WIdO Ärzteatlas 2016

Ärztemangel mit vielen Fragezeichen


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Jedes Jahr legt das Wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkassen den „Ärzteatlas“ vor. Das Werk gibt es als PDF-Datei kostenlos unter www.wido.de.

Deutschland steht bei der Ärztedichte im Vergleich der 34 OECD-Staaten an fünfter Stelle. Länder wie USA, Kanada oder Japan kommen mit einer über ein Drittel niedrigeren Arztdichte aus. Hierzulande hat sich die Zahl der berufstätigen Ärzte selbst jüngst noch deutlich erhöht (von 408 auf 456 je 100.000 Einwohner von 2010 bis 2015). 1991 genügten 304 Ärzte. Selbst in den versorgungspolitisch kritischen neuen Bundesländern hat die Ärztezahl je Einwohner bis in die jüngste Zeit deutlich zugelegt.

Ambulante Vertragsärzte („Kassenärzte“) gibt es bundesweit 178 je 100.000 Einwohner, abweichend davon in Bremen mit 233 die meisten, in Brandenburg mit 160 die wenigsten, die meisten Bundesländer liegen zwischen 170 und 180.

1.671 Einwohner sollten gemäß der Bedarfsplanungsrichtline auf einen Hausarzt kommen, mit regionalen Besonderheiten. Bundesweit wird die geforderte Versorgungsdichte mit 109,6 % übererfüllt. Selbst Sachsen-Anhalt als Schlusslicht erreicht 101,5 %. Von 914 Planungsbereichen sind nur 8 mit unter 75 % klar unterbesetzt, die nächsten 70 bleiben immer noch unter 90 %, 405 Bezirke kommen aber über 110 %.

Erheblich höhere Versorgungsgrade finden wir jedoch bei den Fachärzten. Es gibt also nach wie vor nicht zu wenig Ärzte, aber deren Verteilung geht zunehmend am Bedarf vorbei, und die stärker gefragte „Work-Life-Balance“ hinterlässt ihre Spuren.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2016; 41(15):3-3