Prof. Dr. Reinhard Herzog
„Selbstständig sein bedeutet: Er/sie arbeitet ständig selbst …“ Dieses Schicksal teilen die meisten Selbstständigen in unserer Republik. Dies gilt umso mehr, wenn Kundenkontakt vorherrscht – denken Sie nur an den übrigen Einzelhandel oder verschärft die Gastronomie.
Zudem hat sich unser Berufsstand zu etlichen „Gemeinwohlpflichten“ wie Kontrahierungszwang oder Notdiensten und zudem zu vielen speziellen Regularien verpflichtet – im Tausch vorrangig gegen eine (wackeliger werdende und politisch bestimmte) Preisbindung und das Fremdbesitzverbot. Dieses Tauschgeschäft funktioniert bei immer mehr Apotheken nur um den Preis erheblicher Selbstausbeutung: Bei den kleineren „Einzelkämpfer-Apotheken“ infolge des Zurückbleibens hinter dem Markt und Personalmangel, bei den größeren durch immer höhere Anforderungen an Organisation und Management. Im Zweifel „kocht der Chef auch hier selbst“, bügelt Personalengpässe insbesondere bei den Approbierten aus. Nur einer vergleichsweise kleinen Gruppe gelingt es, sich durch cleveres Drehen an vielen Stellschrauben wirklich schöne Freiräume zu schaffen.
Eine Stellschraube sind die Öffnungszeiten, teils fremdbestimmt, teils aber auch aus verschiedensten (sinnhaften?) Gründen selbst aufgebürdet. So sollten Sie deren wirtschaftliche Bedeutung im Einzelfall ermessen können, um ggf. gegensteuern zu können. Arbeiten Sie mit Hilfe unserer Anregungen daran!
Seien Sie aufs Herzlichste gegrüßt,
Ihr
Dr. Reinhard Herzog
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2017; 42(02):2-2