Prof. Dr. Reinhard Herzog
Warum quälen Sie sich noch in Ihrer Apotheke? Schließlich haben andere Einzelhandels- und Dienstleistungsbranchen weit höhere (Roh-)Gewinnmargen, und das bei erheblich niedrigeren Zugangsvoraussetzungen.
Der Blick in „Nachbars Garten“ ist ernüchternd und lässt die Frage aufkommen, ob Arzneimittel als „Ware besonderer Art“ nicht immer mehr zu einer „Betriebsführung besonders unerfreulicher Art“ zwingen, zum Dank mit Gewinnmargen in „besonders undankbarer Höhe“. So jedenfalls die Erkenntnis, wenn andernorts Spannen von 45 %, 50 % oder gar 70 % (z.B. Bäckereien) aufgerufen werden – und Gewinnsätze im deutlich zweistelligen Bereich.
Ganz so einfach ist es nicht: Was haben Sie unter dem Strich von 25% Gewinn bei einem Jahresumsatz von 200.000 €? Sind 200 Kunden täglich noch so prickelnd, wenn jeder im Schnitt nur 5,00 € netto in die Ladenkasse spült? In der klassischen Apotheke sind es immerhin 35 € bis 40 €, welche trotz auf den ersten Blick eher bescheidener Marge von knapp 25 % eben mehr Rohertrag einbringen, als viele andere Läden an Bonumsatz haben. Nachbars Trauben mögen süßer sein und tiefer hängen – sie sind aber weitaus kleiner.
Gleichwohl sind die Anforderungen heute im Apothekenalltag so überzogen, dass selbst ordentliche Erträge je Kunde für immer weniger Apotheken auskömmliche Gewinne ermöglichen. Und das ist schon ein ernstes, „systemrelevantes“ Warnsignal.
Herzlichst, Ihr
Dr. Reinhard Herzog
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2016; 41(19):2-2