Private Equity

Rendite mit Fragezeichen


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Seit die Kurse an den Aktienmärkten stetig klettern, steigt die Nachfrage nach Anlagealternativen. Davon profitieren „Private-Equity“-Produkte, also Beteiligungen etwa an geschlossenen Fonds oder jungen innovativen Technologieunternehmen. Die Risiken sind aber kaum überschaubar.

Als die sparkasseneigene Deka-Investmentgesellschaft im Sommer 2001 den „Deka-PrivateEquity“ als Dachfonds für Beteiligungsgesellschaften auflegte, herrschte noch Jubel in der Branche. Was sich anfangs positiv entwickelte, wurde jedoch schnell zum Desaster: Entgegen dem Börsentrend verloren die Anteile des Deka-PrivateEquity ab 2008 deutlich an Wert und 2012 wurde das einst viel beworbene Flaggschiff der Private-Equity-Branche aufgelöst. Andere Fondsgesellschaften zogen entsprechend nach und einige Zeit war diese Anlagesparte kein Thema mehr. Schließlich konnte auch mit Direktanlagen an der Börse gutes Geld verdient werden – bei deutlich geringeren Risiken. Doch seit dem zeitweiligen Anstieg des DAX über die 10.000-Punkte-Marke ist die Luft an den Aktienmärkten merklich dünner geworden. Und so finden entsprechende Produkte wieder häufiger Aufnahme in die Angebotslisten meist freier Finanzdienstleister.

Doch um was geht es konkret? Unter Private Equity versteht man letztlich alle Formen der Unternehmensbeteiligungen, die nicht an der Börse notiert werden. Meist handelt es sich dabei um Anteile an kleineren mittelständischen Unternehmen, die einerseits den Börsengang scheuen, andererseits zum weiteren Wachstum einen großen Kapitalbedarf haben, der sich nicht über Bankkredite finanzieren lässt. Als Unterkategorie von Private Equity gilt das „Venture Capital“, also das Wagniskapital, das in erster Linie von Unternehmen gesucht wird, die sich noch in einer frühen Entwicklungsphase befinden. In beiden Fällen wird oft der Börsengang angestrebt.

Kapitalgeber sind darauf spezialisierte Finanzdienstleister, die sich durch die Emission entsprechender Fonds refinanzieren. Allerdings setzen sie dabei selten auf das Kapital von Kleinanlegern: Die meisten Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds sehen Mindestanlagen von 1 Mio.€ bis 5 Mio.€ vor, sodass sich vorrangig institutionelle Investoren engagieren. Nachdem jedoch auch hier Vorsicht eingekehrt ist, werden immer mehr Fonds auch für private Anleger aufgelegt, angeboten in Stückelungen zwischen 5.000€ und 20.000€. Darüber hinaus kommen zunehmend Dachfonds auf den Markt, die sich an mehreren Einzelfonds engagieren und dem Anleger oftmals bereits einen Einstieg ab 1.000€ ermöglichen. Allerdings handelt es sich auch dabei regelmäßig um geschlossene Fonds, d.h., die Anteile können nicht jederzeit gekauft und wieder verkauft werden.

Gemeinsam ist allen Private- Equity-Fonds die hohe Renditeerwartung: Nach Musterrechnungen der Emittenten werden manchmal durchaus zwischen 10% und 20% Jahresrendite prognostiziert. Doch diese Rendite muss teuer erkauft werden: Ein Ausgabeaufschlag von 5% ist bei den Fonds eher die Regel als die Ausnahme, hinzu kommen „weiche Kosten“, z.B. für den Vertrieb oder die Kapitalbeschaffung. Diese erreichen schnell eine Größenordnung von 10% bis 20%. Berücksichtigt man noch die laufenden Kosten, werden von z.B. 100.000€ (inklusive Agio) bei manchen Fonds zunächst einmal nur rund 70.000€ tatsächlich investiert.

Hohe Risiken, geringe Transparenz

Gemeinsam sind den Fonds zudem die hohen Risiken und die geringe Transparenz: Die Rendite hängt ausschließlich vom Erfolg des bzw. der Unternehmen ab, an dem/denen sich der Fonds beteiligt. Eine Insolvenz führt also zu Kapitalverlusten. Und dabei ist zu bedenken, dass die chancenreichsten Beteiligungen kaum privaten Anlegern, sondern in erster Linie den institutionellen Investoren angeboten werden. Dem Kleinsparer werden indes nur solche Produkte vorgelegt, die sich am Kapitalmarkt nicht mehr platzieren lassen oder die extrem hohe Vermittlungsprovisionen bringen.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2014; 39(19):13-13