Prof. Dr. Reinhard Herzog
Womöglich entscheidet sich unsere Zukunft weit stärker in den Metropolen des Automobilbaus, als uns lieb sein kann. Kippt diese Vorzeigebranche, wird dies an den Sozialsystemen und uns nicht spurlos vorbeigehen. 465 Mrd. € Umsatz machten 2016 allein die rein deutschen Hersteller, dazu kommen Zulieferer, Tankstellen, Werkstätten und viele indirekte Effekte in den Wertschöpfungsketten.
Manche Parallelen unserer Apotheken zur Autobranche mögen überraschen. Hier wie da dominieren teils völlig realitätsferne Standards, die nur mit höchstem Aufwand zu erreichen sind und zum Tricksen einladen. Was beim Auto die E-Mobilität, sind bei Apotheken Versand und Automation, welche das operative Geschäft umkrempeln. Die Autobranche völlig auf den Kopf stellen könnte das autonome Fahren; bei uns dürften es neue therapeutische Verfahren abseits der üblichen „Schächtelchen“ werden, die uns den Markt streitig machen.
Autofirmen können den Schwenk zu Mobilitätsdienstleistern schaffen, indem sie künftig vor allem Kilometerleistungen verkaufen und weniger Autos, heute ja eher Steh- statt Fahrzeuge. Wie sehen dagegen unsere Geschäftsmodelle der Zukunft angesichts von Digitalisierung und medizinisch-technischem Fortschritt aus?
Deutschland ist spitze – in den Technologien des 20. Jahrhunderts. Hand aufs Herz: Gilt dies nicht auch ein wenig für die Apotheken?
Ganz herzliche kollegiale Grüße,
Ihr
Dr. Reinhard Herzog
„Die Indifferenten von heute sind die Insolventen von morgen.” (Emil Oesch)
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2017; 42(16):2-2