Anlagesektoren nicht mehr aufgeholt werden können. Zudem fallen durch die Neuanlage oft neuerliche Kosten an, die – wenn sich dieses „Spielchen“ mehrfach wiederholt – die Chancen auf positive Renditen schwinden lassen.

Gut beraten sind Anleger mithin, wenn sie bei aktiv von der Bank empfohlenen Fonds darauf achten, dass damit nicht nur ein „Modetrend“ in Form eines engen Marktes bedient wird. Sinnvoller als z.B. ein Spezialfonds mit Anlage in chinesischen Stahlaktien ist ein breiter angelegter Fonds etwa für den gesamten asiatischen Raum. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, wählt statt eines neu aufgelegten Fonds ein bereits seit vielen Jahren bestehendes Produkt, das mit konkreten Vergangenheitszahlen den Erfolg des Managements nachweisen kann.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2014; 39(17):13-13