Versorgungsatlas

Forscher warnen vor Praxisaufkäufen


Claudia Mittmeyer

Die Wissenschaftler des Versorgungsatlas (www.versorgungsatlas.de) durchleuchten die ambulante ärztliche Versorgung durch Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten in Deutschland. Eine aktuelle Studie liefert Karten und Tabellen zu den Arztzahlen oberhalb der sogenannten Sperrgrenze. In gesperrten Planungsregionen sollen nach dem geplanten Versorgungsstärkungsgesetz Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen künftig prüfen, ob Praxen bei der Abgabe durch den bisherigen Inhaber stillgelegt werden können.

Ein Forscherteam des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung simulierte in einem Worst-Case-Szenario auf Basis der neuen Daten die mögliche Auswirkung des geplanten Versorgungsstärkungsgesetzes auf die vertragsärztliche Versorgung. Das Gesetz sieht konkret vor, dass ab einem Versorgungsgrad von 110 % eine Überprüfung durch die Zulassungsausschüsse vor Ort erfolgt. Wenn der Erhalt einer Praxis nicht begründet werden kann – nicht zuletzt auch, weil aus der Sicht der Versorgungsforscher relevante Informationen fehlen –, soll der Sitz von der jeweils zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung aufgekauft und geschlossen werden.

Aufgrund der Altersstruktur der Ärzte – ein Viertel der Ärzte und Psychotherapeuten ist älter als 60 Jahre – stehen innerhalb der nächsten zwei Jahre schätzungsweise 10.000 Praxissitze zur Disposition. Nach den geltenden Verhältniszahlen wären beispielsweise rund 50 % der fachinternistischen Arztsitze – etwa Diabetologen, Gastroenterologen oder Kardiologen – bei der Übergabe an einen Nachfolger infrage gestellt.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2015; 40(08):4-4