Guido Michels
Umsatzentwicklung 2015
Die Umsätze der Apotheken legten im Jahr 2015 teilweise deutlich zu. Allerdings war die Entwicklung in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich, wie die Grafik unten rechts für West und Ost zeigt. Wie auch in den Betriebsvergleichen der Treuhand Hannover unterscheiden wir bei dieser Darstellung in GKV-Umsatz, Handverkauf (beinhaltet PKV-Umsätze, Selbstmedikation und Freiwahl) und Gesamtumsatz.
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Zuwächse gab es zum einen im GKV-Bereich, allerdings im Westen deutlich stärker als im Osten. Der Anstieg betrug 5,8 % (West) und 2,4 % (Ost). Dies ist einerseits auf den schon seit Jahren zu beobachtenden Struktureffekt von teuren, innovativen Therapien zurückzuführen. Andererseits stiegen im Jahr 2015 die auf GKV-Rezept abgegebenen Mengen. Letztere Entwicklung ist erfreulich, da hieraus dank der mengenorientierten Vergütung ein stärkeres Rohgewinnplus resultiert, als es bei reinen Preiseffekten der Fall ist.
Zum anderen zeigte im Jahr 2015 auch der Handverkauf (Privatrezepte, Selbstmedikation und Freiwahl) ein spürbares Wachstum von 3,0 % (West) und 2,9 % (Ost). Bei den PKV-Umsätzen wirkten, wie im GKV-Segment auch, Struktureffekte und Mengensteigerungen. Die Erlöse von OTC und Freiwahl stiegen wegen einer „Grippewelle“ zum Jahresanfang deutlich an. Dieser Sondereffekt schwächte sich zwar im Jahresverlauf ab, trug aber dennoch einen gewichtigen Teil zum HV-Umsatzplus bei. Der Gesamtumsatz je Apotheke legte insgesamt um 5,0% im Westen und um 2,5 % im Osten zu.
Diese Durchschnittswerte zeigen jedoch nicht, dass die Umsatzentwicklung sehr unterschiedlich verteilt ist. Etwa 70 % aller Betriebe haben 2015 von dem Wachstum profitiert, demgegenüber aber 30 % ein Umsatzminus erzielt. Dabei zeigt sich, dass je höher die Umsatzklasse ist, desto größer ist der Anteil der Apotheken, die Zuwächse verzeichnet haben.
Durch die Umsatzsteigerungen der letzten Jahre, aber auch durch die Spreizung in Umsatzgewinner und -verlierer hat sich die Verteilung der Apotheken nach Umsatz verschoben. Apotheken in niedrigen Umsatzklassen scheiden entweder aus dem Markt aus oder entwickeln sich in höhere Klassen. Dies sorgt dafür, dass es kaum noch eine „typische“ Umsatzgrößenklasse gibt, welche die Mehrheit der Apotheken umfasst. Stattdessen gibt es einen Bereich von 1,0 bis 2,5 Millionen Euro Jahresumsatz, in dem sich zwei Drittel aller Apotheken wiederfinden. Außerdem steigt der Anteil von Apotheken mit überdurchschnittlichen Umsätzen an, die von ihrer wirtschaftlichen Stellung her nur schwer mit durchschnittlichen Betrieben vergleichbar sind.
Rohgewinnentwicklung 2015
Im Jahr 2013 gab es erstmals seit etlichen Jahren eine Verbesserung der Rohgewinne durch Erhöhung der apothekerlichen Vergütung und Verringerung des Abschlags sowie für viele durch günstigere Einkaufskonditionen. Dies zeigt sich deutlich in der oben stehenden Grafik, die für 2013 den im Langzeitvergleich höchsten Rohgewinnsatz ausweist.
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Inzwischen hat sich der Rohgewinn im Verhältnis zum Umsatz jedoch wieder verschlechtert und nähert sich den Werten von vor 2013 an. Durch die allerdings in den letzten Jahren gestiegenen Umsätze hat sich der absolute Rohgewinn in Euro im Vergleich zu dieser Periode verbessert.
Im Jahr 2015 erreichten Apotheken im Westen 24,8 %, Apotheken im Osten 22,9 % Rohgewinn im Verhältnis zum Umsatz – eine Verschlechterung um 0,5 bzw. 0,3 Prozentpunkte.
Ein Grund für diese Entwicklung lag bei den Einkaufskonditionen, hier haben sich die erzielbaren Vorteile im Schnitt verschlechtert. Die größte Bedeutung hatte allerdings die steigende Hochpreisigkeit und die damit verbundene Verteuerung der Verordnungen.
Der Rohgewinn einer einzelnen Rx-Packung im Hochpreissegment ist mit rund drei bis vier Prozent sehr gering. Demgegenüber liegt eine durchschnittliche Rx-Packung in einem Rohgewinnbereich, der in etwa auch dem prozentualen Gesamtrohgewinn einer Durchschnittsapotheke entspricht. Geben Apotheken nun immer mehr teure Packungen ab, so senkt dies den Gesamtrohgewinn im Verhältnis zum Umsatz spürbar. Beispiel: Bei einer Durchschnittsapotheke würden zusätzliche 100.000 Euro Hochpreisumsatz im Jahr den Rohgewinn im Verhältnis zum Umsatz um rund einen Prozentpunkt vermindern.
Kosten in West und Ost
Die Gesamtkosten der Apotheken stiegen 2015, vor allem wegen einer Zunahme der Personalkosten. Die prozentuale Belastung sank aber (siehe Grafik unten): Im Westen lag sie bei 18,6 % vom Umsatz (Vorjahr 19,2 %), im Osten bei 16,4 % (16,6 %).
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Die absoluten Personalkosten stiegen 2015 analog zu den Vorjahren. Im Schnitt gaben die Apotheken rund 7.000 € mehr für Personal aus als im Jahr zuvor. Die Personalkosten lagen aber mit 10,9 % in den West-Apotheken und 9,6 % in den Ost-Apotheken auf dem Niveau des Vorjahresprozentsatzes. Zu berücksichtigen ist dabei, dass es sich bei diesen Werten ausschließlich um die Personalkosten für Mitarbeiter handelt. Ein kalkulatorischer Unternehmerlohn ist nicht enthalten.
Die sonstigen Kosten blieben von ihrer absoluten Höhe her relativ stabil, sodass durch die Umsatzsteigerungen ihre Relation zum Umsatz niedriger wurde. Im Westen lagen sie bei 7,7 % vom Umsatz, im Osten bei 6,8 %. Dies ist ein Indiz für Ausgabenbewusstsein und funktionierende Kostenoptimierung in den Apotheken. Dazu kommt, dass in dieser Position ein beträchtlicher Anteil an Fixkosten enthalten ist, der kaum Schwankungen unterworfen ist.
Geringes Plus beim Betriebsergebnis
Die Betriebsergebnisse der Apotheken lagen 2015 im Westen bei 6,2 % vom Umsatz, im Osten bei 6,5 % vom Umsatz und damit auf dem Niveau vom Vorjahr. Hinzu kamen noch durchschnittlich fünf- bis sechstausend Euro Zuschuss aus dem Nacht- und Notdienstfonds. Dank der Umsatzsteigerungen ergab sich durch die gleichbleibende prozentuale Rendite ein absolutes Gewinnplus von mehreren Tausend Euro je Apotheke.
In unseren Berechnungen sind keine kalkulatorischen Kosten enthalten, auch wurde kein Unternehmerlohn abgezogen. Um das Betriebsergebnis vor Steuern mit dem Einkommen von angestellten Apothekern vergleichbar zu machen, muss man auf den Verfügungsbetrag des Unternehmers abstellen. Dieser errechnet sich aus dem Betriebsergebnis abzüglich Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und gegenläufiger Gewerbesteueranrechnung. Außerdem sind die persönlichen Aufwendungen für Versorgungswerk sowie Kranken- und Pflegeversicherung zu berücksichtigen und den geleisteten Tilgungen für Kredite die Wertminderungen von Vermögensgegenständen (Abschreibungen) entgegenzustellen.
Ausblick 2016: Leichte Verschlechterung
Beim Umsatz rechnen wir für das Jahr 2016 mit einer Entwicklung ähnlich der im Jahr 2015. Die GKV-KBV-Arzneimittelrahmenvereinbarung sieht für 2016 einen Mehrverordnungsspielraum von 3,7 % (+1,2 Mrd. €) vor. Ähnlich dürfte die Veränderung bei Privatrezepten ausfallen. Bei den OTC-Umsätzen ist angesichts der starken „Grippewelle“ im Frühjahr 2015 für das Jahr 2016 keine erneute Steigerung zu erwarten – hier ist Stagnation wahrscheinlich. Im Branchendurchschnitt halten wir für 2016 ein Umsatzplus von drei Prozent fürrealistisch.
Der Wareneinsatz wird sich jedoch auch im Jahr 2016 verteuern. Hauptursache ist der Struktureffekt von teuren, innovativen Arzneimitteln. Die Personalkosten werden aufgrund der Tarifabschlüsse 2016 steigen. Hier errechnen wir im Durchschnitt pro Apotheke Mehrkosten von 8.000 € pro Jahr, dies wären 3,6 % mehr. Da es den Apotheken über eine ganze Reihe von Jahren gelungen ist, die sonstigen Betriebskosten weitgehend stabil zu halten, gehen wir für 2016 von konstanten Werten in diesem Bereich aus. Unterm Strich würde sich das durchschnittliche Betriebsergebnis in diesem Jahr geringfügig verschlechtern. In diesem Falle wäre das Gewinnplus aus dem Jahr 2015 wieder aufgezehrt.
Allerdings können die individuellen Abweichungen erheblich sein. Ein Branchendurchschnitt ist zwar eine wichtige Größe, um langfristige Trends und Veränderungen in der Apothekenlandschaft nachzuvollziehen. Für die individuelle Steuerung einer Apotheke ist dieser Durchschnitt aber ein zu grober Maßstab. Um die Veränderungen in der eigenen Apotheke nachzuvollziehen, braucht man Auswertungen, die in kurzer Zeit ein realistisches Bild über die eigene wirtschaftliche Lage zeichnen. Dazu ist es erforderlich, neben der eigenen Erfolgsrechnung passgenaue Vergleichszahlen heranzuziehen.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2016; 41(10):7-7