Prof. Dr. Reinhard Herzog
Nachdem das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe geplante Rx-Versandverbot im Koalitionausschuss am Widerstand der SPD gescheitert ist, hat der stellvertretende Unions-FraktionsvorsitzendeGeorg Nüßlein (CSU) angekündigt, dass es keine weiteren Verhandlungen mit der SPD geben werde. Gegenüber DAZ.online erklärte Nüßlein: „Wir werden das Thema nun in den Wahlkampf mitnehmen und dafür sorgen, dass es in den nächsten Koalitionsvertrag mitaufgenommen wird. Das Rx-Versandverbot bleibt unsere Kernforderung.“ Unterdessen hat SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach angekündigt, dass er weiter mit den Apothekern verhandeln wolle; laut Presseberichten hat er die ABDA und die Versandapotheken Ende April zu einer Gesprächsrunde eingeladen. Lauterbach sieht u.a. ein Beratungshonorar für Apotheken vor, über dessen konkrete Ausgestaltung er sich allerdings nicht äußerte.
Während die FDP aufgrund der Auslassungen ihres Vorsitzenden Christian Lindner zum Rx-Versand viele Apotheker verärgert haben dürfte, macht sie nun in ihrem Programmentwurf zur Bundestagswahl interessante Vorschläge für eine Reform unseres Gesundheitssystems. Danach soll jeder Bürger unabhängig von seinem Einkommen frei wählen können, ob er sich bei der GKV oder der PKV versichert. Die PKV soll verpflichtet werden, jeden Antragsteller im Basistarif zu versichern, die gesetzlichen Kassen sollen mehr Selbstständigkeit bei Tarifoptionen und Leistungsangeboten bekommen.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2017; 42(08):2-2