Update Anlageideen

Niedrigzinsen und teuren Märkten trotzen


Helmut Lehr

Trotz vieler Krisenherde sehen wir Höchststände an den Aktien- und Immobilienmärkten: Wer Geld neu anlegen möchte, steht weiterhin vor einem Dilemma. Was lässt sich heute noch im Dreieck „günstige Bewertung“, „Zukunftsperspektiven“ und „überschaubares Risiko“ finden?

Der DAX nimmt noch Anlauf, MDAX und SDAX haben unlängst bereits Rekordmarken erreicht, ähnlich wie der Dow Jones in USA. Die DAX-Werte sind Mitte März 2017 mit etwa dem 16,8-Fachen der erwarteten Gewinne für 2017 bewertet, die durchschnittliche Dividendenrendite liegt mit knapp 2,5 % (Basis: dieses Jahr voraussichtlich bezahlte Dividenden) unter dem langjährigen Mittelwert.

Günstig bewertet erscheinen nach wie vor die Autowerte (BMW, Daimler, VW), allerdings stehen diese Firmen vor großen Herausforderungen an vielen Fronten (US-Markt, Elektromobilität, autonomes Fahren, Verschiebung der Wertschöpfung zur Elektronik, Abgas-/Umweltthematik). Die rein optisch ebenfalls noch sehr günstige Bewertung der Banken (Deutsche Bank, Commerzbank) hat ebenfalls Gründe, hier greifen nach wie vor nur sehr Mutige zu.

„Zweite Reihe“ betrachten

In der zweiten Reihe im MDAX ist die Spezialchemie-Perle Evonik einen Blick wert. Immerhin rund 4 % recht sichere Dividendenrendite und eine halbwegs vernünftige Bewertung versöhnen, zudem sich aufhellende Zukunftsperspektiven. Pharmazeuten kennen die Eudragit®-Filmüberzüge der früheren Fa. Röhm, diese zählt schon länger auch zu Evonik …

Auf den ersten Blick langweilig, aber als bilanziell betrachtet unterbewertet (Kurs-Buchwert-Verhältnis um 0,5) erweist sich die Stuttgarter Wüstenrot & Württembergische AG: Bausparkasse, aber auch Versicherungskonzern mit einem Immobilienportfolio, welches sich im Kurs nicht ganz widerspiegelt. Immerhin gut 3% Dividendenrendite gibt es obenauf. Ein „Kippen“ der teils heiß gelaufenen Immobilienmärkte täte allerdings diesem Wert nicht gut.

Statt Einzelwerten kann man natürlich die Karte Indices spielen. ETF (Exchange Traded Funds) bieten sich hier an. Eine interessante Lektüre hierzu findet sich auf der Webseite der Börse Frankfurt (ETF-Magazin Nr. 01/2017, unter www.boerse-frankfurt.de/inhalt/publikationen-etfmagazin).

So reden alle von Robotik und Industrie 4.0 – in jedem Fall ein Zukunftsthema und Wachstumsmarkt. Mit dem ETF Robo-Stox-Global-Robotics-and-Automation der britischen ETF Securities (WKN A12GJD) kann man breit gestreut teilhaben. Der dem ETF zugrunde liegende Index „Robo-Stox Global“ bildet nämlich etwa 80 Unternehmen aus diesem Bereich ab.

Rohstoff-Comeback

Viele Rohstoffe haben ihr Tief Anfang 2016 hinter sich gelassen. Interessant erscheint das einen klaren Aufwärtstrend suchende und deutlich pendelnde Platin bei Kursen um 900 US-$ je Feinunze (= etwa die Produktionskosten). Eine baldige Erholung in die Gegend deutlich über 1.000 $ ist dann recht wahrscheinlich – solange die Autonachfrage nicht grundlegend einbricht, was aber erst auf lange Sicht ein Thema ist. Auch hier bieten sich ETF mit physisch hinterlegtem Platin als kostengünstiges, liquides Anlagevehikel an.

Musik kommt in den Kurs des schon früher als exotische Beimischung vorgestellten seltenen Rhodiums. Die Talsohle um 600 US-$ je Feinunze scheint durchschritten, inzwischen werden die 1.000 $ angepeilt. Bei auf lange Sicht immer wieder einmal auftretenden Angebotsdefiziten sollte der Preis irgendwann ganz andere Höhen erreichen, wie früher bereits (historische Charts siehe auf www.kitco.com). Das ist die geduldige „Lauer- und Ansitzstrategie“ bei der Kapitalanlage.

Chancenreich unter diesem Aspekt sehen wir das breit verwendete Nickel bei Kursen um 10.000 US-$/to. – neben Kupfer ein Indikator der Weltwirtschaft.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2017; 42(07):16-16