Prof. Dr. Reinhard Herzog
Ob geleitet von der sprichwörtlichen Angst des Kaninchens vor der Schlange oder von groteskem Wagemut unter Überschätzung der eigenen Möglichkeiten: Bei der Apothekenführung finden wir das gesamte Spektrum von glücklichen, riskant-mutigen bis hin zu ruinösen Entscheidungen.
Bauchgefühle dominieren gern über eine nüchterne Analyse, gefährliches Vertrauen in andere überstrahlt den gesunden Menschenverstand und die eigene Orts- und Marktkenntnis. Man staunt bisweilen, wie wenig Zutrauen zur eigenen Markteinschätzung besteht – oder welche Vorstellungen manche Kollegen davon haben, wovon sie überhaupt mit welchem Risikoprofil leben.
Mit anderen Worten: Die Risiko- und Entscheidungskultur ist vielfach verbesserungsfähig. Ohne Faktengrundlagen und ein modernes „Decision Management“ drohen empfindliche Niederlagen. So sind schon ganze „Apotheken-Imperien“ ins Wanken geraten. Dies gilt umso mehr, als gerade in unserem Berufsstand schwere wirtschaftliche Fehltritte kaum mehr verziehen werden, nicht zuletzt aufgrund der persönlichen Haftung „mit Haus und Hof“. Und so mag gar manchmal „Abwarten und Teetrinken“ die klügste Option sein, wenn man sie denn bewusst mit guten Argumenten gewählt hat. Die langweilige Null ist regelhaft die bessere Alternative zum dicken Minus. Treffen Sie daher nicht vorrangig mutige, sondern gute, überschaubare Entscheidungen!
Seien Sie aufs Herzlichste gegrüßt,
Dr. Reinhard Herzog
„Wer nur das denkt und tut, was alle denken und tun, bekommt auch nur das, was alle bekommen.“
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2017; 42(07):2-2