Prof. Dr. Reinhard Herzog
Nehmen wir an, Sie haben einen Rohstoff wie Kupfer oder Nickel als mögliches Investment ins Auge gefasst. Was tun? Zehn Tonnen Kupfer in den Keller legen (Wert momentan um 50.000 US-$)? Immerhin, ein Einbrecher, der diese Menge hinaus wuchtet, wüsste, was er im Schweiße seines Angesichts getan hätte ...
Andere Rohstoffe, die ganzen Börsen-Indizes z. B. von Ländern, Regionen und Branchen sowie Anleihemärkte – kurzum: Für fast alles, was heute nennenswert gehandelt wird, gibt es solche ETF-Papiere. Sie eröffnen somit den Zugang zu zahlreichen, sonst für den Privatanleger verschlossenen Märkten. Fast drei Billionen Dollar schwer ist der weltweite ETF-Markt inzwischen.
ETF gibt es in nennenswerter Anzahl seit den 1990er Jahren. Banken und Finanzinstitute legen sie auf, gehandelt werden sie täglich an den jeweiligen Börsen. Der Emittent bildet den jeweiligen Index in Form der zugrunde liegenden Wertpapiere, der Rohstoffe usw. eins zu eins ab, indem er die Wertpapiere selbst hält bzw. sich den Zugriff auf die Rohstoffe sichert.
Die aktuellen Kurswerte und Barmittel des Fonds abzüglich der Kosten bilden dann den sogenannten „Nettoinventarwert“ (NAV). Der Nettoinventarwert spiegelt also den „echten“ theoretischen Wert wider, den der jeweilige anteilige Wertpapier- oder Rohstoffkorb zu den täglichen Marktwerten hat, und wird laufend publiziert.
Der Preis bildet sich durch Angebot und Nachfrage, manche ETF weisen aber (wie Aktien auch) so schwache Umsätze auf, dass nicht unbedingt täglich ein Handel zustande kommt. Auf das Handelsvolumen gilt es also zu achten. Solche Ungleichgewichte von Angebot und Nachfrage können, neben anderen Faktoren, dazu führen, dass der Kurswert vom eigentlichen Nettoinventarwert mehr oder weniger deutlich abweicht.
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Fallen
Zwar stellen die in einem ETF geparkten Wertpapiere bzw. Rohstoffe „Sondervermögen“ dar und sind insoweit im Falle einer Insolvenz vor dem Gläubigerzugriff geschützt. Das unterscheidet sie von den „ETC“ (Exchange Traded Commodities), sofern diese nicht physisch besichert sind, oder gar Zertifikaten, die jeweils nur Inhaberschuldverschreibungen darstellen. Sie sollten trotzdem auf die Qualität und den Sitz des Emittenten achten!
Eine Falle ist die vorzeitige Kündbarkeit. Wenn der Emittent z. B. zum Jahresende mit dreimonatiger Vorlaufzeit kündigen kann, bedeutet das möglicherweise Verluste, weil der Index in einem temporären Tief steckt. Das haben Sie dann nicht mehr im Griff.
Die laufenden Gebühren sind bei marktbreiten Papieren moderat (im jährlichen Promillebereich), können aber bei spezielleren Vehikeln oder Rohstoffen weit darüber liegen. Hinsichtlich der An- und Verkaufsspesen werfen Sie einen Blick auf Ihre Depot-Bank, die Unterschiede sind hier beträchtlich.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2016; 41(13):16-16