Online-Reisebuchungen

Wenn Schnäppchen richtig teuer werden


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Das Internet hat das Buchungsverhalten deutscher Urlauber grundlegend verändert. Begann die Reiseplanung früher meist mit dem Gang ins örtliche Reisebüro, setzen Urlaubswillige jetzt oft auf die Buchung per Mausklick. Allerdings drohen dabei erhebliche Fallstricke.

„Eine Woche Dubai in Luxushotels inklusive Flug für 998€“ – dieses Angebot klingt zweifellos verlockend. Denn einzeln gebucht kostet der Flug mindestens die Hälfte des Preises und die angebotenen Hotels sind normalerweise kaum unter 200€ pro Nacht zu haben. Es lohnt sich daher, das Angebot genauer unter die Lupe zu nehmen. Dies beginnt bei der Reisezeit. Schnäppchenreisen werden hier gezielt für die Monate Mai bis September angeboten – sodass sich der Urlauber auf Außentemperaturen von 50 Grad und mehr einstellen muss. Entsprechend schwach gebucht sind die Luxusherbergen, die mit den Anbietern solcher Reisen entsprechende Tiefstpreise aushandeln. Dass man dafür kaum mit einem Luxuszimmer rechnen kann, versteht sich fast schon von selbst...

Punkt zwei ist der Flug. Die Emirate sind von Deutschland zwar problemlos per Direktflug zu erreichen. Bei Preisschnäppchen müssen jedoch oft Umsteigeverbindungen über London, Istanbul oder gar die Ukraine in Kauf genommen werden. Aus einer 5-Stunden-Verbindung wird damit manchmal ein ganzer Tag Anreise mit langen Wartezeiten.

Problem Nummer drei sind die Nebenkosten: Je günstiger eine Offerte, umso trickreicher sind die Anbieter mit dem Verstecken weiterer Kosten – vom Kerosinzuschlag über Versicherungen bis hin zu Bearbeitungsgebühren. Daneben werden oft beträchtliche Zuschläge für Gepäck und andere Leistungen verlangt, die sonst im Preis inkludiert sind. Das gilt nicht nur für Pauschalreisen, sondern besonders auch für Billigflüge – angeboten häufig schon ab 1€. Schnell summiert sich dies zu einem Betrag, der manchmal sogar über den Kosten eines Linienflugs liegt.

Gerne getrickst wird auch mit der Art der Reise. Hinter manchem Billig-Schnäppchen – insbesondere mit Ziel Türkei – verbirgt sich eine „Kaffeefahrt“, bei der die Touristen mehr oder minder gezwungen werden, an Verkaufsveranstaltungen und dem Besuch von Einkaufszentren teilzunehmen. Wer jedoch nach strapaziösem Nachtflug morgens um sieben Uhr in ein riesiges Teppichgeschäft gebracht und erst um 15 Uhr zu seinem Hotel transportiert wird, bereut seinen Sparwillen meist schnell.

Höhere Preise

Noch problematischer sind Buchungsangebote im Internet, hinter denen zunächst gar keine konkrete Leistung steht. Genannt werden zwar Urlaubsziel, Hotel etc. Klickt man jedoch auf „buchen“, erhält man nur eine Eingangsbestätigung. So mancher Urlaubswillige erfährt dann erst wenige Tage vor dem geplanten Reiseantritt, dass die Buchung nicht erfolgreich war. Als Lösung wird eine neue, diesmal verbindliche Buchung zu deutlich höherem Preis offeriert.

Einige Anbieter berufen sich auch auf einen Computerfehler. Statt des bei Buchung angezeigten Preises von 998€ kostet die Reise plötzlich 1.998€ – bedingt durch einen „bedauerlichen Programmierfehler“. Den neuen Preis muss der Kunde zwar nicht annehmen. Viele gehen aber darauf ein, da sie sich innerlich schon auf den Urlaub eingerichtet haben. Und wenn es hart auf hart kommt, kann sich der Anbieter vor Gericht darauf berufen, dass der Preis „irrational niedrig“ war und der Kunde den Fehler somit hätte erkennen müssen.

Doch selbst wenn alle Punkte zufriedenstellend geklärt werden können, müssen sich Reisende darüber im Klaren sein, dass Tiefstpreise in der Regel auch mit einer geringen Servicebereitschaft einhergehen. Stornierungen sind meist gar nicht oder nur gegen hohe Gebühren möglich und wenn man mit dem Veranstalter Kontakt aufnehmen will, landet man oftmals stundenlang in nervenaufreibenden Warteschleifen. Auch auf Reklamationen wird in der Regel erst eingegangen, wenn ein Rechtsanwalt beauftragt wurde.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2015; 40(10):16-16