Helmut Lehr
Wenn sich Ehegatten einander Darlehen gewähren, steht es ihnen natürlich frei, Zinsen zu vereinbaren. Verzichten sie darauf, hat dies für den Darlehensnehmer auf den ersten Blick keine ertragsteuerlichen Auswirkungen, weil er keine Zinsen zahlen muss. Die Finanzverwaltung schaut dabei allerdings genauer hin: Wird nämlich ein Darlehen über mehr als zwölf Monate gewährt und fließen die Darlehensmittel in den Betrieb des Darlehensnehmers (z.B. zur Erweiterung der Apotheke), führt dies zu einem Abzinsungsgebot.
Soll heißen: Das Darlehen wird in der Bilanz für die Apotheke nicht mit seinem Nennwert berücksichtigt, sondern nur mit dem deutlich geringeren (steuerlichen) Barwert. Der Abzinsungsbetrag führt zu zusätzlichen „Betriebseinnahmen“, wie der Bundesfinanzhof aktuell nochmals bestätigt hat (vgl. Urteil vom 13.07.2017, Aktenzeichen: VI R 62/15).
Hinweis: Der Gesetzgeber schreibt vor, dass die Abzinsung mit einem Zinssatz von immerhin 5,5% (!) zu erfolgen hat. Aus Vereinfachungsgründen lässt sich der Abzinsungsbetrag ermitteln über sogenannte „Vervielfältiger für die Abzinsung einer unverzinslichen Schuld, die nach bestimmter Zeit in einem Betrag fällig ist“ (vgl. Bundesfinanzministerium, Schreiben vom 26.05.2005, Aktenzeichen: IV B 2 – S 2175 – 7/05; in Auszügen dargestellt in Tabelle 1).
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Beispiel
Apotheker Gerhard erhält von seiner Ehefrau ein zinsloses Darlehen über 100.000 € für eine Geschäftserweiterung. Die Schuld ist in fünf Jahren in einer Summe zurückzuzahlen. Unter Berücksichtigung der Vervielfältiger aus Tabelle 1 ist das Darlehen zunächst nur mit 76.500 € (100.000 € x 0,765) in der Bilanz auszuweisen. Der Abzinsungsbetrag in Höhe von 33.500 € (100.000 € – 76.500 €) führt im ersten Jahr zu einem außerordentlichen Ertrag. Dieser wird erst durch die in den folgenden Jahren vorzunehmende „Aufzinsung“ (=Aufwand) sukzessive ausgeglichen.
Geringe Verzinsung reicht
Auch wenn Ehegatten untereinander keinen marktüblichen Zinssatz vereinbaren möchten, lässt sich die „Steuerfalle Abzinsung“ bereits mit einer geringen Verzinsung relativ leicht vermeiden. So hat auch die Finanzverwaltung bereits ausdrücklich bestätigt, dass ein Zinssatz von mehr als 0% grundsätzlich genügt, um der Abzinsungspflicht zu entgehen.
Häufig werden Darlehen unter nahen Angehörigen allerdings ganz bewusst marktüblich verzinst, insbesondere wenn der Darlehensnehmer die Zinsen als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehen kann. Sofern die Zinseinnahmen dann lediglich der moderaten Abgeltungsteuer („25%“) unterliegen würden, wäre das Steuersparmodell perfekt. Der Gesetzgeber hat hier allerdings „vorgesorgt“: Die Abgeltungssteuer auf Zinseinnahmen greift nämlich dann nicht, wenn Gläubiger und Schuldner einander nahestehende Personen sind. Dies soll insbesondere bei wirtschaftlicher Abhängigkeit der Fall sein (vgl. hierzu AWA 15/2015).
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2018; 43(04):18-18