Anlagenotstand

Die Nadel im Heuhaufen finden …


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Die Verzerrung an den Kapitalmärkten durch die anhaltende Niedrigzinspolitik, die sich immer weiter zu verfestigen scheint, hält an. Man muss heute sehr genau hinschauen, wo man noch investiert, selbst bei scheinbar „sicheren“ Sachwerten wie Immobilien oder Aktien.

Schnelles Geld lockt: Bayer möchte die US-Firma Monsanto übernehmen, für stolze 128 US-$ je Aktie. Trotzdem notiert Monsanto noch unter 105 $, ein Abstand von gut 20%. Offenkundig ist hier ein mögliches Scheitern des Deals (u.a. Kartellbehörden) eingepreist. Mutige greifen zu; das Verlustrisiko ist bei der profitablen Monsanto auch ohne Bayer überschaubar.

„Fallen Angels“: Düngemittel

Der weltweite Düngemittelmarkt ist vor allem durch die Elemente Kalium, Phosphor und Stickstoff gekennzeichnet (in ihren jeweiligen chemischen Verbindungen). Bis 2020 sieht man ein globales Bedarfswachstum von etwa 1,6 % pro Jahr auf dann knapp 200 Mio. Tonnen auf Basis der Elemente. Der Kalimarkt soll mit 2,3 % p.a. am stärksten wachsen, Phosphor mit 1,7 %, Stickstoff mit 1,2 % (nach International Fertilizer Industry Association, www.fertilizer.org, vom Juni 2016). Angesichts einer um rund 80 Mio. Menschen jährlich steigenden Weltbevölkerung und wachsendem Nahrungsmittelbedarf bei begrenzten Flächen ist der Düngemittelmarkt ein langfristiger Wachstumsmarkt, wenn auch mit überschaubaren Raten. Andererseits werden immer mehr Minen erschlossen, das globale Angebot steigt teils stärker als der Bedarf, was die Preise drückt. Der Preisverfall hat nach massiven Übertreibungen schon länger eingesetzt – und könnte jetzt einen Boden finden.

In der Folge sind die Aktien von Firmen wie Potash Corporation (Kanada), Israel Chemicals ICL (Israel, 13,8 % der Aktien werden von Potash gehalten!) und Kali + Salz (Deutschland) unter die Räder gekommen. Die Potash Corp. ist eine 5,8-Mrd.-$-Firma, die immer noch Gewinne schreibt (2015: 1,27 Mrd. US-$ Nettogewinn, 1,52 $ je Aktie), bislang ordentliche (allerdings fallende) Dividenden zahlt, aber fast 1:1 am Kali- bzw. Phosphatpreis hängt – siehe Abbildung (der Aktienkurs ist hier in relativen Einheiten mit Höchstkurs = 1000 aufgetragen). Im Sinne der „Fallen-Angel-Strategie“ ist die Aktie eine Überlegung wert; fast mehr gilt dies für die Israel Chemicals ICL (stärker diversifiziert, in 2015 5,4 Mrd. US-$ Umsatz, 509 Mio. $ Nettogewinn, 1,37 Mrd. $ EBITDA = gut 25 % EBITDA-Marge, Dividendenrendite 2015 um 4 %). Dieser Wert wird allerdings nicht in Deutschland gehandelt, sondern u.a. an der NYSE in New York.

Vorsichtig wären wir vorerst bei der deutschen Kali + Salz. Hier warten noch zu viele „Baustellen“ (u.a. Genehmigungen, anstehende Klagen).

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2016; 41(19):16-16