Editorial

Kuscheln statt Klasse?


Dr. Christine Ahlheim

Die Gehälter in den öffentlichen Apotheken entsprechen sowohl bei den Approbierten als auch bei den PTA weder der Leistung, die erbracht wird, noch der Ausbildung, die dazu befähigt. Und dies gilt nicht nur für die Tariflöhne, sondern auch, wenn 10 % mehr bezahlt wird (siehe hierzu den Beitrag "Betriebsführung – Lohnwüste Apotheke").

Nun wird unter Apothekenleitern gerne herausgestellt, dass der Arbeitsplatz Apotheke als wohnortnaher Familienbetrieb dafür andere Vorteile bietet. Dabei wird aber eines vergessen: Durch den Konzentrationsprozess im Apothekenwesen werden es immer mehr die angestellten Apotheker sein, die das Bild der Apotheke in der Öffentlichkeit prägen. Dem Berufsstand sollte daher daran gelegen sein, auch die besten Absolventen in die öffentlichen Apotheken zu locken. Nur mit „Kuschelfaktoren“ wird man aber die erstklassigen, ehrgeizigen, karrierebewussten Pharmazeuten nicht ansprechen.

Natürlich können die Apotheken nur dann gute Gehälter bezahlen, wenn sie dazu finanziell in der Lage sind. Damit dies in der Breite möglich ist, muss das Fixhonorar endlich adäquat erhöht werden. Gerade derzeit ist viel die Rede von den Verdienstlücken zwischen Männern und Frauen. Familienministerin Schwesig plant als Gegenmaßnahme gar die Offenlegung von Gehältern. Vielleicht sollte sie sich lieber dafür einsetzen, dass Arbeitgeber in Branchen, in denen vornehmlich Frauen arbeiten, so viel erwirtschaften, dass sie ihre Angestellten auch angemessen entlohnen können.

Dr. Christine Ahlheim M.A. Apothekerin

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2015; 40(07):2-2