Dr. Andreas Nagel
Neue Ideen entstehen in den meisten Fällen nicht blitzartig, zufällig oder auf Abruf, sondern durch einen strukturierten Denkprozess und durch die mehrmalige Beschäftigung mit dem jeweiligen Thema. Vielleicht kennen Sie die Situation, dass Sie angestrengt über ein Problem nachdenken, ohne zu einer Lösung zu kommen, und erst am folgenden Tag fällt Ihnen dann beim nochmaligen Durchdenken des Themas endlich eine geeignete Lösung ein. Zur Entwicklung neuer Ideen bietet sich in den meisten Fällen eine systematische Vorgehensweise an. Wählen Sie aus den folgenden Schritten jeweils die Maßnahmen aus, die für Ihre individuelle Ideensuche sinnvoll sind.
Ist-Zustand beschreiben
Beschreiben Sie zunächst den Ist-Zustand oder definieren Sie das Themengebiet, zu dem Sie neue Ideen entwickeln wollen (Schlüsselfrage: „Wie ist die derzeitige Situation?“). Definieren Sie, was genau Sie verbessern möchten und ob Sie die Veränderung allein herbeiführen können oder ob Sie die Unterstützung weiterer Personen benötigen (Mitarbeiter oder externe Berater). Beschreiben Sie bei Bedarf auch die Entstehung bzw. die Ursachen der derzeitigen Situation (Schlüsselfrage: „Wie ist es zu dieser Situation gekommen?“). Eine genaue Beschreibung und Analyse der bisherigen Entwicklung und der aktuellen Situation zeigt manchmal bereits erste Ansatzpunkte für Verbesserungen.
Ideen sammeln
Fragen Sie sich dann, welche Veränderungen oder Verbesserungen durch Ihre Ideen erreicht werden sollen (Schlüsselfrage: „Wie kann man .......... erreichen?“).
Sammeln Sie anschließend möglichst viele Ideen und nutzen Sie dabei die folgenden drei Fragen.
Frage 1: Welche Ideen fallen Ihnen selber durch eigenes Nachdenken ein?
Frage 2: Welche Bücher oder Seminare gibt es zu diesem Thema? Geben Sie dazu Ihr Thema zusammen mit den Begriffen „Buch“ oder „Seminar“ in eine Internet-Suchmaschine ein oder recherchieren Sie Ihr Thema direkt in einem Online-Portal wie Amazon.de oder Buchoffizin.de.
Frage 3: Welche Personen könnten Sie um Rat, Unterstützung oder weitere Ideen bitten (z.B. Freunde, Bekannte, Verwandte, Kollegen oder befreundete Apotheker aus anderen Apotheken)? Vielleicht kennt auch jemand aus Ihrem Bekanntenkreis eine Person, die Ihnen weiterhelfen kann, oder es gibt Diskussionsgruppen im Internet, die sich mit dem Thema beschäftigen. Eventuell stoßen Sie so auf eine Person, die sich mit Ihrer Fragestellung bereits erfolgreich befasst hat.
Bei der Ideensuche geht es zunächst darum, möglichst viele davon zu sammeln und erst anschließend eine Beurteilung der Ideen vorzunehmen. Schreiben Sie daher auch Gedanken auf, die auf den ersten Blick abwegig, unrealistisch, unsinnig, ungeeignet oder lächerlich erscheinen. In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass gerade diese Ideen durch eine Weiterentwicklung, Verfeinerung oder durch Kombination mit anderen Ideen zu den kreativsten Lösungen führen können.
Ideen bewerten
Beurteilen Sie Ihre Ideen nach Qualität und Realisierbarkeit. Meist lassen sich sie sich in vier Gruppen einteilen:
- Gruppe 1: Ideen, die sofort realisierbar sind,
- Gruppe 2: Ideen, die später realisierbar sind,
- Gruppe 3: Ideen, die noch näher zu prüfen sind,
- Gruppe 4: Ideen, die nicht realisierbar sind.
Wählen Sie die besten aus und prüfen Sie dabei auch eine mögliche Kombinierbarkeit. Je mehr Ideen Sie gesammelt haben, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich jetzt, durch eine Kombination zu völlig neuen Lösungen zu kommen.
Regelmäßige Ideensuche
Mit der dargestellten Vorgehensweise können Sie entweder aus aktuellem Anlass oder auch regelmäßig neue Ideen produzieren. Wenn Sie Freude am kreativen Denken haben und regelmäßig neue Ansätze erarbeiten möchten, dann legen Sie doch für Ihre Ideensuche einen wiederkehrenden Termin fest. Ein regelmäßiger Termin wird Ihnen innerhalb kurzer Zeit zur Gewohnheit und gerät nicht wieder in Vergessenheit.
Sie können auch die tägliche Fahrt zur Apotheke kreativ nutzen. Wenn Sie eine Fahrtzeit von 15 Minuten morgens und abends regelmäßig zum Nachdenken nutzen, sind das 30 Minuten pro Tag. Wenn Ihnen in dieser Zeit täglich nur eine Idee einfällt, sind das bei fünf Arbeitstagen fünf Ideen pro Woche und 20 pro Monat.
Manche Gedanken werden vielleicht wertlos oder nicht umsetzbar sein, einige Ideen werden aber auch gut und einige sogar hervorragend sein. Denken Sie auch immer daran, neue Ideen sofort zu notieren. Andernfalls kommen Sie vielleicht in der Apotheke oder zu Hause an und wissen nur noch, dass Sie unterwegs einen „Geistesblitz“ hatten – aber leider nicht mehr, was es konkret war.
Das Gute beim Sammeln von Verbesserungsideen ist, dass Sie bei dieser Tätigkeit kaum Konkurrenz haben! Die meisten Menschen machen sich nämlich keine regelmäßigen Gedanken über mögliche Verbesserungen, da sie vorrangig mit Routinetätigkeiten, persönlichen Angelegenheiten und Alltagsproblemen beschäftigt sind.
Ideenbuch für Mitarbeiter
Mit einer einfachen Methode können Sie auch das Ideenpotenzial Ihrer Mitarbeiter optimal nutzen. Legen Sie im Pausenraum der Apotheke ein kleines „Ideenbuch“ aus. Dabei handelt es sich um ein leeres DIN-A5-Heft aus dem Schreibwarenhandel. Die Mitarbeiter können dann alle Ideen, die im Alltag auftauchen, stichwortartig und mit sehr geringem Zeitaufwand in dieses „Ideenbuch“ eintragen. Diese werden dann bei der nächsten Mitarbeiterbesprechung diskutiert und bei Eignung anschließend umgesetzt.
Kreativitätstechniken nutzen
Neben der hier dargestellten Vorgehensweise existiert eine Vielzahl spezieller Kreativitätstechniken und Denkhilfen für unterschiedliche Zwecke. Es gibt Techniken für die Anwendung als Einzelperson, die Anwendung im Team und spezielle Zielsetzungen (z.B. für die Verbesserung von Produkten oder Arbeitsabläufen). Fast alle Kreativitätstechniken sind in Büchern und im Internet ausführlich beschrieben. Mit dem Suchbegriff „Kreativitätstechniken“ finden Sie im Internet alle bewährten Methoden. Wählen Sie hier bei Bedarf die für Ihre Situation passende Methode aus.
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Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2017; 42(11):13-13